Allianza Ambulanza begrüsst einen Gebrauchsleihvertrag

von Noah Pilloud 20. April 2026

Freiräume Um die  Besetzung im ehemaligen Tiefenauspital ist es ruhig geworden. Hinter den Kulissen laufen aber Verhandlungen und Vorbereitungen. Eine Übersicht.

Aktivistischer Elan trifft auf die zurückhaltende Behutsamkeit in der Verwaltung. So etwa lässt sich zusammenfassen, was rund um die Besetzung im ehemaligen Tiefenauspital derzeit passiert.

Fast ein halbes Jahr ist es nun her: Es war Ende Oktober; in einer Nacht- und Nebel-Aktion hat das Kollektiv mit dem Namen «Allianza Ambulanza» das Verwaltungsgebäude des ehemaligen Tiefenauspitals besetzt. Seither ist es einigermassen ruhig geworden, um die Allianza Ambulanza.

Das Bedürfnis nach niederschwelligem Freiraum ist gross.

Innerhalb der getünchten Mauern hingegen läuft so einiges. So gibt es etwa regelmässige Deutschkurse für die Bewohner*innen der benachbarten Kollektivunterkunft für asylsuchende Menschen, erzählt Ernesto vom Kollektiv, der eigentlich anders heisst

Neben den Deutschkursen finden in der Besetzung auch viele Sitzungen von Politgruppen statt. «Wir erhalten viele Anfragen, was zeigt, dass das Bedürfnis nach niederschwelligem Freiraum gross ist», erzählt Ernesto.

Bei der Nutzung zeigt das Kollektiv Zurückhaltung

Nicht alle Anlässe und Angebote finden einen Ort in der Allianza. Bei manchen Nutzungen sind die Besetzer*innen zurückhaltend. Denn noch immer sind Sicherheitsfragen ungeklärt.

Bei Hintergrundgesprächen mit sowohl mit der Stadtverwaltung als auch mit den Besetzer*innen, hiess es in der Vergangenheit immer mal wieder, der Zustand des Gebäudes sei schlecht und einige Arbeiten notwendig. Nur über das Ausmass und den Umfang dieser Arbeiten schien keine Einigkeit zu bestehen.

Am Gebäudekomplex sind einige Arbeiten nötig. (Foto: David Fürst)

Das Kollektiv «Allianza Ambulanza» und die zuständige stelle bei der Stadt, Immobilien Stadt Bern (ISB) befinden sich deshalb seit Monaten in Verhandlungen. Kollektivmitglied Ernesto spricht von einem guten und respektvollen regelmässigen Austausch. Vor rund einem Monat habe ISB dem Kollektiv einen Gebrauchsleihvertrag in Aussicht gestellt. «Das freut uns sehr und wir begrüssen es, unsere Nutzung so legalisieren zu können», meint Ernesto.

Immobilien Stadt Bern bestätigt auf Anfrage, dass ein Angebot für einen Gebrauchsleihvertrag besteht. Dafür muss das Kollektiv «einige zwingende Bedingungen erfüllen», wie es bei der Stadt heisst. Insbesondere in Bezug auf den Brandschutz.

Zu den Verhandlungen will Immobilien Stadt Bern derzeit keine Stellung nehmen.

Das Kollektiv nimmt den Brandschutz ernst

Es ist schwer, zu sagen, wann der Gebrauchsleihvertrag zustande kommt. Solange nicht klar ist, welche Arbeiten am Haus notwendig sind, können weder die Stadt noch das Kollektiv endgültig planen. Willig scheinen jedenfalls beide Parteien zu sein.

Jüngst mutmasste die Zeitung «Der Bund», das Kollektiv Allianza Ambulanza bevorzuge den besetzten Zustand, weil der Aufwand für die Sicherheit zu hoch sei. Dem widerspricht Ernesto: «Wir nehmen die Themen Sicherheit und Brandschutz sehr ernst, insbesondere nach den Ereignissen in Crans-Montana.» Deshalb verzichte das Kollektiv auf Veranstaltungen, wie etwa Partys.

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«Stattdessen setzen wir auf viele kleine Anlässe, bei denen nie mehr Menschen anwesend sind, als für die Räume vorgesehen», erklärt Ernesto. Neben den erwähnten Deutschkursen und Sitzungen seien das etwa Küfas (Küche für alle), bei denen das Kollektiv Abendessen kocht und die Besucher*innen auf Kollektenbasis teilnehmen können.

Ist eine langfristige Planung möglich?

Um die Sicherheit längerfristig gewährleisten zu können und den Anfrorderungen für einen Gebrauchsleihvertrag zu entsprechen, sind die Besetzer*innen im Austausch mit Fachpersonen, erzählt Ernesto weiter.

Weil sie für die Abklärungen und Arbeiten alle Kosten selbst übernehmen müssen, ist es dem Kollektiv wichtig, langfristig planen zu können, betonen sie. Bisher habe die Stadt erst zwei Jahre fix zugesichert.

Wir wollen die Schwellen zum Mitmachen möglichst tief halten.

Bis sich Stadt und Besetzer*innen einigen, dauert es also noch eine Weile. In der Zwischenzeit wird bereits Neues in der Allianza entstehen. Einige Projekte sind bereits in Planung, wie Ernesto verrät: «Derzeit entstehen ein Kino, ein Begengungscafé und offene Atelier-Räume».

Parallel dazu sind innerhalb des Kollektivs viele Prozesse am Laufen. «Wir wollen die Schwellen zum Mitmachen möglichst tief halten», meint Ernesto dazu.

Ausgegangen ist dem Kollektiv der Elan offenbar noch nicht. Alles deutet darauf hin, dass mit etwas Zeit und Geduld in der Tiefenau etwas entstehen kann, das Bern eine Weile erhalten bleibt.