Als 1885 die Metallbrücke den Casinoplatz mit dem damals weitgehend unbebauten Kirchenfeld verband, entstand direkt am südlichen Brückenkopf der runde Helvetiaplatz. Dort sollte – in Konkurrenz zu Zürich – das Schweizerische Landesmuseum entstehen. Doch anders als bei der Bestimmung der Bundesstadt des jungen Staates erhielt Zürich den Zuschlag des Parlaments. Der Kanton Bern, die Einwohner- und die Burgergemeinde Bern hielten trotzig an ihrem Bauplan fest.
Ein Trotz-Schloss
1894 stand das Bernische Historische Museum (BHM) – ein aus der Zeit gefallenes Schloss ohne Heizung, umgeben von einem Park. Es vereinte die archäologischen, geschichtlichen, ethnografischen und numismatischen Sammlungen der Bauherren. In der Zwischenzeit ist eine orientalistische Sammlung dazu gekommen und 2005 ein Albert Einstein gewidmeter Museumsteil.
In den rund 130 Jahren seither ist das BHM zweimal erweitert worden: 1920 durch den Anbau für die geschenkte Orientalistik-Sammlung von Henri Moser-Charlottenfels und 2009 durch den Kubus Titan, einen Ausstellungsbau mit 1‘000 Quadratmetern Fläche, Verwaltungsräumen (u.a. für das Stadtarchiv) sowie einer mächtigen Freitreppe zum Mergelplatz im Süden.

Das öfter reparierte oder verbesserte Gebäude – so wurden eine Heizung eingebaut, ein gläserner Lift errichtet, die Dächer geflickt – benötigt nun eine umfassende Sanierung für die Wärmedämmung der Fassade, den Ersatz der Haustechnik und den Brandschutz. Zudem soll das zergliederte Gebäude übersichtlicher gemacht werden, damit man es vielfältiger nutzen und die Ausstellungsräume einzeln direkt erreichen kann. Und – sehr wichtig – das Haus muss durchgehend auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich gemacht werden. Die originalen Fenster können nach ihrer Sanierung erhalten werden.
Sanierung auch der Ausstellungen
Neu soll das BHM gegen Süden, zum Garten des Museumsquartiers hin, einen zweiten Zugang mit lichter Halle und Bistro erhalten. Das ist wichtig, damit das BHM wesentlich mehr Besuchende als heute (2022-2024 waren es durchschnittlich 132‘000 Personen pro Jahr) aufnehmen kann.
Zudem sollen die Dauerausstellungen zurückgebaut und neu konzipiert werden als permanente Ausstellungen für zehn bis fünfzehn Jahre, Wechselausstellungen (zwei bis sieben Jahre) und flexible Formate zur Aufnahme aktueller Fragen und Themen. Kleinere und grössere Räume können künftig für private Veranstaltungen vermietet werden.

Sagen die Stimmberechtigten Ja zum Kreditanteil der Stadt Bern von 40 Millionen plus 350‘000 Franken Anteil an den Vorstudien, erfolgt die Detailprojektierung und ab 2027 bis Mitte 2032 der Bau. Während fünf Jahren wird das Haupthaus (das «Schloss») geschlossen sein. In dieser Zeit finden Ausstellungen im Kubus-Gebäude statt. Bei einem Nein müsste die dreigeteilte Trägerschaft des Museums neu über die Finanzierung diskutieren.
Optionale Projektteile
Im Kreditantrag fällt eine Position auf: 14,4 Millionen für Reserven und Rückstellungen. Dieser stolze Betrag soll einerseits eine mögliche Teuerung von +/- 15 Prozent auffangen. Wird die Summe nicht oder nicht ganz benötigt, können mit dem restlichen Geld optionale – das heisst gewünschte, aber nicht zwingende – Projektteile nach einer Prioritätenfolge ausgeführt werden. An erster Stelle steht dafür die Sanierung des Lapidariums, das heisst des dunklen Kellergeschosses, in dem steinerne Ausstellungsstücke bewahrt werden, u.a. zerbrochene Statuen aus der Zeit des Bildersturms im 16. Jahrhundert.
In rund 130 Jahren ist es erweitert, verbessert und repariert worden, aber nie umfassend saniert: Das Bernische Historische Museum. (Foto: David Fürst)