Stadtratspräsidentin Filipovic will in den Ständerat

von Janine Schneider 24. September 2026

Wahlen 2027 Die Vorbereitungen für die nächstjährigen Parlamentswahlen kommen ins Rollen. Die Berner Stadtratspräsidentin Jelena Filipovic möchte sich für den Ständerat zur Wahl stellen.

In einem Jahr stehen die nächsten nationalen Parlamentswahlen an. Die beiden bisherigen Berner Ständeräte Flavia Wasserfallen (SP) und Christoph Salzmann (SVP) kandidieren erneut. Wie die Hauptstadt berichtete, laufen aufseiten aller Parteien Überlegungen, wen man ins Rennen schicken könnte, um eine ungeteilte Standesstimme zu sichern – das heisst, ein rein bürgerliches oder rein linkes Ständeratsduo.

Nun verkündet das Grüne Bündnis der Stadt Bern eine erste Kandidatin. Jelena Filipovic, die aktuelle Berner Stadtratspräsidentin, möchte 2027 für den National- und den Ständerat kandidieren. «Das Parlament politisiert an der Bevölkerung und insbesondere an meiner Generation vorbei», sagt Filipovic gegenüber Journal B, «vom Ständerat fühle ich mich als junge, linke Frau aus einer grossen Stadt nicht repräsentiert. Das will ich ändern.» Das Amt im Stadtrat gefalle ihr sehr, «aber uns sind oft die Hände gebunden, weil auf Bundesebene die Weichen anders gestellt sind.» Die Bernerin arbeitet neben ihrem politischen Engagement als Kampagnenleiterin bei der Allianz gegen Regenwald-Abholzung. Bis im Juni war sie Bereichsleiterin Kommunikation und Kampagnen bei der Grünen Partei Schweiz.

Das Parlament politisiert an meiner Generation vorbei.

Politikerinnen aus dem Grünen Bündnis amtierten in der Vergangenheit schon mehrfach als Nationalrätinnen: auf Franziska Teuscher folgten Therese Frösch, Regula Rytz, Aline Trede und Natalie Imboden. In den Ständerat hat es bislang noch keine geschafft. Franziska Teuscher versuchte es 2007, Regula Rytz 2019. «Es wird sicher nicht einfach», sagt Filipovic, «aber die Zeit ist reif, dass auch eine junge, linke Stimme mit Migrationsgeschichte im Stöckli sitzt.»

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Die Grüne Partei zeigt sich optimistisch, den Sitz von Werner Salzmann zu erobern. Wer die Spitzenkandidatur für die Grünen übernehmen wird, ist aber noch unklar. Auf Anfrage von Journal B erklärt Co-Präsident Cyprien Louis, dass die regionalen und kommunalen Sektionen derzeit eingeladen seien, bis Anfang November allfällige Kandidaturen für den Ständerat zu melden. An der Delegiertenversammlung im kommenden Januar wird die Partei ihre Kandidatur nominieren. Louis sagt: «Aus meiner Sicht ist Jelena Filipovic ein hervorragender Vorschlag des Grünen Bündnis – insbesondere dank ihrer einjährigen Amtszeit als Präsidentin des Berner Stadtrats sowie ihres Engagements als Co-Präsidentin des VCS Schweiz und für eine feministischere Gesellschaft.»

Bislang seien noch keine weiteren Kandidaturen bekannt, sagt Co-Präsident Louis weiter, aber es sei wahrscheinlich, dass die Sektionen anderer Regionen noch weitere Kandidaturen ankündigen würden.

Es stellt sich die Frage, ob für die Grünen ein Stadt-Land-Ticket nicht erfolgsversprechender wäre.

Die erste Hürde muss Jelena Filipovic also an der Delegiertenversammlung im Januar meistern. Mit Flavia Wasserfallen besetzt bereits eine Stadtbernerin den ersten Platz auf dem Ständerats-Ticket. Es stellt sich die Frage, ob für die Grünen ein Stadt-Land-Ticket nicht erfolgsversprechender wäre. Filipovic widerspricht: «Ich möchte das grundsätzlich in Frage stellen. Jemand vom Land repräsentiert die Interessen der Landbevölkerung nicht gezwungenermassen besser.» Als Beispiel nennt sie die fehlenden Lösungen vonseiten der traditionell auf dem Land gewählten SVP zum Klimawandel, unter dessen Folgen die Landwirtschaft in diesem Hitzesommer besonders zu leiden gehabt habe.

Jemand vom Land repräsentiert die Interessen der Landbevölkerung nicht gezwungenermassen besser.

Ob Filipovic bei einer Kandidatur von der konservativen Landbevölkerung wirklich gewählt würde, sei dahingestellt. Mit der Ständeratskandidatur verleiht sie aber auch ihrer Kandidatur für den Nationalrat mehr Gewicht. Und das ist für die Grünen wichtig: Denn der Kanton Bern hat bei den kommenden Nationalratswahlen einen Sitz weniger zu vergeben, der Wahlkampf um die verbleibenden Sitze verspricht also heiss zu werden.