Aller guten Dinge sind vier

von Bettina Wegenast 9. Februar 2026

Familien-Filme Die Berner Kindermedien-Expertin Bettina Wegenast hat an den Solothurner Filmtagen das Kinderfilmprogramm gesichtet. Darunter: ein Film über den legendären Bernhardiner Barry, der heute im Naturhistorischen Museum Bern ausgestellt ist.

Während in anderen Jahren keine Filme zu sehen waren, die sich explizit an Familien, bzw. an Kinder oder an Jugendliche richteten, war das Angebot 2026 von Filmen aus dieser Kategorie fast überwältigend. Gleich vier Filme für verschiedene Altersklassen kamen an den diesjährigen Solothurner Filmtagen auf die Leinwände.

Die Hunde-Legende

Bernhardiner «Barry» ist legendär. Die Geschichte vom tapferen Katastrophensuchhund, der mit einem Fässchen um den Hals auf dem Grossen Sankt Bernhard-Pass diverse Menschen gerettet haben soll, gehört zum schweizerischen Kulturgut. Der Balg des legendären Bergretters kann noch immer (ausgestopft) im Naturhistorischen Museum in Bern bestaunt werden.

Bernhardiner «Barry» im Naturhistorischen Museum in Bern. (Foto: Barry NMBE/Nelly Rodriguez)

Im Spielfilm «Mein Freund Barry» wird aus der Legende eine Freundschaftsgeschichte. Der kleine Georg wird von seinem Bruder im Kloster auf dem Pass zurückgelassen. Es ist Winter, Georg hat Zeit und so päppelt er einen schwächlichen Welpen auf und trainiert ihn als Suchhund. Unterstützt wird er dabei von der toughen Resi. Gegenspieler der beiden ist der schnöselige Stadtjunge Celestin, der dann später prompt von Barry gerettet werden muss.

Screenshot: www.meinfreundbarry.ch/

Mögen die Dialoge manchmal etwas aufgesagt wirken, aber tapfere Kinder, putzige Hunde, eine bunte Truppe von interessanten Nebenfiguren und das alles vor einem wunderschönen Berg-Panorama – «Barry» ist der perfekte Familienfilm für alle ab ca. 9 Jahren.

Weitere Infos hier: Mein Freund Barry

Weitere Infos zur Barry-Austellung im Naturhistorischen Museum: www.nmbe.ch/de/ausstellungen/barry

Die Entdeckerin

Dinosaurier und andere Saurier (offenbar eher den Vögeln als den Amphibien verwandten Viecher), die bis vor ca. 66 Millionen Jahre die Erde bevölkerten, üben noch immer eine grosse Faszination aus. Zwar weiss man nicht so genau, wie sie ausgesehen haben – Federn oder nicht-Federn? – aber dass sie gelebt haben, ist unbestritten. Dass man das weiss, ist u.a. der Mitbegründerin der Paläontologie Mary Anning zu verdanken, die um 1810 schon als 12-Jährige damit begonnen hatte, nach Fossilien zu suchen. Sie war die erste, die ein komplettes Saurierskelett freilegte und feststellte, dass es sich um eine bisher unbekannte Spezies handeln müsse.

Screenshot Youtube: Outside the Box, Mary Anning, Fossilienjägerin – Trailer

Von dieser Geschichte erzählt der Trickfilm «Mary Anning». Der 2-D-Film eignet sich nicht nur für Fossilien-Fans, ist doch die Geschichte so aufgebaut, dass sie auch vom Weg eines kleinen Mädchens gegen alle Widerstände ihrer Zeit berichtet. Für Fans finden sich auf der Website des Films viele zusätzliche, sorgfältig erarbeitete Materialien; von einem Arbeitsheft über ein pädagogisches Dossier bis hin zu einem einfachen Game.

Der Film eignet sich für Zuschauer*innen ab ca. 8 Jahren. Weitere Infos hier: Mary Anning

Der Aprilscherz

Aprilscherz? Dieser seltsame Brauch klingt nach Spass! Und dieser Spass will sich der chinesische Austauschschüler Xi Zhou auf keinen Fall entgehen lassen. Er steckt eine (nur zweimal getragene) Unterhose in eine Pizzaschachtel und vertauscht sie mit einer anderen aus dem Auto des Pizzaboten. Wie sich herausstellt, steckt in dieser Schachtel keine Pizza, sondern Geldscheine.

Screenshot: www.der-besondere-kinderfilm.de/info/der-prank/

Was als derber Scherz begonnen hat, entwickelt sich zu einer rasanten und höchst unterhaltsamen Verfolgungsgeschichte, in der drei aufgeweckte Kinder eine ausgewachsene Mafia-Gang überlisten. Energiegeladene, fröhliche Krimikomödie mit schnellen Schnitten und mit einigen überraschenden Wendungen.

Ein Film für alle ab ca. 12 Jahren. Weitere Infos: Der Prank

Der Handyfilm 

Der Kinofilm «Wyld» beruht auf der SRF-Serie «Becoming Momo». Die Serie wurde mit dem Handy gefilmt und alle Protagonisten entwickelten ihre Figuren selber mit: die angepasste Zoe, die rebellische Momo und Ben, der gerade nach seiner sexuellen Identität sucht. Ihre Geschichten wurden nicht minutiös gescriptet, sondern liessen Platz für Improvisationen.

Screeshot: www.filmkids.ch/wyld-der-erste-schweizer-handy-splitscreen-spielfilm/

Die rund 500 Folgen der Serie wurden speziell für Instagram entwickelt und wurden ab 2021 auch nur auf Instagram ausgestrahlt. Im Kino laufen nun ihre drei Geschichten im Splitscreen parallel als drei Streifen nebeneinander her. In «Wyld» geht es oft direkt zur Sache: was soll der Stress in der Schule? Warum macht man überhaupt eine Ausbildung, wenn’s doch zu allem Youtube-Videos gibt? Sex, wie wann und mit wem? Und wie geht man mit Gewalterfahrungen um? Durch die ungewohnte Präsentation wirken die, an sich eher unspektakulären Geschichten authentisch und wehen frischen Wind ins Kino.

Weite Infos hier: Wyld