B-Sport

Der Sport, der keine Hindernisse kennt

von Maurin Baumann 17. Juni 2022

Halsbrecherische Sprünge und filmreife Verfolgungsjagden. Wer auf Youtube nach dem Stichwort «Parkour» sucht und nicht ganz schwindelfrei ist, verspürt möglicherweise ein leichtes Kribbeln in der Magengegend. Letzten Sonntag war der Sport, der gerade stark im Trend liegt, auf der Schützenmatte zu Gast.

Halsbrecherische Sprünge und filmreife Verfolgungsjagden. Wer auf Youtube nach dem Stichwort «Parkour» sucht und nicht ganz schwindelfrei ist, verspürt möglicherweise ein leichtes Kribbeln bei den vorgeführten Stunts in den angezeigten Videos.

Parkour – für mich war das immer James Bond; Daniel Craig, der in der Anfangsszene von Casino Royale einen Schurken durch die Bahamas jagt, über jedes erdenkliche Hindernis; vom Gerüst einer Baustelle bis zu einem Sprung zwischen zwei Kränen bis zu einer beinahe obligatorischen Explosion.

Gefühlte tausend Mal habe ich als Kind die inszenierte Flucht auf meiner portablen Playstation angeschaut. Auf demselben Gerät kletterte und sprang ich später als Attentäter über die Dächer von Florenz und Venedig. Und hätte ich keine Höhenangst, so hätte wohl auch ich mich in der urbanen Hindernis-Sportart versucht.

«Diese ‘Vorstellungen’ von Parkour sind sehr dominant», sagt Arvo Losinger, Geschäftsführer von ParkourOne Schweiz und Parkour-Schüler der ersten Stunde, als ich ihm das alles erzähle. Die Sonne schlägt hart auf den Asphalt der Schützenmatte. Hier hat vergangenes Wochenende ein grosses Parkour-Festival stattgefunden. Und er habe selber Höhenangst, gesteht Losinger. Schwer zu glauben, wenn man Losinger in Videos gekonnt klettern, rollen und präzise landen sieht.

Während wir sprechen, springen Jugendliche, Kinder und Erwachsene über eigens dafür aufgestellte Holzkuben oder schwingen sich durch Gerüste. Die Manöver sehen teils gefährlich, aber auch immer sehr kontrolliert aus. Parkour sei zwar gewissermassen eine Flucht-Sportart, erklärt Losinger. Doch das stehe hier nicht im Fokus, sowie auch Wettbewerb und Konkurrenz bei ParkourOne nach dem Bildungsmodell TRUST Education keine Rolle spielen sollten.

Um was geht es dann? «Um Gemeinschaft», sagt später Roger Widmer, Parkour-Pionier und Gründer von ParkourOne Schweiz, als einige Besuchende im Kreis für eine Führung zusammengekommen sind. Der gelernte Goldschmied, Lehrer für Gestaltung und Kunst und Erwachsenenbildner aus Münsingen spricht von «ganzheitlicher Bildung», von «multidimensionalem Lernen» und «Persönlichkeitsentwicklung». Sich selber einschätzen zu lernen, Ziele zu formulieren und diese dann auch umzusetzen – dies alles könne Parkour leisten. Auch das man Fehler in der Regel schmerzlich direkt am eigenen Körper spüre, könne diesbezüglich hilfreich sein.

Parkour, so merkt man, ist für viele hier nicht bloss Sport – sondern eine Lebensschule. Eigens dafür hat Widmer TRUST Education gegründet, der die zugrundeliegenden Werte in ein holistisches Bildungsmodell übersetzt. Dieser Verein ermöglicht es laut Widmer, das Ideelle ins Zentrum zu stellen. Denn ParkourOne Schweiz wurde als GmbH gegründet, womit gewisse Systemzwänge verbunden sind. So will die Firma ihren Klassenleiter*innen einen fairen Lohn bezahlen.

