Irgendwann bin ich im Internet auf ein Video gestossen, in dem eine hübsche Frau mit Creme im Gesicht ein spezielles Produkt zur Hautpflege vorführt. Die Verpackung der Creme ist in Form einer Spritze gestaltet. Die offensichtlich komplizierte Anwendung irritiert die Frau, und sie sagt: «Ich habe lange gebraucht, um mich damit zurechtzufinden. Aber was soll man machen? Ich bin halt vom Dorf!» Und genau da habe ich mich geärgert.
Der sowjetische Mythos, dass Menschen auf dem Land ungebildet seien, lebt in der Ukraine bis heute weiter. Menschen, die keinen ausreichenden Zugang zu Infrastruktur, medizinischer Versorgung oder Bildung haben, sollen sich auch noch dafür schämen, «nicht gebildet genug» zu sein? Und ich habe mich gefragt: Spürt man diesen Unterschied zwischen Stadt- und Landbewohner*innen nur in der Ukraine? Wie ist es in der Schweiz, wo man in Dörfern keine verwahrlosten Höfe sieht und Busse selbst in jedes Dorf stündlich fahren?
An der Universität war der Unterschied zwischen Studierenden vom Land und aus der Stadt ebenfalls spürbar.
In dem Dorf, in dem ich geboren wurde, gab es nie ein Schwimmbad oder ein Museum. Es gab eine kleine Dorfbibliothek, deren Bücher ich in meinen Schuljahren alle gelesen habe. Der Bus kam nur zweimal pro Woche, und man musste sehr gut planen, wann man zu den Eltern fuhr, um rechtzeitig wieder zur Universität zurückzukehren. Es gab eine kleine medizinische Praxis, in der meine Mutter vielen Dorfbewohner*innen das Leben gerettet hat – obwohl sie eigentlich Krankenschwester von Beruf ist. Das Spital, in dem Ärzte arbeiteten, wurde geschlossen, als ich etwa sieben Jahre alt war. Und rund um das Dorf lagen endlose Felder, auf denen wir täglich arbeiteten. «Das Unkraut zwischen den Kartoffeln hat keinen freien Tag, um nicht zu wachsen», sagte meine Mutter. «Ein Dorf ohne Gemeinderat», nennen wir in der Ukraine ein Dorf, das in eine trostlose Zukunft blickt, weil es nicht einmal mehr eine Verwaltung hat. Das Sprichwort bedeutet aber auch so viel wie: völlig rückständig. Wenn ich mich über mich selbst ärgere, weil ich etwas falsch gemacht, nenne ich mich selbst «ein Dorf ohne Gemeinderat».
In einem solchen Dorf wollte ich natürlich nicht für immer dort bleiben. Ich war sehr froh, dass mein gewählter Beruf als Journalistin zumindest das Leben in einem regionalen Zentrum erforderte.
An der Universität, an der ich fünf Jahre lang studierte, war der Unterschied zwischen Studierenden vom Land und aus der Stadt ebenfalls spürbar. Die Stadtbewohner*innen freundeten sich meist untereinander an, während sich die Studierenden vom Land ebenfalls in eigenen Gruppen zusammenschlossen.
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Auch in der Bildung war ein Unterschied spürbar. Mir fehlte beispielsweise beim Schreiben von Texten der Wortschatz in meiner Muttersprache, obwohl ich die Schule mit einer «Goldmedaille» abgeschlossen hatte – damals die höchste Auszeichnung für schulische Leistungen. Zum Glück habe ich gern gelesen. Ausserdem bekam ich Zugang zu Büchern, die ich nie zuvor gesehen hatte. Die Liebe zum Beruf, viele Stunden in der Bibliothek – und voilà: bald fühlte ich mich nicht mehr weniger gebildet.
