Fabio hört: SGB’s Cabaret

von Fabio Lang 5. Dezember 2025

Soundcheck Es war länger still um die Rapperin SGB. Heute meldet sie sich mit einer EP zurück und zeigt, dass sie sich treu geblieben ist.

Die Rapperin SGB meldet sich zurück – und wie. Mit ihrem neuen Projekt «SGB’s Cabaret», das heute Release Day feiert, gibt es nach fast zwei Jahren endlich wieder ein längeres Lebenszeichen. Sechs Tracks, und zwar genau so, wie man SGB kennt und liebt: In-die-Fresse-Rap, direkt, roh, kompromisslos. Die Murtnerin nimmt kein Blatt vor den Mund – und warum auch? In bester SGB-Manier verteilt sie Punchlines wie Ohrfeigen.

Vom Newcomerinnen-Status hat sie sich längst verabschiedet. In den letzten Jahren war sie als Gästin auf Projekten von Szenegrössen wie Jule X, Mimiks & LCone, Luuk oder Cinnay zu hören – und hat dort regelmässig abgeräumt. Und wer sie einmal live erlebt hat, weiss: SGB kann Bühne. Ob sie Geld in die Menge wirft oder von Tänzerinnen begleitet wird – eine Performance liefert sie immer.

Genau solche Momente erklären, weshalb SGB in der nach wie vor männlich dominierten Rap-Szene so viel Anerkennung bekommt

Die EP startet mit einem Intro, das sofort klar macht, was einen erwartet: düstere Beats, antreibende Produktionen, harte Sprache. Diese ist zum Markenzeichen von SGB geworden. Gleich zu Beginn wirft sie trocken hin: «kei Alter Ego nume Evil Twins». Danach legt sie richtig los. Der Track «keini Goons nume Chefs» ist ein klassischer Kopfnicker mit einem Beat im Boom-Bap-Stil – einem rauen, rhythmischen 90er-Jahre-Hip-Hop-Sound mit markanten Kick und Snare-Schlägen – inklusive Scratches, die dem Ganzen einen nostalgischen Touch geben.

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Wem genau die härtesten Zeilen gelten, bleibt offen. Klar ist aber: SGB ist ein Girl’s Girl. Die meisten Punchlines richten sich an männlich sozialisierte Personen – und die haben es in sich. Die wohl schärfste: «ig fi** si Vater und schänk ihm e Sohn, wo er mau liebt». Genau solche Momente erklären, weshalb SGB in der nach wie vor männlich dominierten Rap-Szene so viel Anerkennung bekommt: Sie kombiniert Härte mit Ironie, Direktheit mit Pointen – eine echte «boss Bitch», wie sie sich selbst nennt.

Dass SGB nicht nur aggressiv kann, zeigt der Track «FAFO», der mit der Zeile beginnt: «wenn er mi fragt, was i wott G, eifach mini Rueh». Hier blitzt ihre humorvolle Seite auf. Und die findet auch im Outro ihren Platz: «mi shit louft wöu jede sini Schnurre hebt.» Ein herrlicher Abschluss – und ein Cabaret, das vielleicht noch nicht ganz fertig ist. Ob ein zweiter Teil kommt oder eine Live-Umsetzung folgt? SGB lässt es offen.

SGB spricht davon, eine Aura wie Carmen Electra zu haben.

Auf diesem Projekt spielt sie ihre Stärken gekonnt aus: harte Punchlines, humorvolle Zeilen – oder die passende Mischung aus beidem. Die Produktion wirkt sehr professionell, Beats und Texte greifen sauber ineinander. Die immer wiederkehrenden Scratches geben dem Ganzen zudem eine frische Note.

Ein weiteres Highlight: die Popkultur-Referenzen. SGB spricht davon, eine Aura wie Carmen Electra zu haben; dazu kommen Verweise auf Maria Licciard, die sogenannte Godmother der Camorra, oder Griselda Blanco, Boss des Medellín-Kartells.