Politik - Meinung

Autobahnanschluss Wankdorf: Keine Lösung in Sicht

von Willi Egloff 7. April 2026

Verkehrspolitik Der Gemeinderat der Stadt Bern bleibt hart: Er wird weiterhin gegen den von Bund und Kanton geplanten Ausbau des Autobahnanschlusses Bern kämpfen. Er bezeichnet das jetzige Projekt mit nachvollziehbaren Gründen als überholt.

Es wird wohl keine Überdachung der Autobahn geben, die im Wankdorf die Grosse von der Kleinen Allmend trennt. Diese Überdachung sei aus juristischen Gründen nicht bewilligungsfähig, teilt der Gemeinderat mit und verweist auf eine Studie, die vom Bundesamt für Strassen und der Stadt Bern gemeinsam in Auftrag gegeben worden war.

Für den Gemeinderat fällt damit ein weiteres Argument für den vom Bund bereits bewilligten Ausbau des Autobahnanschlusses Bern-Wankdorf weg. Dieser wurde aufgrund der Annahmen geplant, dass die Autobahn A1 zwischen Schönbühl und Bern verbreitert, die Autobahn A6 zwischen Wankdorf und Muri in einen Tunnel verlegt und auch der übrige Zielverkehr rund um den Entwicklungsschwerpunkt Wankdorf stark zunehmen werde.

Mit seiner Stellungnahme bringt der Gemeinderat eine Haltung zum Ausdruck, auf die er sich bereits mit der Annahme der Verkehrsmonster-Initiative rechtlich verpflichtet hat.

Alle diese Annahmen sind heute überholt. Der Autobahnausbau wurde in der Volksabstimmung vom November 2024 abgelehnt, der Bypass Bern-Ost wurde vom Bund aus der Prioritätenliste für Erweiterungsbauten gestrichen und der Anteil des motorisierten Verkehrs im Wandorf ist in den letzten 15 Jahren nicht gestiegen, sondern deutlich zurückgegangen.

Neuplanung oder Verzicht?

Eine verantwortungsbewusste Verkehrsplanung müsste angesichts solcher Veränderungen ihr Projekt eigentlich zurückziehen und neu aufgleisen. Nicht so das Bundesamt für Strassen, nicht so der Kanton Bern. Beide bestehen auf der raschen Umsetzung des Ausbaus. Dabei hat der Kanton Bern seine Begründung dafür, dass dieser Ausbau dringend sei, etwas angepasst: Im Vordergrund steht laut Noch-Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus nun nicht mehr die Bekämpfung von Staus, sondern die Sicherheit des Veloverkehrs und der Fussgänger:innen.

So hätte eine mögliche Überdachung der Autobahn aussehen können. (Visualisierung: Machbarkeisstudie ASTRA)

Demgegenüber besteht der Gemeinderat darauf, dass zuerst eine realistische Beurteilung der zukünftigen Verkehrsflüsse vorgenommen werde. «Der aktuelle Richtplan basiert auf veralteten Zahlen», wird Gemeinderat Matthias Aebischer im «Bund» zitiert. Aktualisierte Zahlen würden noch in diesem Jahr vorliegen. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse kann sich Matthias Aebischer gut vorstellen, dass der weitere Ausbau des Entwicklungsschwerpunktes Wankdorf auch ohne Ausbau des Autobahnanschlusses möglich ist.

Mehrverkehr verhindern

Mit seiner Stellungnahme bringt der Gemeinderat eine Haltung zum Ausdruck, auf die er sich bereits mit der Annahme der Verkehrsmonster-Initiative rechtlich verpflichtet hat: Diese Initiative verlangt nämlich von den städtischen Behörden, sich gegen alle Strassenbauprojekte zu wehren, die zu Mehrverkehr führen. Genau dies wäre beim Ausbau des Anschlusses Wankdorf aber der Fall.

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Das Bundesamt für Strassen bestreitet zwar, dass das Projekt diese Folge hätte, doch stellt er sich damit in Widerspruch zur von ihm selbst in Auftrag gegebenen Kosten-Nutzen-Analyse. Diese kommt nämlich klar zum Schluss, dass eine Staureduktion im Wankdorf in grossem Masse Mehrverkehr anziehen würde. Ein erheblicher Teil dieses Mehrverkehrs auf der Strasse entstehe dadurch, dass Leute, die bisher den öffentlichen Verkehr benützten, auf das Auto umsteigen würden. Der «Verein Spurwechsel», welcher die Verkehrsmonster-Initiative lanciert hatte, hält ein Akzeptieren der Ausbaupläne von Bund und Kanton allein schon aus diesem Grund für unvereinbar mit dem geltenden städtischen Recht.

Letztlich hat der Gemeinderat daher gar keine Wahl: Er ist verpflichtet, sich weiterhin gegen die Ausbaupläne beim Autobahnanschluss Wankdorf zu wehren. Dass er dies aus eigener Überzeugung tut, wie unter anderem den Aussagen von Gemeinderat Aebischer im «Bund» zu entnehmen ist, lässt es als durchaus realistisch erscheinen, dass sich dieser verkehrspolitische Standpunkt schliesslich durchsetzen wird.