Historisch hat sich in der Ukraine stellenweise eine soziale Distanz zwischen Stadt und Land entwickelt. Heute, wo ich mehr über die Geschichte und Ethnologie der Ukraine lese, kann ich mit Sicherheit sagen: Früher war das für die sowjetische Macht durchaus nützlich. Es galt, dass nur Dorfbewohner*innen «wegen mangelnder Bildung» Ukrainisch sprachen. Manche nannten die Sprache sogar abwertend «Kälbchensprache». In den Städten hingegen sollte ausschliesslich Russisch gesprochen werden – das galt als prestigeträchtig. Studierende vom Land, die es irgendwie an eine städtische Hochschule geschafft hatten, sollten angeblich in den hinteren Reihen sitzen. Und alle jungen Frauen vom Land suchten angeblich städtische Männer mit Wohnungen, um sie zu heiraten.
Auch in der Schweiz habe ich von Ukrainer*innen gehört: «Was hat sie schon im Dorf gesehen? Jetzt wird sie endlich die Welt entdecken.» Ja, zu allen Zeiten hatten Menschen auf dem Land in der Ukraine weniger Zugang zu Ressourcen und Chancen als Stadtbewohner*innen. Übrigens hatten Dorfbewohner*innen in der Ukraine bis 1974 nicht einmal Pässe. Das bedeutete, dass man weder in die Stadt reisen noch in ein anderes Dorf umziehen konnte.
Der Krieg hat das Leben sowohl der Stadt- als auch der Landbevölkerung verändert. Beide mussten ihre Heimat verlassen
Fühlen sich Schweizer*innen, die in Dörfern leben, isolierter als Stadtbewohner*innen? Diese Frage stellte ich der Schweizerin Vera Mezzera, die im Rahmen ihres Matura-Projekts die Studie «Ankommen in der Schweiz: die Integration von Ukrainer*innen in städtischen und ländlichen Regionen» durchgeführt hat.
Vera besucht das Gymnasium Kirchenfeld. Ein Jahr lang lebte sie in Italien. Ihre wissenschaftliche Arbeit basierte auf Befragungen von Ukrainer*innen, die aufgrund des russisch-ukrainischen Krieges in die Schweiz gekommen sind. Sie sah gewisse Vorteile des Lebens auf dem Land: «Im Dorf ist es gar nicht so schwierig, sich zu integrieren», sagt Vera. «Es gibt Infrastruktur, ein Hallenbad, eine Schule. Wenn es keine Schule im Dorf gibt, dann gibt es eine im Nachbardorf, und man kann mit dem Bus oder Zug dorthin fahren.»
Auch in der Schweiz nimmt Vera gewisse Vorurteile gegenüber Menschen vom Land wahr. «Zum Beispiel gilt im Dorf oft eine schwächere Bildung. Obwohl das Abschlusszeugnis am Ende ein Abschlusszeugnis ist und man damit überall studieren kann, kann sich die Wissensbasis unterscheiden, weil dort anders oder weniger intensiv unterrichtet wird», ergänzt Mezzera. Ein weiterer Aspekt sind politische Stereotype: Das Dorf gilt als konservativer, die Stadt als liberaler, offener und multikultureller.
Übrigens hatten Dorfbewohner*innen in der Ukraine bis 1974 nicht einmal Pässe. Das bedeutete, dass man weder in die Stadt reisen noch in ein anderes Dorf umziehen konnte.
«In Italien, wo ich gelebt habe, gab es keinen öffentlichen Verkehr, und man musste sich überall mit dem Auto oder Motorrad bewegen. Ich denke, das schafft ebenfalls Isolation. Ich würde sagen, dass der Unterschied zwischen Stadt und Land in jedem Land existiert, unabhängig vom Kontinent», fügt Vera Mezzera hinzu.