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Die Parkour-Stunden, die schweizweit angeboten werden, sind deswegen nicht gerade günstig. Über 120 Franken pro Monat bezahlt man für zwei Trainings pro Woche. Das sei zwar relativ teuer, sagt Geschäftsführer Losinger. Im Vergleich zu anderen Angeboten wie etwa Tanzlektionen sei Parkour jedoch noch unterdurchschnittlich teuer. ParkourOne-Gründer Widmer relativiert: «Auf die angebotene Stunde macht das 8 Franken.» Für diesen Betrag finde man nichts Vergleichbares.

ParkourOne will niemanden ausschliessen. So lautet die Devise ganz getreu Parkour-Idealen: Es gibt keine unüberwindbaren Hindernisse. Auch finanziell finde sich jeweils eine Lösung, sagt Losinger. Als Beispiel nennt er einen jungen Asylsuchenden, der bei ihm trainiert und nichts dafür bezahlen muss. Losinger verweist hierbei auf den minimalen Betrag, den Asylsuchende in der Schweiz erhalten.

Ein grösseres Hindernis könnte hingegen sein, überhaupt einen Platz in einer Klasse zu finden. Denn eines ist klar: Der Parkour-Hype ist ungebrochen. Beim Wankdorf baut die Stadt deshalb in Zusammenarbeit mit ParkourOne eine Anlage für den akrobatischen Sport. An Schüler*innen fehle es keineswegs, meint auch Losinger. Eher an Instructors: «Ich könnte nach wie vor weitere Klassen öffnen, wenn ich dafür die Leiter*innen hätte».

«Mehr Sichtbarkeit für die Fussball-EM 2022 der Frauen»

von RaBe Info 8. Juni 2022

In Bern engagiert sich ein junges, feministisches Kollektiv für mehr Sichtbarkeit der Fussball-Europameisterschaft der Frauen.

Die Spiele der Fussball-EM der Frauen finden vom 6. bis 31. Juli 2022 in England statt, die Schweizerinnen haben sich auch dafür qualifiziert. Doch anders als bei den Männern, hält sich die Fussballeuphorie in der Öffentlichkeit noch in Grenzen, auch die Berichterstattung fällt im Vergleich mit den Männern dürftig aus. Das will das Kollektiv ändern.

Lisa Pfaffen und Deborah Kagerbauer sind Teil dieser Gruppe und erklären, weshalb sie sich für mehr Sichtbarkeit der Fussball-EM der Frauen engagieren und was konkret sie dafür tun. Monika Hofmann hat mit ihnen gesprochen.

«Wir wollen Botschafter der Sportart Futsal sein»

von Nicolas Eggen 16. Mai 2022

Futsal Minerva ist zum fünften Mal Schweizermeister. Die Berner Mannschaft kann gegen Geneva Futsal die Playoff-Finalserie klar für sich entscheiden und ihre Stellung als erfolgreichster Futsalverein der Schweiz zementieren. Somit kommt dieses Jahr doch noch ein Titel nach Bern.

Die Vorfreude in der Sporthalle Weissenstein ist an diesem Samstagabend Ende April förmlich mit den Händen zu greifen. Emsig werden die letzten Vorbereitungen getroffen vor dem letzten Showdown der Saison. Aus den Lautsprechern dröhnt laute Musik während sich die Spieler beider Mannschaften für das grosse Spiel vorbereiten.

Empfangen werde ich vor dem Spiel von Marc Loner, Vorstandsmitglied und selber auch Spieler der 2. Mannschaft. «Eines unserer grössten Ziele ist es, Futsal als Sportart in der Schweiz bekannter zu machen», erklärt Marc vor dem Spiel. Sie seien nun gerade an der Schwelle zur Semiprofessionalität, momentan spielen noch alle Spieler der 1. Mannschaft ehrenamtlich.

Das soll sich aber in absehbarer Zeit ändern, die Spieler sollen einen finanziellen Beitrag vom Verein erhalten und somit mehr Zeit in Trainings und Regeneration investieren können. Dies soll dank des breiten Sponsorennetzwerks möglich werden, das sich Futsal Minerva in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut hat.

