Ein Vierteljahrhundert Klangabenteuer

von RaBe Info & Elisa Faes –9. Oktober 2026

Livemusik bee-flat wird 25 und geht mit gesprochenen Subventionen in die Jubiläumssaison. Am Wochenende feiert der Verein mit «25 Years of Sonic Adventures» die Saisoneröffnung. Ein Höhepunkt ist das Konzert im Berner Münster, bei dem Orgelklänge auf Alphorn und Meerschnecken treffen.

Seit einem Vierteljahrhundert veranstaltet der Berner Verein bee-flat Livemusik, seit 2005 in der PROGR Turnhalle. Sein Programm ist breit gefächert, fein kuratiert und greift gesellschaftspolitische Themen auf – dafür ist er über die Stadt hinaus bekannt. Doch der Saisonabschluss im Frühsommer hätte fast der letzte sein können. Im Mai sprach Präsident Hannes Liechti im «Bund» über das hohe Defizit des letzten Jahres, eine existenzielle Krise. Schliesslich wurde es durch eine Sonderausschüttung der Stadt und ein Crowdfunding gedeckt.

Herausforderungen für die Livemusik

Lea Heimann ist in der Co-Geschäftsleitung und bei bee-flat für Booking und Fundraising zuständig. Im Gespräch mit Radio RaBe freut sie sich über die gesprochenen Subventionen, sieht aber auch die strukturellen Schwierigkeiten für Konzertveranstalter: «Da reihen wir uns ein in die Clublandschaft, in die Veranstaltungsszene, die im Moment wirklich keine einfache Ausgangslage hat.»

Der Dachverband Petzi vertritt über 200 Schweizer Musikclubs und Festivals, darunter bee-flat. Im April hat er eine Studie zur aktuellen Lage der Schweizer Livemusik publiziert. Sie nennt mehrere Herausforderungen, etwa mangelnde soziale Sicherheit und die systematische Benachteiligung nicht gewinnorientierter Veranstaltungen gegenüber Grossveranstaltungen. Heimann nimmt diese Herausforderungen an. «Und dennoch ist es jetzt wichtig, hinzustehen für Nischenmusik, für Experimentelles und vor allem für die junge Szene», sagt sie.

Für bee-flat könnte sich in den kommenden Jahren einiges ändern. Der aktuelle Verein der Dampfzentrale, der den Leistungsvertrag erneut erhalten hat, führt bee-flat als Hauptkoordinationspartnerin für Konzerte auf. Was das genau heisst, wird derzeit ausgelotet. Es sei noch zu früh, um konkret zu werden, sagt Heimann.

Und dennoch ist es jetzt wichtig, hinzustehen für Nischenmusik, für Experimentelles und vor allem für die junge Szene.

Lea Heimann ist in der Co-Geschäftsleitung bei bee-flat und für das Booking zuständig. (Foto: Andreas Schaerer)

Ein Klangbad fürs Jubiläumswochenende

Die Saisoneröffnung erstreckt sich über das kommende Wochenende und wartet mit einem ebenso vielfältigen wie überraschenden Programm auf: Am Samstag sorgt Doracell für ein Warm-up-DJ-Set, danach gibt es Kunst-Jazz aus dem britischen Norwich vom Trio Mammal Hands – eine neue Generation britischer Musiker:innen, die Jazz als Ausgangspunkt für einen ganz eigenen, genreübergreifenden Ausdruck verstehen. Am Sonntag trifft die US-amerikanische Drone-Künstlerin Kali Malone, deren neues Album Ende des Monats erscheint, im Berner Münster auf die zehnköpfige Basler Alphorngruppe Alponom. Gemeinsam erkunden sie die klanglichen Möglichkeiten von Orgel- und Alphornklängen und verbinden sphärische Drone-Musik mit den archaischen Tönen des Alp- und Muschelhorns zu einem aussergewöhnlichen Hörerlebnis.

Auch wenn auf den ersten Blick alles etwas wild wirkt, gibt es einen gemeinsamen Nenner.

Zur Krönung findet die Uraufführung des Stücks «Transformation» für zehn Alphörner und Meerschnecken von Balthasar Streiff statt (die BKa berichtete). Streiff hat das Stück eigens zum Jubiläum von bee-flat komponiert. «Da geht es eben auch darum, dieses statische Instrument mithilfe von Muschelhörnern zu transformieren», Auch das entspricht dem Selbstverständnis von bee-flat, sagt Heimann: «Klänge von weit her zu holen, sie mit Traditionellem zu verbinden und so eine Nähe im Hier und Jetzt entstehen zu lassen.» Wie passt das alles unter einen Hut? «Auch wenn auf den ersten Blick alles etwas wild wirkt, gibt es einen gemeinsamen Nenner» sagt Heimann. «Es ist alles sakral, irgendwie auch tribal-mässig. Wir erhoffen uns ein Klangbad an diesem Wochenende.»

Für die nächsten 25 Jahre wünscht sich Heimann, dass es die Musiklandschaft samt bee-flat weiterhin gibt, so divers wie heute. «Ich wünsche mir, dass sich Livemusik weniger mit Ellbogen behaupten muss. Das wünsche ich auch der nächsten Generation, die diese Clubs übernehmen wird.» Ausserdem wünscht sie sich «ein junges Team im Kopf und im Sein, ein forschendes, mutiges Team, das sich immer wieder auf die Suche macht nach neuer Musik in der Welt. Das ist eine unglaublich schöne Arbeit.»