«ADHS – einfach erklärt», Dr. Edward M. Hallowell
In letzter Zeit lese ich viel über Menschen, die erst im Erwachsenenalter erfahren, dass sie ADHS haben. Das kann als grosse Überraschung kommen. Schliesslich gilt ADHS in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch oft als die Krankheit des dauerzappelnden Schuljungen. Zum Beispiel erfuhr die Schauspielerin und Moderatorin Melanie Winiger erst mit 33 von ihrem ADHS. Auch die Kabarettistin Lisa Christ oder die Sängerin Lily Allen haben ihre Diagnose im Erwachsenenalter erhalten. Wenn ich die gängigen Schlagwörter zu AHDS höre, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Wortwörtlich. «Modediagnose», «Hype», «Wunschdiagnose» oder mein absoluter Favorit: «Diagnose-Enthusiasmus». Vor allem bei jungen Erwachsenen hätten ADHS-Diagnosen Hochkonjunktur, schreibt das SRF.
Hallowell bietet einen zugänglichen und vorurteilsfreien Blick auf die Thematik und ein Nachschlagewerk, das Mut macht.
Ich habe nun damit begonnen, mich zu informieren. Und was eignet sich dafür besser als Bücher? Aus diesem Grund empfehle ich als Sachbuch in dieser Kolumne «ADHS – einfach erklärt» von Dr. Edward M. Hallowell. Das Buch eignet sich für ADHSler*innen und eigentlich auch für deren Freund*innen. Hallowell bietet einen zugänglichen und vorurteilsfreien Blick auf die Thematik und ein Nachschlagewerk, das Mut macht. Für alle aus der neurodivergenten Familie und diejenigen, die sich informieren möchten.
«Die seligen Jahre der Züchtigung», Fleur Jaeggy
Auf Empfehlung eines anderen leidenschaftlichen Lesers habe ich damit begonnen, Fleur Jaeggy zu lesen. Und frage mich seitdem ständig, wieso ich nicht früher damit angefangen habe. Die in Zürich geborene Autorin veröffentlichte 1989 ihr bekanntestes Buch «Die seligen Jahre der Züchtigung». Darin schildert sie das Leben in einem Mädcheninternat im Appenzell der 1960er-Jahre.
Das Leben in diesem Internat wirkt auf mich wie das Leben in einer Blase. Nichts passiert, die Protagonistin schöpft aus ihrem aktiven Innenleben. Sie steht morgens um fünf Uhr auf, um in der ostschweizerischen Wildnis spazieren zu gehen. Im Internat entwickeln sich Beziehungen zu den anderen Schülerinnen, die sich in den Jahren dort laufend verändern und entweder an Tiefe gewinnen oder verlieren. Auch die Figuren selbst entwickeln sich und die Lesenden begleiten sie ein Stück beim Erwachsenwerden.
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«Aber schwul bin ich immer noch», Dimitri Grünig
Wo und wie wir aufwachsen, in welche Welt wir hineingeboren werden, können wir nicht wirklich beeinflussen. Das zeigt sich sehr gut im Buch, das ich als Bern-Tipp empfehlen möchte: «Aber schwul bin ich immer noch» von Dimitri Grünig. Der Protagonist wächst in einem konservativen, religiösen Dorf im Berner Oberland auf und spürt mit zunehmendem Alter, dass er homosexuell ist. Er nimmt an einem Therapieprogramm teil, dass ihn und seine sexuelle Orientierung «heilen» soll.
Wie die Texte treffen auch die schwarzweissen Skizzen direkt ins Herz.
Nach drei Jahren Therapie merkt er, dass dieses Format ihn nicht weiterbringt. Stattdessen will er lernen, sich selbst so zu akzeptieren, wie er ist. Die Geschichte illustrierte Grünig mit Bleistift. Wie die Texte treffen auch die schwarzweissen Skizzen direkt ins Herz. Ein wunderbares Buch für alle, die sich mit Herkunft und Identität auseinandersetzen möchten.
Die drei Buchtipps zum März: Sexualität, Neurodivergenz und ein Mädcheninternat im Appenzell. (Foto: Lea Schlenker)