Internationale Partnerschaft

Der Erfolg von Minerva basiert zu einem grossen Teil auch auf der internationalen Ausrichtung des Vereins. So wurde die 1. Mannschaft mit verschiedenen internationalen Topspielern, beispielsweise aus Portugal, ergänzt. «Einer hat schon viele Spiele mit der Portugiesischen Nationalmannschaft absolviert, ein anderer stand schon drei Mal im Finale der Uefa Futsal Champions League, dem Pendant zur Champions League im Fussball», erzählt Marc stolz. Der Verein organisiert den transferierten Spielern eine Arbeit und eine Wohnung in Bern. Im Gegenzug bringen die neuen Spieler viel Erfahrung, Know-How und natürlich spielerische Qualität in die Mannschaft.

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Möglich macht das die offizielle Club-Partnerschaft mit dem Sporting Clube de Portugal aus Lissabon, wo der Futsalsport Profiliga-Status geniesst. Durch den jetzigen Trainer der 1. Mannschaft von Minerva, der zuvor U-17 Trainer in Lissabon war, entstand die Verbindung der beiden Clubs. «Entweder sind es erfahrene Spieler, die zum Ende ihrer Karriere kommen oder es sind ganz junge Spieler, die den Durchbruch in die 1. Mannschaft von Lissabon nicht schaffen. Bei uns erhalten sie genügend Spielzeit um sich zu beweisen. Somit können wir für junge Spieler ein Sprungbrett sein», sagt Marc.

Futsal geniesst in Portugal, Spanien und in Lateinamerika einen viel grösseren Stellenwert als hier, die Spieler können vom Futsal-Sport leben. Davon träumt man auch bei Minerva.

Lokale Partnerschaften

Partnerschaften gibt es aber auch mit Vereinen aus Bern. Seit fünf Jahren ist Minerva Partner mit der Juniorenabteilung von YB, «was damals ein Novum im Schweizer Fussball war», bemerkt Marc. Im Winter trainieren die YB-Junioren mit dem Trainer der 1. Mannschaft von Minerva in der Halle, um an ihren technischen Fähigkeiten zu arbeiten. Bezeichnend für Futsal, seien der enge Raum und das schnelle Spielgeschehen. «Die Junioren müssen sehr schnelle Entscheidungen treffen, das kommt ihnen dann auch im 11-er Fussball entgegen. Wir stehen nicht in Konkurrenz mit dem Fussball, sondern sehen uns als Komplementärprodukt. Beide können dadurch profitieren», beschreibt Marc die Beziehung zum grossen Bruder Fussball.

Nach dem aufwändig inszenierten Einlaufprozedere der Spieler, Lichtshow und Musik inklusive, wird noch zur Schweizer Nationalhymne angesetzt.

Eine gleiche Partnerschaft wie mit YB gibt es mittlerweile auch mit den Junioren des FC Breitenrain und des FC Wyler. «Selber haben wir noch keine Juniorenabteilung, es ist aber unser klares Ziel eine solche in den nächsten Jahren aufzubauen. So wollen wir die Sportart Futsal in der Schweiz bekannter machen. Wir sind also auch Botschafter der Sportart Futsal», meint Marc.

Achtung, Fertig, Los

In der Sporthalle Weissenstein herrscht eine familiäre Stimmung, die meisten aus dem Publikum sind wohl persönliche Bekannte von Spielern oder deren Familien. Zugegen sind etwa 350 Personen, darunter auch eine regelrechte Fankurve, die mit Trommeln und Sprechchören für reichlich Stimmung sorgen. Nach dem aufwändig inszenierten Einlaufprozedere der Spieler, Lichtshow und Musik inklusive, wird noch zur Schweizer Nationalhymne angesetzt. Es handelt sich ja schliesslich um den Final der Schweizermeisterschaften.

Nach wenigen Minuten kommt Geneva Futsal zur ersten Grosschance. Nach einem schnell ausgeführten Konter, trifft der Genfer Spieler aber nur den Pfosten. Anschliessend übernimmt Minerva die Kontrolle über das Spielgeschehen. Geduldig versucht Minerva mit schnellen und präzisen Pässen die Gegner schwindlig zu spielen bis eine Lücke entsteht. Dies gelingt bereits nach fünf Minuten mit einem Weitschuss ins Lattenkreuz.

