Bücher aus dem Arbeitsalltag von Dieben, Büroangestellten und Paketlieferanten

von Lea Schlenker 21. September 2026

Lea liest Unsere Kolumnistin bringt dieses Mal Lektüre zum Arbeitsleben mit. Wie unterschiedlich dieses sein kann, zeigen die drei Bücher zu Kunstdiebstahl, Büroalltag und chinesischem Niedriglohnsektor.

Womöglich gibt es nichts Anstrengenderes als die Systeme, die wir uns selbst geschaffen haben. Der Aktienmarkt, Zwei-Stufen-Authentifizierung oder der moderne Büroalltag. Um letzteres geht es auch in meinem ersten Buchtipp in diesem Monat. Junge, intelligente Menschen studieren jahrelang, erarbeiten sich Expertise in einem spezifischen Gebiet, nur um nach dem Studium in einem Büro zu arbeiten, wo ihr Job mehrheitlich aus E-Mails und Sitzungen besteht. In manchen Fällen haben sie einen anstrengenden Chef, der mit Anglizismen um sich wirft. Ab und zu haben die Sitzungszimmer lustige Namen, die sich niemand merken kann. In den Stellenbeschreibungen werden Gratis-Früchte angepriesen wie heiliges Manna.

Im Buch «Supersaurio» von Meryem El Mehdati geht es genau um diese Welt. Die Protagonistin ist jung, gut ausgebildet, und auf Jobsuche. Irgendwann entschliesst sie sich für ein Büropraktikum bei «Supersaurio», der grössten Supermarktkette in Gran Canaria. Sie hasst ihren Job und wir hassen ihn gleich mit ihr. Das Buch kommt wie ein Geschenk vom Himmel für alle, die schon mal auf eine unbefriedigende Brotarbeit angewiesen waren.

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Für wen das Büro nichts ist, kann sich ja alternativ für eine Karriere als Meisterdieb*in umentscheiden. Für die vorgängige Recherche lohnt  «Der Meisterdieb – Eine wahre Geschichte von Kunst, Obsession und Zerstörung» von Michael Finkel. 2023 erschienen, basiert das Buch auf unzähligen Gesprächen des Autors mit dem Kunstdieb Stéphane Breitwieser. Mit Schweizer Sackmesser bepackt stahl dieser Kunstwerke im Wert von zwei Milliarden Dollar direkt aus den Museen.

Aber nicht fürs Geld. Er liebte einfach die Kunst –  und auch ein wenig den Nervenkitzel. Die Beute versteckte er im Dachboden des Hauses seiner Mutter. Von 1994 bis 2001 ging der Meisterdieb auf ganze 172 Raubzüge überall in Europa. Was dann genau passiert und was Breitwieser heute so macht (oder stiehlt), möchte ich hier gar nicht verraten. Wer mehr über ihn erfahren möchte, sollte unbedingt dieses Buch lesen.

Von 1994 bis 2001 ging der Meisterdieb auf ganze 172 Raubzüge überall in Europa.

Um die Tücken des Arbeitslebens geht es auch in meinem letzten Buchtipp. Geschrieben hat es der chinesische Autor Hu Anyan, der nach seinem High-School Abschluss in China zwanzig Jahre in wechselnden Jobs im Niedriglohnsektor arbeitete. Seine Erfahrungen in den unterschiedlichen Jobs beschreibt er nun in «Ich fahre Pakete aus in Peking».

Er schreibt davon, wie absurd hoch der Zeitdruck beim Pakete ausliefern ist, welche Regeln in den riesigen Sortierhallen gelten und wie er immer wieder von Stadt zu Stadt ziehen muss, wenn der aktuelle Job nicht mehr auszuhalten ist. Das unbeschönigte Bild eines Lebens, das für viele Menschen Realität ist.