Hitzewellen haben die Welt wieder fest im Griff. Das bedeutet: Pflegende müssen dafür Sorge tragen, dass die hohen Temperaturen die vulnerablen und oft chronisch kranken Patient*innen nicht noch mehr beeinträchtigen. Die Arbeitsorte sind aber oft nicht entsprechend ausgerüstet, und das Pflegepersonal muss kreativ werden. Dabei leiden die Pflegenden selbst unter den eskalativen Temperaturen. Das Ganze gleicht beinahe einer Körperverletzung.
Egal, in welchem pflegerischen Setting ich bisher unterwegs war: Die heissen Sommertage waren immer eine Herausforderung. In der ambulanten Pflege fahre ich in überhitzten Autos in überhitzte und stickige Wohnungen und kümmere mich um dehydrierte und geschwächte Menschen, bevor ich die eigentliche Pflegeleistung erbringen kann. Selbst werde ich genauso wenig trinken wie an allen restlichen Tagen des Jahres, weil – naja – Stress und so. Ich lege den betagten Menschen kalte Lappen auf den Nacken, verteile Glacé und mache kühle Fussbäder.
Mittags kollabiert im Speisesaal des Heims der erste Bewohner.
Im Pflegeheim komme ich auf die Frühschicht. Morgens sind alle Fenster und Türen aufgerissen, um die gnädigeren Temperaturen der Nacht einzufangen und durch jede Ecke des Hauses zu jagen. Aber ich weiss schon: irgendwo im Haus wird eines der hundert Fenster irgendwo offenbleiben, irgendjemand wird vergessen, eine Balkontür zu schliessen, irgendwo wird die Hitze im Verlaufe des Tages reinkriechen. So ist es immer. Nach der morgendlichen Pflege läuft mir bereits der Schweiss aus allen Poren.

Die jährliche Diskussion geht los, wie weit die Hosen der Berufskleidung hochgekrempelt werden dürfen, und wie jedes Jahr lautet die Antwort, dass das professionelle Erscheinungsbild dies leider nicht zulasse. Es machen trotzdem alle.
Mittags kollabiert im Speisesaal des Heims der erste Bewohner. Betagte Menschen mit chronischen Krankheiten sind besonders anfällig für hitzebedingte Beschwerden. Ich werde sofort gerufen, meine Mittagspause läuft seit fünf Minuten. Bei diesen fünf Minuten wird es bleiben.
Ab zwölf Uhr zeigt das Thermometer im Stationsbüro 30 Grad. Währenddessen schwitzt das Personal neben den Medikamenten, die bis zu 25 Grad gelagert werden dürfen, vor sich hin. Protokolliert werden die Temperaturen schon, auch bei den Vorgesetzten werden sie gemeldet, nur gibt es keine Konsequenzen. Hauptsache, die Kühlschranktemperatur stimmt.
Keines der Heime oder Spitäler, in denen ich bisher tätig war, hatte eine Klimaanlage.
In den Stationszimmern im Spital hängen Merkblätter für Massnahmen bei Hitzetagen. Wassermelone essen und Stress reduzieren nehme ich mir besonders zu Herzen. Kurz wiege ich mich im Wind des Ventilators (der privat organisiert wurde) – dann geht bereits wieder die Rufklingel und ich eile davon. Bei Schichtende merke ich, dass ich den ganzen Tag nicht aufs Klo musste, weil ich jeden Schluck Wasser wieder rausgeschwitzt habe.
Keines der Heime oder Spitäler, in denen ich bisher tätig war, hatte eine Klimaanlage. Die Systeme können zur Brutstätte für Bakterien werden und zu einer Art Keimschleuder mutieren, was für immungeschwächte Menschen gefährlich sein kann. Dort müssen Kühlsysteme mit Vorsicht eingesetzt werden.
Gemäss Studien können diese Anlagen aber helfen, die Sterblichkeit älterer Menschen zu senken, wenn es heiss ist. Auch für das Personal wäre es eine enorme Erleichterung. Ein Gebäude entsprechend umzurüsten, bedeutet allerdings hohe Kosten und Institutionen wollen nicht investieren. Ein Eis am Stiel zu spendieren, ist natürlich die einfachere Lösung, aber nachhaltig ist es nicht.
Eis helfe nur bedingt gegen die Hitzebelastung in den Pflegeheimen, findet unsere Kolumnistin. Alternativen gebe es wenige. (Illustration: Sarah Blaser)