Ab diesem Zeitpunkt spielt eigentlich nur noch ein Team. Minerva betreibt Einbahnfutsal, ganz nach dem Gusto des Heimpublikums. Zur Halbzeit zeigt die Anzeigetafel bereits 5:0 für Minerva an.

Bei Minerva lässt sich ein klares Spielsystem erkennen, geprägt von vielen Läufen und geduldigen Passstafetten.

Auffallend ist, wie Minerva als Mannschaft viel besser harmoniert als Genf. Die Einzelspieler beider Mannschaften verfügen offensichtlich über viel Talent, bei Geneva Futsal scheint aber alles ein bisschen hastig und zufällig zu entstehen. Bei Minerva hingegen lässt sich ein klares Spielsystem erkennen, geprägt von vielen Läufen und geduldigen Passstafetten.

Wer sich, wie ich, auf viele spektakuläre Dribblings und sonstige Kabinettstückchen gefreut hatte, wurde in dieser Hinsicht leicht enttäuscht. Auch Spannung wollte durch das sehr dominante Auftreten von Minerva nicht wirklich aufkommen. Die Frage nach der Halbzeit war eigentlich nur noch, wie hoch der Sieg ausfallen würde. Am Schluss stand es 9:1 für Minerva, immerhin gelang es Genf kurz vor Schluss noch einen Ehrentreffer zu erzielen.

Das Rückspiel fand am Samstag 08.05.2022  in Genf statt. Dieses gewann Minerva mit 1:3 und krönte sich somit hochverdient zum fünften Mal zum Schweizermeister im Futsal.

«Twerking erfordert Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft»

von David Fürst 28. April 2022

Yanil Altagarcia erklärt im Videobeitrag, was Twerking genau ist, wo es seinen Ursprung hat und wieso es sich lohnt, auch zu twerken.

Video: David Fürst und Leo Nydegger

Yanil Altagarcia ist Tänzerin und widmet sich seit Jahren dem Aufbau einer Twerkcommunity in der Schweiz. Twerking hat seinen Ursprung in der Elfenbeinküste und wird dort Mapouka genannt. Heute wird zu zeitgenössischer Musik, wie Hip Hop und Reggaeton getwerkt. Yanil hat dieses Jahr eine Twerkchampionchip in Bern organisiert und so viele Tänzer*innen zusammengebracht. Sie setzt sich für Qualität im Tanzen ein und achtet genau auf die Technik. Leider ist sie auch oft mit Vorurteilen konfrontiert. Twerking ist eine Kunstform und sollte genau so wertgeschätzt werden wie andere Tanzstile auch. Yanil erklärt im Video, was Twerking genau ist und wieso es sich lohnt, auch zu twerken.  Bei unserem Videodreh zeigte Yanil uns übrigens auch die Basics des Twerken. Wir kamen ganz schön ins Schwitzen.

Mehr über Yanil erfahrt ihr in diesem Artikel.

Was tun? – Osteredition

von Noah Pilloud 15. April 2022

Vier Tage frei und schönes Wetter: Das Osterwochenende lädt förmlich dazu ein, sich draussen sportlich zu betätigen. Für all jene, die bisher neben Brunch-Marathon und Eiertütschen noch keine sportlichen Pläne haben, hier einige Vorschläge.

Was wäre ein Sportblog ohne Tipps und Ratschläge für die Leser*innen? Böse Zungen würden wohl behaupten: Nichts anderes als schnöde Sportberichterstattung. Allzu weit wollen wir uns zwar nicht zum Fenster hinauslehnen – unser letztes Workout für Bauch- und Rumpfmuskulatur liegt schon einige Fertigpizzen zurück. Dennoch finden wir, zumindest einige Vorschläge fürs Osterwochenende gehören dazu.

Der Klassiker

Schönes Wetter, mediterrane Stimmung und ein ganzer Nachmittag zum Vertrödeln. Das schreit förmlich nach einer Runde Pétanque (oder Boule oder Boccia). Ein Set Kugeln, Schnur oder Messband (wichtig!) und eine geeignete Kreisfläche (etwa auf der Pläfe oder im Lorrainepärkli) reichen. Wer sich davon noch nicht an die Côte d’Azur versetzt fühlt, packt obendrein die Flasche Pastis und eisgekühltes Wasser ein.