«Ja!», bestätigt ein weiterer Gesprächspartner Veras Vermutung. Moses Mekonnen kam aus Eritrea und lebt seit Ende 2014 in der Schweiz. Er ist Mitbegründer der Plattform, die als «Flüchtlingsparlament» bekannt ist. «Auch in Eritrea unterscheidet sich das Leben zwischen Stadt und Land. Die Freizeitmöglichkeiten in den Städten sind vielfältiger, die Infrastruktur ist besser ausgebaut. Öffentliche Verkehrsmittel sind in den Städten zugänglicher, während sie im ländlichen Raum oft eingeschränkter sind. Der Zugang zur höheren Bildung hängt natürlich vom schulischen Niveau ab, und das Studium ist für alle kostenlos, die die Prüfungen bestehen und an die Universität aufgenommen werden», erklärt Mekonnen.
Vor etwa zehn Jahren sagte ich Menschen, die mich dafür beschämten, vom Land zu kommen, immer denselben Satz: «Ich bin stolz, dass ich im Dorf geboren wurde und zu dem geworden bin, wer ich bin. Während manche Stadtbewohner*innen nicht einmal die Hälfte dessen erreicht haben, was ich erreicht habe.» Doch der Krieg hat das Leben sowohl der Stadt- als auch der Landbevölkerung verändert. Beide mussten ihre Heimat verlassen. Mutige Soldaten aus Städten und Dörfern verteidigen gemeinsam ihr Land. In Städten und Dörfern leiden die Menschen gleichermassen unter Stromausfällen nach Bombardierungen. Und auch wenn die Orte der Geburt unterschiedlich sind, gibt es immer Dinge, die verbinden – und das Leid, das zusammenschweisst.
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“Село без сільради”: стереотипи щодо освіченості та рівня життя селян в Україні та Швейцарії
Якось в інтернеті я натрапила на відео, де симпатична доглянута жінка із кремом на обличчі демонструє спеціальний засіб для його нанесення. Пакунок із кремом у вигляді шприца. Складна для використання конструкція, очевидно, обурює жінку. І вона каже: “Довго я не могла розібратися. Але що робити? Я – людина з села!” І тут вже обурилася я. Радянський міф, що у селах живуть неосвічені люди, і досі залишається в Україні. Люди, які не мають достатньої інфраструктури, доступу до медичної допомоги чи навчання, повинні ще соромитись за себе, що вони не освічені? І я запитала себе: різниця між сільськими та міськими жителями відчувається лише в Україні? Як щодо Швейцарії, де у селах не побачиш занедбаного подвір’я, а автобус у кожне, навіть гірське, село їздить щогодини?
У селі, де я народилась, ніколи не було басейну або музею. Невелика сільська бібліотека, усі книжки у якій я перечитала у шкільні роки. Автобус приходив до села двічі на тиждень і треба було добре міркувати, коли їхати до батьків, щоб вчасно повернутись до університету. Маленький медичний пункт, де моя мама врятувала життя багатьом односельчанам, попри те, що вона за освітою медсестра. Лікарню, де працювали лікарі, закрили у селі, коли мені було років 7. І безкраї поля навколо села, де ми працювали щодня. “Зілля серед картоплі немає вихідного дня, щоб не рости”, – казала моя мама. “Село без сільради, – говорили ми, дивлячись на своє безпросвітнє майбутнє”.
Але залишитися на все життя там я, звичайно, не хотіла. І дуже тішилась, що обрана мною професія журналіста потребує мешкання щонайменше у районному центрі.
В університеті, де я навчалась п’ять років, різниця між сільськими та міськими студентами теж відчувалась. Міські дружили з міськими, натомість сільські теж гуртувались окремо.
Відчувалась різниця і в освіті. Мені, до прикладу, для написання текстів не вистачало словникового запасу рідною мовою, попри те, що школу я закінчила з золотою медаллю – у ті часи це була найвища відзнака учнів за досягнення у навчанні. На щастя, я любила читати. Крім того з’явився доступ до книжок, яких раніше я навіть не бачила. Любов до професії та навчання, години в бібліотеці і вуаля – незабаром я не почувалась менш освіченою.
До речі, селяни в Україні до 1974 року навіть не мали паспортів. Це означало, що людина не могла поїхати в гості до міста або переселитися жити в інше село.
