Es gibt gute Gründe, die SRG aus linker Perspektive zu kritisieren – keiner davon rechtfertigt ein Ja zur Halbierungsinitiative. Entgegen der Expertise von zahlreichen Forschenden, Jurist*innen, Menschenrechtsorganisationen und von UN-Berichten spricht SRF im Zusammenhang mit Gaza nicht von einem Genozid. In Reportagen erhalten Rechtsextreme zuweilen eine viel zu grosse Plattform und die Journalist*innen von SRF schaffen es nicht, deren Aussagen richtig einzuordnen. In Talkrunden können Aussagen fallen, die einzig darauf abzielen eine Debatte zu verunmöglichen, statt Meinungen auszutauschen.
Das Medienhaus stampft beliebte und wichtige Formate ein, wie den Kanal «We, Myself and Why» oder das Wissenschaftsmagazin während Fragwürdiges bestehen bleibt. Die SRG spart an zweifelhafter Stelle und baut zahlreiche Stellen ab. Die Musikredaktionen treffen ihre Auswahl wenig beherzt und ohne die wünschenswerte Portion Mut, den Hörer*innen die Vielfalt der hiesigen Musikszene zuzutrauen.
In einer Zeit, in der sich die Deutschschweizer Medienwelt immer mehr in Zürich konzentriert, ist das SRG-Studio in Bern ein enorm wichtiges Signal.
Das sind aber allesamt keine Gründe gegen die SRG und schon gar nicht für die zerstörungswütige Halbierungsinitiative. Wenn, dann sind es Gründe für mehr SRG, mehr Service Public. Gerade aus lokalpolitischer Sicht.
In einer Zeit, in der sich die Deutschschweizer Medienwelt immer mehr in Zürich konzentriert, ist das SRG-Studio in Bern ein enorm wichtiges Signal. Ob es nach einer allfälligen Annahme der Anti-SRG-Initiative in Bern bleiben kann, ist ungewiss.
Auf dem Berner Medienplatz, der von zwei Tageszeitungen mit praktisch identischem Inhalt dominiert wird und wo kleine Medienprojekte immer wieder ums Überleben kämpfen, ist das im Berner Studio produzierte Regionaljournal ein wichtiger Bestandteil.
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Für eine Musikszene, die mit Albumverkäufen und Streaming-Einnahmen kaum noch vom Fleck kommt, können Suisa-Gelder den entscheidenden Unterschied machen. Weniger SRF bedeutet weniger Möglichkeit für die Berner Musiker*innen in die Rotation zu kommen.
Manche Kritik an der SRG ist aus linker Sicht angebracht, weil ein Medienhaus, das zur Ausgewogenheit verpflichtet ist, nie allen gerecht werden kann. Andere Kritik ist grundsätzlich angebracht, weil journalistische Standards verletzt werden oder die SRG ihrem Auftrag nicht gerecht wird. Nie sollte diese Kritik aber destruktiv sein.
Die SRG braucht mehr, nicht weniger Geld.
Dass die SRG zuweilen übervorsichtig berichtet, um Kritik von rechts zuvorzukommen, dass wegen Sparmassnahmen Kontrollmechanismen versagen oder Journalist*innen unter so viel Zeitdruck stehen, dass sauberes Arbeiten schwieriger wird, dass gewisse Teile der Musikszene vernachlässigt werden, all das hat mit dem destruktiven rechten Diskurs der letzten Jahre zu tun. Mit der Angst vor sinkenden Publikumszahlen und vor dem Bedeutungsverlust.
Was helfen würde, ist die SRG zu stärken. Die SRG braucht mehr, nicht weniger Geld. Und sie braucht Rückendeckung beim Erfüllen ihres Auftrags. Dafür braucht sie auch solidarische Kritik und eine Öffentlichkeit, die sich hörbar macht, wenn ihr etwas nicht passt. Und bis zum 8. März braucht sie jede Unterstützung, die sie kriegen kann.
Deshalb sollten wir Linken uns laut und sichtbar gegen die Halbierungsinitiative einsetzen. Und danach gleichsam Kritik üben, damit die SRG zu dem werden kann, was sie sein könnte.
Eine kritisierbare, ausbaufähige SRG ist unserem Autor lieber als eine SRG in Scherben. (Foto: David Fürst)