Der unerfüllte Traum

Liegt dein Skateboard schon Jahre ungebraucht in einer Ecke rum? Hatte sich die Euphorie nach dem Kauf schon nach wenigen Wochen wieder eingestellt? Dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wieder Teer unter die Wheels zu kriegen. Zieh dir ein paar Youtube-Tutorials rein und gib nicht auf, bis du deinen ersten Kickflip landest. Du möchtest die Bodenhaftung lieber nicht verlieren? Dann ist der Pumptrack beim Lorraineschulhaus vielleicht etwas für dich.

Der Stadtaffe

Wer sich lieber vertikal bewegt, über die Osterferien aber weder aus der Stadt fahren noch Zeit in Boulderhallen verbringen will, wird vielleicht im eigenen Quartier fündig. Das geschulte Auge findet an Steinmauern, Brückenpfeilern und Fassaden bestimmt ausreichend Tritte und Griffe. Im Zweifelsfall lohnt sich ein Blick in den «Bärnboulder» – doch dazu in einigen Wochen mehr (Spoiler Alert!).

Der Lässige

Du willst im Park chillen und dich dabei etwas bewegen, doch Kubb und Slackline findest du uncool? Dann nimm den Kronkorken deines Erfrischungsgetränks (das du im Park bestimmt dabei hast) zwischen Daumen und Mittelfinger, platziere den Zeigefinger an der Innenseite des Randes und schnippe ihn nach vorn – fertig ist das Mini-Frisbee. Egal, ob ihr euch den Kronkorken im Kreis herum zuwerft oder damit «Mittitupf» spielt, der Parkaufenthalt wird damit garantiert kurzweilig.

 

Wer sich noch immer nicht inspiriert fühlt, hier noch weitere Vorschläge: Dreht eine Runde auf den Inlineskates, erklärt die nächstbeste Stelle im Quartier zur Tanzfläche, klettert auf einen Baum, purzelt über eine Wiese, nehmt ein Minutenbad in der Aare.

In diesem Sinne wünschen wir euch gutes Ausprobieren und schöne Osterferien.

«Mittelfristig wollen wir in die NLB»

von Fabio Kunz 7. April 2022

Die Bern Capitals streben im Unihockey die Leistungsstufe B an. Das passt zu B-Sport wie der Golfball aufs Tee, dachten wir uns und verabredeten uns mit Caps-Sportchef Raphael Kohler zum Gespräch.

Raphael, die Spielzeiten 19/20 und 20/21 wurden im Unihockey-Breitensport wegen Corona nicht zu Ende gespielt. Die Saison 21/22 konnte nun endlich fertig gespielt werden. Wie wichtig war das für euch?

Für den Breitensport war es sicherlich sehr wichtig, dass endlich eine Saison zu Ende gespielt wurde. Viele der Spieler waren frustriert und auch ein wenig verunsichert. Das haben wir auch bei uns gemerkt. Einige haben ihren Rücktritt gegeben, weil sie nicht den ganzen Sommer trainieren wollten, nur um dann im Oktober zu erfahren, dass die Saison wieder unterbrochen ist.

Wie hart war es für die Caps, dass die Saisons 19/20 und 20/21 vorzeitig abgebrochen wurden?

Für uns war das aus sportlicher Sicht eine Katastrophe. In der Saison 19/20 standen wir im Playoff-Final als die Saison abgebrochen wurde, in der Saison 20/21 waren wir an der Spitze der Tabelle. Wenn man jetzt sieht, dass die Spitzenteams aus der 1. Liga in den Aufstiegsspielen gegen die NLB Teams gewinnen, tut das weh. Ich bin überzeugt, dass wir den Aufstieg geschafft hätten. Auch finanziell war es eine schwierige Zeit für uns. Einige der Sponsoren sind abgesprungen, weil sie es sich schlicht nicht mehr leisten konnten. Allerdings unterstützen uns unsere Mitglieder und auch Swissunihockey mit finanziellen Mitteln. Der finanzielle Schaden hielt sich so glücklicherweise einigermassen in Grenzen.

