Hilti schwebt über die Aare

von David Fürst 22. September 2026

B-Sport Fast täglich foilt Pascal Hiltbrand über die Gewässer der Schweiz, ohne Motor, nur mit Muskelkraft. Was Foilen genau ist und weshalb ihn der Sport so gepackt hat, erzählt er Journal B am Aareufer im Schwellenmätteli.

Am letzten Sonntag im August parkiert Pascal Hiltbrand seinen im Sonnenlicht funkelnden Tesla unter der Kirchenfeldbrücke beim Schwellenmätteli. «Foilen ist wie eine Mischung aus Snowboarden im Tiefschnee und Wellensurfen», erklärt Hiltbrand. Mit Foil ist eigentlich der Mast gemeint, den der 37-Jährige nun am Brett befestigt. Er sorgt für den Auftrieb, mit dem der gebürtige Oberländer jetzt dann gleich übers Wasser schweben kann.

Mit dem zusammengebauten Brett und Foil läuft er unterhalb der Schwelle zur Aare, wo ein Steg ins Wasser führt. Um auf der Aare zu gleiten, braucht es genügend Wasser, ein Brett mit Foil und viel Kraft in den Beinen und im Rumpf.

«Der Start ist immer schwierig wegen der Balance, aber hier beim Schwellenmätteli besonders herausfordernd. Ich muss statt seitwärts nach vorne springen und bin dann sofort in der Strömung.» Nach einigen Anläufen klappt es und Hilti fällt nicht mehr ins Wasser. Auf der Aare ist das Foilen anspruchsvoller als auf dem See. Die Strömung erschwert nicht nur den Start. Trotzdem schätzt er gerade diese Herausforderung mitten in der Stadt Bern.

Foilen ist wie eine Mischung aus Snowboarden im Tiefschnee und Wellensurfen.

Das Brett hebt sich nun aus dem Wasser, nur der schmale Flügel bleibt unter der Oberfläche. Mit rhythmischen Auf-und-ab-Bewegungen, dem sogenannten Pumpen, erzeugt Hiltbrand die nötige Geschwindigkeit fürs Fortkommen. Fast lautlos gleitet er Richtung Münster, vorbei an Schwimmerinnen und Aarebötli. Am Ufer bleiben Passant*innen stehen. Einige erkennen «Hilti» von Social Media und rufen ihm zu. Er winkt zurück, macht eine elegante Kurve und landet im Wasser. Dabei folgt ihm eine Wasserdrohne, die Aufnahmen für seine Social Media macht.

So mühelos das Foilen heute beim Berner aussieht – dahinter steckt jahrelanges Training. Die ersten Versuche machte Hiltbrand am Wohlensee, wo er eine Woche lang fast täglich übte das Brett überhaupt stabil zu halten. «Am Anfang musst du vor allem eines: schwimmen», sagt er und lacht. Bis die ersten längeren Strecken klappten, vergingen rund drei Jahre. Heute fährt er um den ganzen Thunersee an einem Tag. Bekannt wurde er dadurch zuerst auf Instagram, später auf TikTok.

Erkannt wird Hiltbrand immer wieder. Auch heute suchen viele Spaziergänger*innen das Gespräch mit ihm. Aufhänger, den 37-jährigen gebürtigen Oberländer anzusprechen, gibt es genügend.

«Es kamen auch schon Polizisten und wollten ein Selfie mit mir machen», erzählt er. «Zuerst dachte ich, sie wollen mir eine Busse geben. Dabei hatten sie gar nicht bemerkt, dass ich etwas ausserhalb eines Parkfelds parkiert hatte.»

Pascal Hiltbrand moderiert sonst nicht-religiöse Trauungen und Trauerfeiern. Mit seinen langen Haaren, dem Bart, den Muskeln und seinen roten Speedos hat er Wiedererkennungswert. Für die Fotos posiert er selbstbewusst vor dem Münster. In den Händen hält er sein Foil wie einen Pokal.

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Was seine beiden Welten verbindet, das Foilen und seine Arbeit als Zeremonienleiter, bringt Hiltbrand selbst auf den Punkt:

«Bei Hochzeiten kannst du keine halben Sachen machen, beim Foilen auch nicht. Bist du nicht hundert Prozent committed, hebst du nicht ab. Und mit einer Trauung bringe ich am Anfang des Tages eigentlich auch das Hochzeitsfest zum Abheben.»

Foilen ist nicht ungefährlich. Einmal sei ihm das Foil an den Kopf geflogen, erzählt Hiltbrand. Dank seinem Helm blieb er unverletzt.«Es gab schon einige Situationen, in denen ich mich hätte verletzen können.»Der Respekt vor Wasser, Wind und Material gehöre deshalb immer dazu.

Wer mit dem Foilen beginnen möchte, muss zudem etwas Geld in die Hand nehmen. Einsteigersets gibt es ab 1000 Franken. Nach oben gibt es keine Grenze. Je nach Material, Grösse und Einsatzzweck können die Kosten gerne 10’000 Franken sein.

Seinen bisher schönsten Foiling-Moment erlebte Hiltbrand auf dem Neuenburgersee. Bei einer Bise mit Böen bis zu 30 Knoten surfte er dort zum ersten Mal stundenlang die Windwellen hinunter. Den Parawing, der ihn anfangs in die Luft gebracht hatte, verstaute er in der Tasche. Dabei erreichte er Geschwindigkeiten von rund 28 Kilometer pro Stunde.

«Da war ich verbunden mit dem Wind, dem Wasser und den Elementen», sagt Hiltbrand. «Es war ein sehr spezieller Moment.»