Die farbenfroh bemalten Teller erinnern an die Appenzeller Sennenkunst. Doch statt heiler Welt zeigen sie Perversion: Bauern giessen Milch weg, eine Kuh liegt leblos am Boden, aus ihren Eutern fliesst Blut.
Die beigefügten Sprüche erzählen von Nahrungsverknappung, durch die sich global agierende, auch in der Schweiz ansässige Unternehmen ihre Profite sichern: «Kein Tropfen Milch bleibt zurück. Die Schweizer Firma Nestlé hält in Venezuela 25 Tonnen Säuglingsmilchpulver zurück. ~ 2011 ~ Beraubung ~ Grausamkeit.»

Die bäuerlichen Motive stehen sinnbildlich für eine der wohl perfidesten Formen von Macht: jene über den Hunger. Einige der Teller thematisieren die Finanzierungsstopps und -kürzungen, mit denen die Schweizer Regierung die UNRWA sanktionierte – Instrumente der Macht, die das Leid und die Gewalt gegen die Menschen in Gaza verschlimmerten.
Eigenes Brot
«A Drop of Milk» nennt die peruanische Künstlerin Daniela Ortiz ihre Ausstellung über die imperialen Blockade- und Sanktionspolitiken, mit denen Regierungen des globalen Nordens Menschen im globalen Süden in Abhängigkeiten drängen. Für die Berner Kunsthalle schuf sie 25 Teller, ein Puppentheater und einen dokumentarischen Film, die die wahre Schauerballade der Hungerpolitik erzählen.
Doch nicht alles ist trostlos: Ein Teller zeigt gesunde Kühe und Bauern unter Bannern der «Internationalen Solidarität». Und der teils in Bern entstandene Dokumentarfilm porträtiert Menschen in Peru, die sich in lokalen Kooperativen zusammenschliessen und eigenes Korn sowie eigenes Brot produzieren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Berner Kulturagenda.
Ein Tropfen Milch - A Drop of Milk: Die Austellung in der Kunsthalle Bern ist noch bis am 8. Februar 2026 zu sehen. © Daniela Ortiz
