Etwas vom schönsten an der Organisation einer Lesebühne im Stauffacher Bern ist es tatsächlich, jeweils nach Ladenschluss allein in einer riesigen Buchhandlung rumstreifen zu dürfen. Es fühlt sich jedes Mal fast so an, als gehören all die Bücher mir. Entwarnung an Orell-Füssli: Meine aus dem Teenageralter stammenden Langfinger-Instinkte sind mit fortgeschrittenem Alter mittlerweile in den Ruhestand getreten. Aber beim letzten spätabendlichen Rumstöbern habe ich ein Buch gesehen, dass ich gerne auf der Stelle mitgenommen hätte, und es dann später auch brav gekauft habe. Erst vor wenigen Wochen ist nämlich «Einwürfe und Kopfbälle – Fussballgeschichten der Literatur-Nati» erschienen.
Was viele nicht wissen: Die Schweiz hat schon seit zwanzig Jahren ein Fussball-Nationalteam von Autorinnen, Dichtern, Songschreibern und Kabarettistinnen. Pino Dietiker, Bänz Friedli, Andri Perl und Regula Wenger haben nun einen Band herausgegeben, in dem aktuelle und frühere Teammitglieder Geschichten erzählen. Beispielsweise Renato Kaiser, der von Belohnung als Spieler schreibt oder Regula Wenger in einem Text mit vielversprechendem Titel «Frau Power und die nickenden Männer». Das Buch ist sowohl die ca. fünfundzwanzig Franken als auch vielleicht sogar eine kleinere Haftstrafe wert.
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Existiert so etwas wie ein Stadt-Land-Graben tatsächlich? Wenn ja, wie stark ist er in uns verankert? Ist er physisch wahrnehmbar? Ich meine natürlich nicht in Form einer kilometerlangen Schlucht, die zwischen dem Oberland und der Stadt Bern klafft. Aber in einem Land, in dem so ziemlich alles in Windeseile mit dem Zug erreicht werden kann, sind diese Gräben aus einer geografischen Perspektive tatsächlich nicht immer so leicht nachvollziehbar.
Die Diskrepanz zwischen dem Leben auf dem Land und dem in der Stadt wird im kürzlich erschienenen Debütroman «Den Berg auf der Zunge» von Janica Irina Madjar literarisch behandelt (Journal B hat berichtet). Dort geht es um die Wiederannäherung einer jungen Frau an ihr Heimatdorf in den Bergen, die sich dort für einige Wochen um den Garten ihrer Mutter kümmern soll. In der Geschichte wird das Thema Heimat und die Zugehörigkeit zu einem Ort und einer Familie in der vermeintlichen Idylle einer Postkarten-Schweiz behandelt.
Janica weiss, wovon sie schreibt: Sie ist in Wengen aufgewachsen und mit 18 Jahren nach Bern gezogen. Aber auch für Menschen, die die Bergwelt nur aus Geschichten und von Bildern kennen, ist das Buch aber spannende Lektüre. Die Landschaften und Lebensrealitäten werden so bildhaft beschrieben, dass man manchmal selbst den Schnee unter den Sohlen spürt oder den Gletscher in der Nase hat.
In der Geschichte wird das Thema Heimat und die Zugehörigkeit zu einem Ort und einer Familie in der vermeintlichen Idylle einer Postkarten-Schweiz behandelt.
Mein letzter Buchtipp diesen Monat behandelt das Thema Teenageralter beziehungsweise das Erwachsenwerden. In Demian Cornus Roman «Einmachglas» geht es um eine Schulklasse, die für ein Theaterstück probt, und dabei mit dem Tod eines Mitschülers konfrontiert wird. Das zwingt sie, sich mit der eigenen Identität und dem Leistungsdruck, dem sie alltäglich ausgesetzt werden, auseinanderzusetzen. Aus dem Theaterstück wird ein Aufschrei gegen die Welt der Erwachsenen, die in ihren Augen ziemlich viel falsch gemacht hat.
Demian Cornu (übrigens auch Teil der Literatur-Fussball-Mannschaft und somit ebenfalls mit einer Geschichte im obig genannten Tipp vertreten) schafft es mit dem Buch eine Geschichte zu schreiben, die einen in eine frühere Zeit zurückkatapultiert – die Zeit der Schultheater und der Selbstfindung.
Drei Schweizer Titel für den Oktober. (Foto: Lea Schlenker)