Es ist eine unscheinbare, hellgrüne Linie, lediglich ein paar wenige Zentimeter lang. Eingezeichnet ist sie in der Karte der «Regionalen Velonetzplanung 2026» der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM), zu der gerade die öffentliche Mitwirkung abgeschlossen wurde. Doch was beim Durchblättern der umfangreichen Unterlagen leicht übersehen werden kann, hat es in sich: Die Linie bezeichnet nämlich eine Verbindung zwischen der Elfenau und Wabern, inklusive Aarequerung – ein millionenteures Unterfangen, welches das Potential für hitzige Auseinandersetzungen hat.

Ganz neu ist das Projekt nicht. QuaV4, die Quartiervertretung des Stadtteils Kirchenfeld-Schosshalde, hatte eine entsprechende Verbindung schon vor Jahren angeregt, und von der RKBM wurde sie schon in der letzten Velonetzplanung als Netzlücke vermerkt. Nun soll sie als Velohauptverbindung ein definitiver Bestandteil der Planung werden – wobei definitiv in dem Zusammenhang irreführend sein kann.
Gute Vorsätze
Die Velonetzplanung der Regionalkonferenz Bern Mittelland ist nämlich eher eine Ansammlung an guten Vorsätzen als eine Festsetzung der künftigen Veloinfrastruktur. «Das dargestellte Netz ist als Zielbild zu verstehen», erläutert Timo Krebs, Fachbereichsleiter Verkehr der Regionalkonferenz, auf Anfrage. «Es zeigt auf, welches Netz aus heutiger fachlicher Sicht langfristig optimal und sinnvoll wäre.» Auch die genaue Linienführung und die Art der Verbindung sei mit dem Eintrag noch nicht festgelegt.

Die Planung ist also keine rechtlich verbindlich Vorgabe, sondern eine strategische und fachliche Grundlage für die kantonalen Sach- und kommunalen Richtpläne, welche dann behördenverbindlich sind. Damit aus den Karteninhalten und Projektbeschrieben entsprechende Infrastruktur wird, braucht es den politischen Willen und die Ressourcen von Kanton und Gemeinden. Doch dort hapert es.
Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM) wurde 2010 gegründet und vereint die 74 Gemeinden des Verwaltungskreises Bern-Mittelland. Sie übernimmt und koordiniert gemeindeübergreifende Aufgaben, beispielsweise im Bereich Raumplanung und Verkehr.
Wenig Tempo trotz klaren Vorgaben
Eigentlich wären die Kantone verpflichtet, bis 2042 ein durchgehendes Netz von Velowegen bereitzustellen. So steht es im nationalen Veloweggesetz, das 2018 vom Stimmvolk angenommen wurde. Doch ob diese Vorgabe in Bern umgesetzt wird, ist ungewiss. In der Antwort auf den Vorstoss «Den Velo-Express starten» des Grünen Grossrats Bruno Vanoni hat der Regierungsrat konstatiert, dass es bei der Umsetzung der Veloinfrastruktur grosse Herausforderungen gebe. Deutlicher wird die Velolobby: Pro Velo bezeichnet die Zielsetzung als «illusorisch», wenn die Arbeiten am Netz im aktuellen Tempo weitergingen.
Dem Grossen Rat passt das nicht. Im September hat er zwei Punkte von Vanonis Motion angenommen. Damit muss der Regierungsrat den verbleibenden Handlungsbedarf aufzeigen sowie die Gründe für das langsame Vorankommen analysieren und «Gegensteuer geben». Dass die Veloinfrastruktur aber auch im Kantonsparlament nicht oberste Priorität hat, zeigt die Tatsache, dass die dritte und konkreteste Forderung des Vorstosses nur als Postulat (Prüfauftrag) überwiesen wurde. Sie verlangt, dass zuhanden des Grossen Rates geeignete Vorlagen erarbeitet werden, um die Probleme mit konkreten Massnahmen anzugehen.

