Der Verein BETA will die Rahmenbedingungen für lokale Tanzschaffende verbessern, insbesondere für freie Szenen ohne feste Anstellung. Unter welchen Bedingungen arbeiten freie Tanzschaffende aktuell in Bern?
Rena Brandenberger: Die Möglichkeiten sind grundsätzlich da, aber vieles ist stark selbstorganisiert. Freie Tanzschaffende arbeiten eigenverantwortlich: Sie reichen Projekte ein, suchen Kooperationen mit Theatern und tragen die Verantwortung für Finanzierung und Umsetzung. Man ist oft gleichzeitig Produzentin, Organisatorin und Künstlerin. Das macht die Arbeit anspruchsvoll, auch weil Theater selbst unter Druck stehen und Fördermittel begrenzt sind. Als Verein versuchen wir, den Dialog zu stärken und gemeinsam Lösungen zu finden.
BETA gibt es seit zehn Jahren. Was hat sich seither verändert?
Vieles ist strukturell ähnlich geblieben. Was sich deutlich verändert hat, ist die Sichtbarkeit. Genau daran haben wir gearbeitet: uns zu vernetzen, gemeinsam aufzutreten und eine Stimme zu haben. Heute werden wir stärker als Teil der Berner Kulturlandschaft wahrgenommen und sind im Austausch mit der Stadt. Projekte wie das Festival oder das Tanzhaus Bern sind daraus entstanden. Ein eigenes Haus gibt es zwar noch nicht, aber die Idee hat sich klar etabliert.
Die Raumfrage ist seit jeher zentral. Wo steht BETA heute?
Wir sind einerseits noch am selben Punkt: Es fehlt ein eigenes Zuhause für den Tanz. Andererseits haben wir viel erreicht, indem wir dieses Defizit sichtbar gemacht haben. Freie Tanzschaffende müssen sich oft in bestehende Räume einmieten, die nicht ideal ausgestattet sind. Geeignete Infrastruktur wie ein fester Tanzboden fehlt häufig. Das erschwert nachhaltiges Arbeiten.
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Was genau ist das Tanzhaus Bern?
Das Tanzhaus ist aus dem Bedürfnis nach mehr Raum entstanden. Es soll ein Ort sein zum Proben, Austauschen und Vernetzen, und nicht nur eine Bühne. Derzeit ist es eher eine Projektstruktur: ein Studio mit günstigen Proberäumen und einzelnen Bühnenformaten. Langfristig bleibt die Vision eines festen Hauses bestehen.
BETA hat sich auch für die Leitung der Dampfzentrale beworben. Wie ist dort der Stand?
Wir haben uns bewusst beworben und das transparent kommuniziert, auch als inhaltliches Statement. Unsere Bewerbung wurde nicht berücksichtigt, was für uns in Ordnung ist. Wir sehen uns nicht primär als Betreiberinnen eines Hauses, sondern als Interessensvertretung der Tanzschaffenden. Wichtig ist, dass Berner Tanz künftig stärker präsent ist – unabhängig davon, wer die Leitung übernimmt.
Wir sehen uns nicht primär als Betreiberinnen eines Hauses, sondern als Interessensvertretung der Tanzschaffenden.
Sprechen wir doch jetzt über das Festival BETA Stage, welches Sie mitorganisieren und das nun bereits zum sechsten Mal stattfindet. Was erwartet das Publikum in diesem Jahr?
Ein sehr vielfältiges Programm. Unterschiedliche Tanzstile, Arbeitsweisen und Formate zeigen die Breite der Berner Szene. Genau diese Vielfalt sichtbar zu machen, ist unser Anliegen.

Das Festival ist bewusst nicht kuratiert. Wie funktioniert das?
Alle Berner Tanzschaffenden können teilnehmen, ohne klassische Auswahlprozesse. Es gibt keine strikte Trennung zwischen «professionell» und «nicht professionell». Die Teilnehmenden organisieren ihre Beiträge selbst, wir stellen den Rahmen. So entsteht ein offenes, dynamisches Programm.
Wichtig ist uns, dass die Vielfalt des Tanzes in der Förderung abgebildet wird, ohne dass die Szenen gegeneinander ausgespielt werden.
Spielorte sind sowohl klassische Bühnen als auch öffentliche Räume. Warum?
Wir wollen zeigen, dass Tanz überall stattfinden kann. Öffentliche Räume eröffnen neue Möglichkeiten und Perspektiven, während Bühnen Infrastruktur bieten. Beides hat seinen Wert, und diese Spannbreite macht das Festival aus.
Zum Schluss: Welche Forderungen an die Förderstrukturen stellt BETA aktuell?
Unser zentrales Anliegen bleibt: mehr Tanz, mehr Raum. Dafür braucht es mehr Förderung. Wichtig ist uns auch, dass die Vielfalt des Tanzes, von Street Styles bis zu Performativer Kunst, abgebildet wird, ohne dass die Szenen gegeneinander ausgespielt werden. Gerade bei knapper werdenden Mitteln ist das eine große Herausforderung.
Dieses Interview erschien zuerst bei RaBe Info. Der ganze Beitrag kann hier nachgehört werden:
Am diesjährigen BETA Stage Festival kommt auch eine Performance von Rena Brandenberger zur Aufführung. (Foto: Muriel Rieben)
