Ich interessierte mich in den Sechzigern und frühen Siebzigern für progressiven Jazz. Ich spielte Saxofon und produzierte mit vier, fünf Kollegen sehr zusammenhanglose und meist sehr schrille Töne, die wir aber für visionär hielten. Meine Eltern schenkten mir ein Buch über Oldtime-Jazz.
Heute sind die Differenzen kleiner, und die Verständigung ist besser. Ja, ich weiss, die Technik. Zu Hause hing das grosse schwarze Telefon im Korridor. Heute berechnet mir mein iPhone in Sekundenbruchteilen den Weg nach Kemijärvi, einschliesslich Maut und Tankstellen.
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Wir heutigen Alten wurden in den Fünfzigern geboren, unsere Eltern in den Zwanzigern. Wir Fünfziger-Babys erlebten später viel Aufschwung, viel Unruhe, viel Aufbruch. Unsere Eltern erlebten den Zweiten Weltkrieg in der milden CH-Form. Der Abstand zwischen unseren Eltern und uns war gross. Der Abstand zwischen uns heutigen Alten und den Jüngeren ist kleiner. Das hat damit zu tun, dass wir urbanen Alten ein Leben geführt haben, das sich unsere Vorfahren noch gar nicht vorstellen konnten. Wegen Drogen vergass ich auch schon mal, in welchem Zug ich sass. Wegen der Pille führte ich ein sportliches Sexleben. Wegen der Globus-Krawalle wusste ich, wie man sich gegen Tränengas schützt. Wegen der Ostermärsche hatte ich eine geheimpolizeiliche Fiche.
Wir Fünfziger-Babys erlebten später viel Aufschwung, viel Unruhe, viel Aufbruch.
So zusammengestellt, tönt mein Leben dramatisch. War es aber nicht. Ich war ein recht angepasster, eher ängstlicher Mann. Gegen aussen war ich ein in der Wolle gefärbter Linker. Zuhause dachte ich an die Karriere. Immerhin: Die Erlebniswelt meiner Vorfahren gipfelte in Aktivdienstschwärmereien, Landi-39-Erinnerungen und dem Überfahren eines Stoppsignals.
Wir Senioren sind näher bei der jüngeren Generation, als unsere Eltern es damals waren. Glaube ich wenigstens. Möglicherweise haben aber auch meine Eltern gedacht, dass sie ihre Kinder viel besser verstehen als die vorherige Generation.
Als ich jung war, vermutete ich, dass alte Leute schmutzig sind. Jetzt bin ich selber alt, muss ich annehmen, dass die Jungen auch denken, dass ich stinke?
Unser Kolumnist glaubt, dass heutige Senioren näher bei der jüngeren Generation sind, als ihre Eltern es damals waren. (Foto: David Schelker)