Ob aus dem Vorstoss etwas Zählbares resultieren wird, ist fraglich. Es ist nämlich nicht der erste, der mehr Tempo bei der Umsetzung der Veloinfrastruktur fordert. Allein Vanoni hat in den letzten Jahren schon zwei ähnliche Vorstösse eingereicht; beide wurden überwiesen, passiert ist wenig. Der neuerliche Vorstoss sei auch Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit: «Es geht zu wenig voran», konstatiert er.
Das Problem ist, die schönen Planungen in der Realität umzusetzen
Die Ursache liege aber nicht primär auf der Planungsebene. «Das Problem ist, die schönen Planungen in der Realität umzusetzen, in konkreten Verbindungen», meint Vanoni. Die Netzplanungen von Kanton, Regionen und auch vieler Gemeinden seien gut, aber schliesslich fehlten häufig die Ressourcen oder der politische Wille, diese in die Tat umzusetzen. Besonders schwierig sei dies bei gemeindeübergreifenden Vorhaben – vor allem, wenn eine Route über das Gebiet einer Gemeinde führe, die davon wenig profitiere. Vanoni nennt als Beispiel die Velovorrangroute durch das Worblental, an der nun seit zehn Jahren geplant wird. Auch in seiner Wohngemeinde Zollikofen harze es mit der Realisierung von besseren Velowegen.
Die offiziellen Zahlen stützen Vanonis Beobachtungen. Vor drei Jahren untersuchte die RKBM die Einhaltung der Velostandards auf seinem Strassennetz. Auf 700 von 750 Kilometer hat sie Handlungsbedarf festgestellt.

Der Sinn von Leuchtturmprojekten
Macht es vor diesem Hintergrund Sinn, aufwändige neue Vorhaben wie die Veloverbindung Elfenau-Wabern neu in die Netzplanung aufzunehmen? Timo Krebs verteidigt das Vorgehen: «Aus Sicht der RKBM ist es sinnvoll, auch anspruchsvollere Verbindungen in einer strategischen Netzplanung zumindest mal abzubilden. Die Regionale Velonetzplanung ist gerade das geeignete Gefäss, um solche Verbindungen fachlich zu prüfen und zur Diskussion zu stellen.» Auch Vanoni sieht darin kein Problem. Leuchtturmprojekte seien als Ausdruck der hohen Ansprüche an das Velonetz grundsätzlich zu begrüssen, auch wenn sie schliesslich vielleicht nicht realisiert würden. Zentral sei aber die Alltagstauglichkeit des Netzes: «Die Realisierung von guten und sicheren Verbindungen zwischen und innerhalb von Gemeinden muss Priorität haben.»
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Ob die Pläne für eine Veloverbindung zwischen der Elfenau und Wabern jemals konkret werden, ist also fraglich. Dem Vorhaben könnte es ähnlich ergehen wie der anderen grossen Berner Veloweg-Idee: einer Hochbrücke zwischen dem Breitenrain- und Länggassquartier. Das Projekt wurde schon vor Jahren eingehend diskutiert und in die städtischen und überkommunalen Netzplanungen aufgenommen. Dann wurde es plötzlich wieder still um das Vorhaben, nicht zuletzt wegen der knappen städtischen Finanzen.
Hohe Hürden, unerwarteter Support
Bei der Verbindung in der Elfenau kommt noch eine zusätzliche Hürde dazu: Die Gegend ist gleich in mehreren Bundesinventaren als sensible Landschaft eingestuft. Sie befindet sich am Ende des Gebiets «Aarelandschaft zwischen Thun und Bern» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN). Im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) ist die Elfenau («Parklandschaft mit Stadtgärtnerei und Aarehang») mit dem Erhaltungsziel a (Ortsbildteil unerlässlich für das Ortsbild) vermerkt.
Solche Inventareinträge verunmöglichen den Bau neuer Infrastruktur zwar nicht, können aber die Hürden im Bewilligungsprozess erhöhen und die Planung verkomplizieren. Im Fall der Elfenau zeigte sich dies jüngst, als bei der Buswendeschlaufe an der Manuelstrasse die Haltestelle verschoben und mit einem Ladearm für Akkubusse versehen werden sollte. Das Vorhaben im sensiblen Gebiet hatte viel Widerstand und einen langwierigen Rechtsstreit ausgelöst.

Andererseits geniesst die Idee Unterstützung von ungewohnter Seite: Eine der ersten Forderungen nach einer Veloverbindung zwischen Elfenau und Wabern ist einer Mitwirkungseingabe zum städtischen «Masterplan Veloinfrastruktur» aus dem Jahr 2018 zu entnehmen und stammt ausgerechnet von der SVP, die nicht unbedingt für ihre Veloaffinität bekannt ist. Bei der Auswertung der Eingaben anerkannte die Stadt, dass es sich bei der fehlenden Verbindung um eine Netzlücke handle, die Schliessung aber «angesichts der örtlichen Verhältnisse und der divergierenden Interessen äusserst schwierig zu realisieren» sei.

Wie die Verbindung zwischen der Elfenau und Wabern aussehen könnte ist noch nicht klar – und auch nicht, ob sie überhaupt realisiert wird. (Foto: Livia Walker, Bearbeitung: Raphael Wyss)