Ihr habt in dieser Spielzeit das Halbfinale erreicht, seid dort aber mit zwei Niederlagen aus zwei Spielen an den Lions Konolfingen gescheitert. Wie fällt dein persönliches Fazit für die Saison 21/22 aus?

Auf diese Saison hin hatten wir einen Umbruch in der Mannschaft. Einige der ehemaligen NLA-Spieler, die bei uns absolute Leistungsträger waren, haben im Sommer ihren Rücktritt bekanntgegeben. Deshalb haben wir das Team umgestellt und verjüngt. Mittlerweile sind etwa 17 Spieler im Kader, die bereits bei den Junioren mindestens eine Saison bei uns absolviert haben. Aufgrund dieser Verjüngung war es unser Ziel, mindestens den Halbfinal zu erreichen. Da wir das Ziel erreicht haben bin ich grundsätzlich zufrieden mit unserer Leistung, auch wenn durchaus noch mehr möglich gewesen wäre.

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Was waren aus deiner Sicht die Höhepunkte in dieser Spielzeit?

Für mich sticht die Entwicklung der jungen Spieler heraus. Alle haben riesige Fortschritte erzielt. Selbst in den Playoffs spielten einige in den ersten zwei Linien. Das war so vor der Saison nicht unbedingt zu erwarten und freut mich besonders. Und weiter ist sicherlich die Identifikation mit der Mannschaft zu nennen. In den letzten Jahren hatte man ein wenig das Gefühl, dass sich immer weniger Leute mit uns identifizieren. Das hat sich in dieser Saison geändert. Das zeigt sich unter anderem darin, dass viel mehr Zuschauer an unsere Auswärtsspiele reisen, um uns spielen zu sehen.

 

Wir haben jetzt vor allem über die Vergangenheit gesprochen. Wenden wir uns nun der Zukunft zu. Wie wird das Kader und der Trainerstaff nächste Saison ausschauen?

Die Kaderplanung ist zu 90% abgeschlossen. Die meisten Spieler haben um eine Saison verlängert, ein paar werden leider nicht mehr dabei sein. Sicherlich werden wir auch noch den einen oder anderen Transfer tätigen, damit wir gut gerüstet sind. Auf der Headcoach Position wird es ebenfalls eine Änderung geben. Daniel Danuser, der die letzten vier Jahre dieses Amt innehatte, tritt zurück. Neu wird Adrian Stettler der Chef an der Bande. Adrian ist zwar noch ein junger Trainer, bringt aber schon viel Erfahrung mit. Er amtete in den letzten Jahren als Chef unserer U18-Junioren und war der Teamanalytiker der Schweizer Nati. Wir sind überzeugt, dass er der ideale Mann für diesen Posten ist.

Pure Freude! Die Spieler der Bern Capitals nach einem Sieg. (Foto: Catia Baioni)

 

Welche Ziele habt ihr euch für die kommende Spielzeit und für die nächsten Jahre gesetzt

Unser Ziel ist es, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Die Mannschaft soll sich festigen, so dass wir uns in der Spitzengruppe der 1. Liga etablieren können. Mittelfristig ist unser Ziel, mit allen Teams in der Leistungsstufe «B» zu sein. Bei den Junioren haben wir das bereits erreicht. Alle Juniorenteams, sprichU14, U16, U18 und U21, gehören in der Kategorie B (die zweithöchste, Anm. d. Red.) bereits zu den Topteams. Um dieses Ziel zu erreichen, muss also «nur» noch die erste Mannschaft aufsteigen. Als Verein haben wir den Anspruch, im Raum Bern die beste Alternative zu Floorball Köniz zu sein. Spieler, die entweder keinen Spitzensport betreiben wollen oder es bei Köniz nicht ins Team schaffen, sollen bei uns die Möglichkeit erhalten, Unihockey auf einem hohen Niveau spielen zu können.

Du bist ja nicht nur Sportchef der Bern Capitals, sondern gleichzeitig auch Spieler in der ersten Mannschaft. Welche Schwierigkeiten gibt es aus deiner Sicht als Spieler, welcher in der 1. Liga, spielt?

