Politik - Meinung

Ratlos auf Feld eins

von Christoph Reichenau 15. Juni 2026

Kunstmuseum Nach dem Nein zum Projektierungskredit für das Sanierungsprojekt «Eiger» ist die Zukunft des Berner Kunstmuseums ungewiss. In seinem Kommentar stellt sich unser Autor auch die Frage: Woran ist die Vorlage gescheitert? Und er fordert als nächsten Schritt: hin zu den Menschen.

Es war knapp: 51,8 Prozent der Berner*innen, die im Kanton abstimmen gingen, lehnten den Projektierungskredit für das Kunstmuseum Bern ab. Und es war nicht knapp: Lediglich die beiden Verwaltungskreise Biel und Bern-Mittelland stimmten für den Kredit. Die übrigen acht sagten teils sehr deutlich – mit 60 und 70 Prozent – Nein.

Das ist ein klares Ergebnis. Der Stiftungsrat des KMB nimmt es, wie er verlauten lässt, bedauernd zur Kenntnis. Er will die Situation in den kommenden Wochen sorgfältig analysieren und das weitere Vorgehen bestimmen. Die Analyse wird nicht leichtfallen. Das bereits am Abstimmungstag verkündete Festhalten am Projekt «Eiger» ist weder sorgfältig, noch analytisch. Denn woran ist die Vorlage gescheitert, wenn doch alle Parteien einig waren und sind, dass das KMB – sowohl der historische Stettler-Bau, als auch der Atelier-5-Trakt aus dem Jahr 1983 – hochgradig sanierungsbedürftig sind?

Das bereits am Abstimmungstag verkündete Festhalten am Projekt ist weder sorgfältig, noch analytisch.

Hat der vom Kunstmuseum versuchte Einbezug der Bevölkerung in die Gestaltung seiner Zukunft wirklich verfangen? Ist es das Schweigen der KMB-Leitung, die kaum je klar sagte, weshalb es grössere neue Räume für die Kunst benötige – und weshalb die Struktur des Atelier-5-Baus unrettbar sei? Ist es die beinahe diskussionslose Preisgabe dieses einst als «machine à contempler» gerühmten, radikal dem Kunstwerk gewidmeten Baus, der fast verschämt dem Abbruch preisgegeben werden sollte? Ist es die weitgehend fehlende Antwort des KMB auf die Frage, wie und wohin es seine Kunst in den vier Jahren 2029-2033 bringen werde, in denen das KBM – weitaus länger als während der Corona-Zeit – geschlossen sein würde?

Ist es die Tatsache, dass seit 2005 in der Stadt Bern tausende von Quadratmetern neue Ausstellungsfläche entstanden sind (im Zentrum Paul Klee und in Kubus des Historischen Museums), ohne dass bestimmt worden ist, welche Kunst wo gezeigt werden soll? Oder ist es vielleicht darum, weil als verworfene Alternative zum Projekt «Eiger» der Südhügel des Zentrums Paul Klee ausser Acht gelassen worden ist, der eigentlich 2005 dafür vorbereitet wurde? Ist es das irrlichternde Verhalten des stets als «Mäzen» hofierten Milliardärs Hansjürg Wyss, der zuletzt rund 30 Millionen Franken quasi aus der Portokasse versprach?

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So treffen sich der Stiftungsrat KMB als Eigentümer und der Kanton Bern als einziger öffentlicher Finanzierungsträger am Montag nach einem Vierteiljahrhundert gescheiterter Versuche ratlos auf Feld 1. Sie sind nicht zu beneiden. Und wir Bürger*innen sind es auch nicht, denn die Kunst soll ja uns gehören. Ein grosser Teil von uns empfindet dies allerdings nicht so: Ihn kümmert das Kunstmuseum nicht – vielleicht weil er sich vom Kunstmuseum nicht beachtet fühlt, nicht gefragt, nicht gesucht. Möglicherweise ist dies der wichtigste nächste Schritt auf Feld 2: Hin zu den Menschen, vielleicht sagen sie nächstes Mal Ja.