Історично склалось, що в Україні подекуди існує певна соціальна дистанція між містом і селом. Це тепер я досліджую історію та етнографію України і можу з упевненістю сказати: раніше це було вигідно радянській владі. Вважалось, що лише сільські мешканці “через неосвіченість” говорили українською мовою. Хтось навіть називав її “телячою”. Адже у містах усі повинні були говорити російською – це було престижно. Вважалось, що студенти з села, якщо вони якимось дивом вступили у міський навчальний заклад, мали сидіти десь за столами в дальніх кутках. А всі дівчата, які приїхади з села, неодімінно шукали міських хлопців із квартирою, щоб вийти за них заміж. Навіть у Швейцарії я чула від українців: “Ну що вона бачила у тому селі, де жила? А тепер, звісно, побачить світ”. Так, у всі часи українці в селах мали більше обмежень та менший доступ до благ цивілізації, ніж міські. До речі, селяни в Україні до 1974 року навіть не мали паспортів. Це означало, що людина не могла поїхати в гості до міста або переселитися жити в інше село.
Чи почуваються швейцарці, які живуть у селах, ізольованішими за міських? Це запитання я адресувала швейцарці Вері Mezzera, яка у межах матурного проєкту нещодавно зробила дослідження: «Прибуття до Швейцарії: інтеграція українців і українок у міських та сільських регіонах». Вера навчається в гімназії Kirchenfeld. Один рік вона жила у Італії. А свою наукову роботу Mezzera писала на основі опитування українців, які приїхали до Швейцарії через російсько-українську війну. Вона побачила певні переваги проживання у селі. “У селі не так уже й складно інтегруватися, – каже Вера. – Тут є інфраструктура, басейн, школа. Якщо немає школи в цьому селі — є в сусідньому і туди можна доїхати автобусом чи поїздом”.
Вера теж відчуває певні упередження щодо людей із села і в Швейцарії. “Наприклад, вважається, що в селі слабша освіта. Хоча в підсумку атестат є атестатом, і з ним можна вступити будь-куди, але база знань може відрізнятися, адже там можуть викладати інакше або менш інтенсивно”, додає Mezzera. І ще один аспект — це політичні упередження: кажуть, що село “більш консервативне”, а місто — більш ліберальне, відкрите, мультикультурне. “В Італії, де я жила, не було громадського транспорту, і потрібно було всюди їздити на машині або мотоциклі. І я думаю, що це теж створює ізоляцію. Я б сказала, що різниця між містом і селом є в кожній країні, навіть не залежно від континенту, – додає Вера.
“Так!”, – підтверджує припущення Вери ще один мій співрозмовник. Мозес Меконнен приїхав з Еритреї і живе у Швейцарії з кінця 2014 року. Він – співзасновник платформи, відомої як «парламент біженців». “Життя в Еритреї також відрізняється між містами та селами. Дозвілля у містах різноманітніше. Інфраструктура там також краще розвинена. Громадський транспорт у містах доступніший, тоді як у сільській місцевості він часто обмеженіший. Натомість доступ до вищої освіти залежить, звісно, від рівня підготовки у школі і навчання є безкоштовним для усіх, хто успішно склав екзамени та вступив до університету”, – розповідає Меконнен.
Років десять тому для людей, які соромили мене за те, що я з села, я говорила одну й ту ж фразу: “ Я пишаюсь, що я народилась в селі і стала тим, ким стала. В той час, коли деякі міські мешканці, не досягли і половини з того, що маю я”. Втім, війна внесла свої корективи у життя і міських, і сільських жителів. І ті, й ті мусили залишити свої домівки. Мужні воїни і з сіл, і з міст стали на захист Батьківщини. І в містах, і селах однаково страждають через відсутність електричного струму після бомбардувань. І нехай місце народження у всіх різне, втім, завжди знайдуться приємні речі, які об’єднують. І біда, яка гуртує.
Ob in der Schweiz, in der Ukraine oder in Eritrea: der Stadt-Land-Graben existiert überall, erkannte unsere Kolumnistin.(Illustration: David Fürst)