Von aussen ist wenig von der Zusammenarbeit zu sehen. Einzig, dass der Zaun zwischen dem Historischen Museum und dem Museum für Kommunikation entfernt wurde. Umso mehr, so berichtete die Vereinsleitung an einer Medienorientierung Ende April, habe im Inneren, unter den Mitarbeitenden, eine Annäherung stattgefunden.
Doch jetzt drängt das Museumsquartier Bern (MQB) an die Öffentlichkeit: Zurzeit läuft ein Wettbewerb für eine Studie zur städtebaulichen Gestaltung des Areals. Bis Ende 2026 möchte die Jury ein Siegerprojekt auswählen. Die Eingaben sollen auch vertiefte Vorschläge für Neu- und Erweiterungsbauten umfassen. Die Burgergemeinde Bern stellt bis zu 80 Millionen Franken in Aussicht, damit das siegreiche Projekt dann auch umgesetzt werden kann.
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Die Vorgeschichte
Wir erinnern uns: Vor sieben Jahren haben der Kanton, die Stadt und die Burgergemeinde das Museumsquartier Bern vorgestellt. Elf Kultur- und Bildungsinstitutionen im Unteren Kirchenfeld schlossen sich dafür in einem Verein zusammen: die Pädagogische Hochschule, die Kunsthalle, das Alpine Museum, das Yehudi Menuhin-Forum, das Historische Museum, das Stadtarchiv, das Schützenmuseum, das Museum für Kommunikation, das Naturhistorische Museum, die Nationalbibliothek und das Gymnasium Kirchenfeld. Jede der Institutionen hat ihre eigene Trägerschaft, ihre Struktur, ihre Finanzierung, ihre Geschichte und ihr Programm.
Die Idee entstand aus der Erkenntnis, dass die Häuser zwar Seite an Seite in einem überblickbaren Quartier stehen, direkt ennet der Kirchenfeldbrücke, dass sie aber alle wenig miteinander zu tun hatten. Dass sie – jede für sich – den Bedarf an Depotraum für die ständig wachsenden Sammlungen decken müssen und dass sie – alle zusammen – über einen riesigen kulturhistorischen Schatz sowie über eine reiche Expertise in der gesellschaftlichen Betrachtung und Analyse verfügen. Von einer Zusammenarbeit erhofften sie sich mehr Sichtbarkeit und mehr Besuchende.
Die Idee entstand aus der Erkenntnis, dass die Häuser zwar Seite an Seite stehen, aber wenig miteinander zu tun hatten.
Als Erstes wurde 2021 der Zaun zwischen dem Historischen Museum und dem Museum für Kommunikation durchtrennt und dann entfernt. Mitten im Quartier entstand eine Brache, der Vorläufer eines Gartens, mittlerweile ein gut genutzter Begegnungs- und Freizeitort.
Die Stadt Bern liess eine Verschönerung des Helvetiaplatzes planen, stellte aber mangels Geldes die Umsetzung zurück. Immerhin erfand ein Gestaltungsbüro ein einheitliches Erscheinungsbild mit blau-grünen Plakaten, Informationsgebilden und schwarz-weissen Orientierungstafeln, die an allen Gebäuden angebracht wurden und bezeugen, dass diese zum Museumsquartier gehören.
Es tut sich etwas
Wo steht das MQB heute und was hat es vor? Vereinspräsident Bernhard Pulver, ehemaliger kantonaler Erziehungsdirektor, Vorstandsmitglied Beat Hächler, Direktor des Alpinen Museums, und Geschäftsführerin Kathrin Dellantonio orientierten eine Handvoll Journalistinnen und Journalisten.
Sie konnten zunächst mit Befriedigung feststellen, dass sich die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitenden der Institutionen deutlich verbessert habe. Diese lernten sich kennen, erkundeten an einer regelmässigen Projektbörse unterschiedliche Erfahrungen und entwickelten gemeinsame öffentlichen Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen, so aktuell z.B. die Veranstaltungen zum Thema «Grönland» im Alpinen und Historischen Museum.
Tausend Personen haben den Museumsquartier-Pass erworben, vorwiegend aus der Region.
Das Museumsquartier Bern ist das grösste Kulturareal der Schweiz und zog im letzten Jahr insgesamt 525‘000 Besuchende an. Die blau-grüne Dachmarke figuriert auf den Websites aller Mitglieder. Die Website des MQB informiert nicht nur über gemeinsame Aktivitäten, sondern ebenso über Tätigkeiten und Programme der einzelnen Mitglieder. Tausend Personen haben den Museumsquartier-Pass erworben, der für 30 Franken während fünf Monaten je einen Zutritt zu allen Museen gewährt; sie stammen vorwiegend aus der Region und scheinen gewillt, mehrmals eine Institution im Quartier zu besuchen.
Arealplanung bis etwa 2050
Für dieses und nächstes Jahr hat der Verein gemeinsam mit Burgergemeinde, Stadt und Kanton Bern sowie den direkt betroffenen Institutionen (Alpines, Kommunikations- und Naturhistorisches Museum) einen städtebaulichen Studienauftrag mit Projektvertiefungen ausgeschrieben. Damit soll ein langfristiges städtebauliches und räumliches Zielbild für das MQ erarbeitet und für alle Beteiligten als verbindliche Handlungsanleitung für die künftige Infrastrukturentwicklung festgelegt werden. Das Zielbild soll für eine Generation gelten, also etwa bis 2050.
Im Kirchenfeld werde es keine neuen Depots geben, da der Boden zu teuer sei.
Nicht mehr Teil des Projekts sind die ursprünglich geplanten gemeinsamen Depoträume für alle beteiligten Institutionen. Im Kirchenfeld werde es keine neuen Depots geben, da der Boden zu teuer sei, führen die Verantwortlichen aus. Auch einen neuen Depot-Bau auf der grünen Wiese werde es nicht geben.
Die fünf Planungsteams, die von der prominent besetzten Jury aus 40 Bewerber*innen ausgewählt worden sind, stammen aus Berlin, Zürich, Chur, Barcelona, Basel, Bern, Brüssel, Thun, Biel, Thalwil und St. Gallen. Einzelne haben eine imposante Referenzenliste, eines ist bewusst ein Nachwuchsteam. Juriert werden soll Ende 2026.
Für die Umsetzung des Siegerplans hat die Burgergemeinde Bern eine Investition von bis zu 80 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Machbarkeitsstudien für das Alpine Museum und das Museum für Kommunikation gehen von Baukosten von je etwa 30 Millionen aus, gesamthaft also von 60 Millionen Franken.
Mit den von der Burgergemeinde in Aussicht gestellten maximal 80 Millionen sollte ein realistischer Finanzrahmen bestehen, der keine weiteren Investoren erfordert, solche aber zulässt. Die Burgergemeinde strebe für das Alpine Museum eine minimale, für das Museum übliche und tragbare Miete an. Sie soll langfristig den Unterhalt des Gebäudes sichern, jedoch keine Rendite. Weitere Finanzgeber sind durchaus erwünscht. Der Kanton und die Stadt haben jedoch bisher noch nicht Stellung genommen.
Mit blau-weissen Schildern wird man im ansonsten noch nicht besonders sichtbaren Museumsquartier willkommen geheissen. (Foto: David Fürst)