Eine grosse Schwierigkeit ist sicherlich, der grosse Aufwand. Die 1. Liga gehört zwar zum Breitensport, dennoch trainieren wir dreimal pro Woche und haben während der Saison mindestens einmal pro Wochenende ein Spiel. Der Aufwand ist also nur geringfügig kleiner als in zahlreichen Nationalligaclubs. Als Spieler muss man bereit sein, einen grossen Teil der Freizeit für den Sport zu opfern, was bei manchem im Umfeld wahrscheinlich auf Unverständnis stösst. Auch ein Arbeitgeber wird mehr Verständnis für einen NLA-Spieler aufbringen als bei einem, der 1. Liga spielt. Deswegen braucht es viel Disziplin, der Spass soll dennoch nicht auf der Strecke bleiben

Auf einem Rad

von David Fürst 31. März 2022

«Das ist bestimmt schwierig?» «Hast du das andere Rad verloren?» «Das könnte ich nie.» Diese Sätze bekommen Anja, 21 Jahre, und ihre drei Jahre jüngere Schwester Zora oft zu hören.

«Als ich 7 Jahre alt war, hatten plötzlich fast alle aus meinem Umfeld ein Einrad, da wollte ich auch eines haben.» Ihre Eltern erfüllten Anja Eichenberger den Wunsch und schenkten ihr das erste Einrad. Es war winzig und rot. Etwa eine Woche benötigten Anja und Zora, um ohne stützende Hände selbst fahren zu können. Mittlerweile fahren beide über zehn Jahre lang und konnten ihre Technik stetig verbessern und sich in unterschiedlichen Disziplinen vertiefen. Im Sommer fahren die beiden nach Grenoble (Frankreich) an die Weltmeisterschaft im Einradfahren. Es gibt verschiedene Disziplinen.

Einrad ist nicht gleich Einrad

Als ich die beiden an einem Sonntagnachmittag im März treffe, fährt Anja gerade eine Treppe hinunter und Zora macht den Handstand auf ihrem Einrad, wobei sie sich an ihrem Sattel festhält, um zu balancieren. Einrad ist nicht gleich Einrad, es gibt verschiedene Dicken der Reifen und unterschiedlich lange Kurbeln an den Pedalen. Anja springt gerne von Mauern oder über Treppen, dazu sind längere Kurbeln praktischer, weil es mehr Raum zum Balancieren lässt. Zora fährt gerne schnell und kann Pirouetten drehen, dazu sind kurze Kurbeln, welche die Kraft schnell auf das Rad übersetzen, besser geeignet.

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Höchste Koordination und Balance. (Foto: David Fürst)

Eine Randsportart

Einradfahren ist eine Randsportart, aber wieso? «Ich glaube, es liegt daran, dass es eine Weile braucht, bis gut gefahren werden kann, diese Hürde ist für viele zu hoch.» Eigentlich schade, denn das Einrad ist ein ideales Trainingsgerät. Durch den stetigen Balanceakt wird das Gleichgewicht sowie die Stabilität der Athlet*innen trainiert. Durch die Möglichkeit zu springen und sich urbanen Raum anzueignen, ist das Einradfahren auch mit dem Skaten verwandt. Es gibt auch die Möglichkeiten Hockey sowie Basketball zu spielen auf dem Einrad.

einrad balancieren brunnen
Jetzt bloss nicht umfallen… (Foto: David Fürst)

Tipps für Anfänger*innen

Geduldig sein und sich nicht von den Anfangsschwierigkeiten beirren lassen. Das Körpergewicht sollte möglichst auf dem Sattel und nicht auf den Pedalen sein. Am besten, werden die Anfänge auf einem flachen Stück Asphalt gemacht, mit einer Mauer oder einem Zaun als Stütze. Was auch helfen kann, ist, mit Personen zu fahren, welche das Einrad schon beherrschen (Hand in Hand). Ein Trick ist, den Pneu nicht ganz prall zu pumpen, dann ist das Einrad stabiler. Und zum Schluss, auch Erwachsene können das Fahren noch lernen!

einrad stadt abend
Zusammen geht es besser. (Foto: David Fürst)