Gemeinschaft geht durch den Magen

von Janine Schneider 15. Mai 2026

Kunstraum In der Cabane B in Bümpliz dreht sich dieses Frühjahr alles ums Essen. Am Samstag widmete sich das tamilisch-bernische Murukku Collective dem gleichnamigen Festtagssnack und präsentierte sich erstmals der Öffentlichkeit.

Es gibt sie in süss und salzig, lang oder gerollt, spiralförmig oder übereinandergelegt, aber immer sind sie knusprig frittiert: Das Snackgebäck Murukku ist ein wichtiger Teil tamilischer Feste und Zeremonien. Und seit diesem Jahr auch der Name eines bernisch-tamilischen Frauen-Kollektivs. «Murukku ist ein Snack, der viel mit Gemeinschaft zu tun hat», erklärt Sumanghalyah Suntharam vom fünfköpfigen Kollektiv, «vor einem Fest kommen Frauen zusammen, um gemeinsam Murukku herzustellen und sie dann als Snack und Geschenk an die Gäste zu verteilen.»

Das Murukku Collective möchte einen gemeinschaftlichen Raum öffnen. «Wir wollen Möglichkeiten schaffen, dass sich tamilische FLINTA*-Personen in der Schweiz untereinander vernetzen, austauschen und sich gegenseitig stärken können. Wir wollen Räume schaffen, in denen sie ihre Erfahrungen und Meinungen teilen können», erklärt Vithyaah Subramaniam, die vor gut zwei Jahren mit einer Vision und ersten Ideen auf Anuja Raveendran zuging. Daraus entstand ein erstes Treffen, zu dem die beiden im Juni 2024  aufriefen.

Sie bilden das Murukku-Kollektiv (v.l.n.r.): Aarabi Kugabalan, Sumanghalyah Suntharam, Vithyaah Subramaniam, Thuvaraga Subramaniam, Anuja Raveendran (Foto: Laura Giana Binggeli)

Das Kollektiv soll Raum bieten, in dem offen über die Herausforderungen in der tamilischen Diaspora und der Schweizer Mehrheitsgesellschaft gesprochen werden kann. Ein Ort, wie es ihn bis dahin nicht gegeben hatte. Ein Ort, wie es ihn bisher nicht gegeben hat. «Das Echo war dementsprechend sehr gross», so Vithyaah Subramaniam, die beruflich als stellvertretende Leiterin bei der Berner Fachstelle Migrations- und Rassismusfragen tätig ist. Aus dem ersten Treffen entstand das heute fünfköpfige Murukku Collective.

Wir wollen die Möglichkeit schaffen, dass sich tamilische FINTA-Personen in Bern untereinander austauschen können.

Bislang organisierte die Gruppe Veranstaltungen für tamilische FLINTA*-Personen wie etwa einen Brunch, am vergangenen Samstag trat das Kollektiv zum ersten Mal öffentlich in Erscheinung, an einem Workshop in der Cabane B. Im zurückhaltend mit gelb-orangen Papierblumengirlanden geschmückten Kunstraum am Bahnhof Bümpliz Nord hatten sich gut dreissig Personen eingefunden an diesem heissen Maisamstag.

Die Cabane B bietet seit knapp 20 Jahren einen Raum für Kunst. (Foto: Janine Schneider)
Der Workshop regte dazu an, über solche Fragen zu reflektieren. (Foto: Janine Schneider)

Viele der Workshop-Teilnehmer*innen kamen aus der tamilischen Diaspora. Während im Hintergrund tamilische Musik lief, betrachteten die Besuchenden erst einmal die gerahmt an den weissen Wänden hängenden Fragen: Gibt es ein Gericht oder Gebäck, das für dich Gemeinschaft bedeutet? Wer ermöglicht Essen und Gemeinschaft? Nach einer kurzen Einführung und einer gemeinsamen Assoziatonsrunde, gab es die Möglichkeit, sich untereinander zu diesen Fragen auszutauschen. Begleitet natürlich von einem Murukku-Tasting.

Zugängliche Kunst

Die Cabane B, ein halbrunder Kunstraum in Rostrot und Erbe der Expo.02, bietet seit knapp 20 Jahren einen Raum für Kunst direkt neben Fellergut, Bahnhof Bümpliz Nord und der Hochschule der Künste. Im Herbst bespielen jeweils Studierende der HKB den kleinen Ausstellungsraum, seit zwei Jahren kuratieren Aarabi Kugabalan und Samira Gollin das Frühjahrsprogramm.

Die Ausstellungen und Anlässe drehen sich in diesem Jahr um die Frage, «wie Nahrung und Kunst zusammengebracht werden können», erklärt Aarabi Kugabalan. Während im letzten Jahr viele Ausstellungen auf dem Programm standen, entschieden sich Kugabalan und Gollin, in diesem Frühjahr mehr Veranstaltungen und Workshops zu planen. So kombinieren sie beispielsweise am 16. Mai die Ausstellungseröffnung der peruanisch-bolivianischen Künstlerin Naomi Gamarra aus Genf mit einer Performance der chilenischen Künstlerin Cecilia Moya Rivera, die die koloniale Vergangenheit der Erdbeere erkundet. «Wir wollen, dass die Leute sich untereinander austauschen, was vor allem bei Veranstaltungen passiert», erklärt Aarabi Kugabalan, die auch Teil des Murukku Collectives ist.

Seit zwei Jahren kuratieren Aarabi Kugabalan und Samira Gollin das Frühjahrsprogramm in der Cabane B. (Foto: Janine Schneider)

Samira Gollin ergänzt: «Und je einfacher und niederschwelliger, desto mehr Besucher*innen kommen.» Die Cabane B soll kein Ort sein, wohin nur hingeht, wer das Gefühl hat, etwas von Kunst zu verstehen.

Unklar ist jedoch noch, wie es mit der Cabane B weitergehen wird, wenn der Bahnhof Bümpliz Nord ab 2027 umgebaut und der Standort der Cabane B zur Baustelle wird. Wie die Hauptstadt berichtete, sucht die Stadt nach einem alternativen Standort, bis die Cabane B nach Abschluss der Bauarbeiten 2033 wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren soll.