Gschmack & Gschichte

Restaurant 01: Beizenromantik im Pop-Up-Format

von Elisa Faes 7. Mai 2026

Gschmack & Gschichte In der Villa Stucki ist das Restaurant 01 noch bis Ende Mai als Pop-Up zu Gast. Fünf Gastronom*innen aus Bern testen ein gemeinsames Konzept zwischen Taverne und Landgasthof. Der Verein Quartiertreff, der die Räume betreibt, setzt seit einiger Zeit bewusst auf Zwischennutzungen.

Vom Restaurant 01 hörte ich so, wie ich in Bern oft von Zwischennutzungen höre: ganz beiläufig und aus allen möglichen Ecken. Eines Abends erzählt mir mein Mitbewohner vom Essen in der Villa Stucki und zeigt mir Fotos von italienischen Desserts neben Weinflecken auf rotweiss karierten Tischtüchern. Ich wusste, was zu tun ist. Wenn ich eines liebe, dann sind es gute Beizen.

Online preist sich das Restaurant 01 zurückhaltend an. Ein Viergänger, Fleisch oder Vegi.  Offen ist das Restaurant Donnerstag bis Samstag an den Abenden, jede Woche wechselt das Menü. Taverne, Grotto und Landgasthof werden als Bezugspunkte genannt. Man muss sich also auf etwas einlassen, aushalten, dass die Menükarte nicht schon im Vorhinein abrufbar ist. An einem lauen Apriltag, kurz vor Apérozeit, erzählen mir Lorenz und Selina auf der Terrasse der Villa Stucki von ihrem Konzept.

Es geht uns um gutes Essen, aber auch um die Atmosphäre. Dass man sich ein bisschen wie zu Hause fühlt und für die paar Stunden, die man hier ist, die Zeit vergisst.

Entstanden sei die Idee schon über Jahre. Selina Hofer, Nino Kohler, Leon Ludewig, Dennis Urben und Lorenz Schmid kennen sich aus Bern und schmeissen das Restaurant 01 in der Villa Stucki während zwei Frühlingsmonaten. Alle fünf bringen reichlich Erfahrung in der Gastronomie mit – Nino und Leon dürften aus anderen Food-Events wie der TRATTORIVA bekannt sein, die anderen drei waren zuletzt Teil des Teams hinter der Turnhalle im PROGR.

Letztes Jahr stimmte dann plötzlich für alle der Zeitpunkt, um was Eigenes zu machen. Als die Anfrage des Vereins Quartiertreff für ein Pop-Up in der Villa Stucki kam, war Lorenz erstmal skeptisch: «So in einer Villa… die ist fast schon zu schön». Doch dann passte irgendwie alles. Selina ergänzt: «Es ist die ideale Gelegenheit für uns, in einem begrenzten Zeitraum zu testen, wie wir zu fünft funktionieren.»

Lorenz Schmid kümmert sich um den Service. (Foto: Fabian Brügger)
Der erste Gang: Zwiebelfrittata auf Sugo al Burro. Dazu ein Glas Hauswein. (Foto: Fabian Brügger)
Klassisch norditalienisch: Tortellini in Brodo werden für den zweiten Gang vorbereitet. (Foto: Fabian Brügger)

Was auf den Tisch kommt

Die Gastronom*innen setzen auf ehrliches und einfaches Essen. Krüge mit Hauswein, eine Vorspeise zum Teilen, gutes Brot. Die fünf ergänzen sich gut. Im Ressort Küche fungieren Nino und Leon zu zweit, den Rest machen Lorenz, Selina und Dennis im fliegenden Wechsel: Tischtücher waschen, Eindecken, Abendservice, lustige Drinks mischen. Und die Menüplanung? «Wir haben gemeinsam entschieden, dass wir uns kulinarisch nicht auf ein Land festlegen wollen. Daher auch der Name Restaurant 01, der vieles offen lässt. Es muss nicht alles italienisch sein.»

Wir lassen uns sehr von unserem Spass leiten.

Jede Woche kommen neue Ideen für Menü oder Trinkbares auf. «Manchmal auch dumme. Aber dann setzen wir sie einfach um». Ein Beispiel? Aktuell serviert das Restaurant auf Nachfrage B52-Shots, vor einer Woche gab es noch Jägermeister-Bombs. Beim Essen flossen auch schon Lieblinge wie Chili Cheese Nuggets oder Coupe Dänemark in die Menüplanung. Allgemein gehen die fünf für die Gestaltung des Restaurants von dem aus, was sie selbst schätzen. «Wir lassen uns sehr von unserem Spass leiten – auch bei der Getränkekarte.»

Ein Liter Bier in der Flasche? Kein Problem im Restaurant 01. (Foto: Fabian Brügger)
Tarte Tatin mit Vanilleglace. (Foto: Fabian Brügger)

Gutes Essen ist ihnen wichtig, genauso das Rundherum. «Es geht uns auch um die Atmosphäre. Dass man sich ein bisschen wie zu Hause fühlt und für die paar Stunden, die man hier ist, die Zeit vergisst.» Selina und Lorenz sind sich bewusst, dass ihr Konzept nicht allen entspricht und gewisse Menschen ausschliesst. Auch wenn sie probieren, bei Allergenen oder sonstigen Wünschen vieles möglich zu machen.

Und noch was beschäftigt sie: «Wenn ich Pop-Up höre, stehen mir eigentlich die Haare zu Berge», so Lorenz. «Grundsätzlich ist es aber etwas Schönes für Menschen wie uns, die nicht riesige finanzielle Möglichkeiten haben, etwas auszuprobieren können.» Pop-Ups können aber unter Umständen zu Gentrifizierung führen. Selina erläutert: «Ich habe Mühe mit dieser Art von Pop-Ups, die Orte aufwerten und zu steigenden Mieten führen – oder auch Raum wegnehmen, der vorher konsumfrei war. Uns ist es wichtig, ein Augenmerk dafür zu haben, dass wir nicht in sowas reinrutschen.» Sie sind sich einig: Es ist ein Privileg, die Villa Stucki bespielen zu können und Ende Mai wieder zu gehen.

Wenn ich Pop-Up höre, stehen mir eigentlich die Haare zu Berge.

Mit dem Einheitspreis von 65.- Franken für den Viergänger (exkl. Getränke) will das Team immerhin eine gewisse Erschwinglichkeit gewährleisten. «Es ist ein Balancieren. Für uns alle steht das Geld nicht im Vordergrund, aber trotzdem müssen wir uns Löhne auszahlen. Es soll schon ein funktionierender Gastrobetrieb sein.» Und es funktioniert bisher: Das Konzept findet Anklang, die Tische sind voll.

Leon Ludewig leitet mit Nino Kohler das Ressort Küche im Restaurant 01. (Foto: Fabian Brügger)
Estathé aus der Dose zum Viergänger. (Foto: Fabian Brügger)

Zwischennutzung mit System

Das Restaurant 01 ist bei weitem nicht das einzige gastronomische Pop-Up, das in der Villa Stucki Unterschlupf fand. Im Winter 2025 bespielte das Café Midas die Räume, im Juni zieht das Bistro Stucki schon für den zweiten Sommer in die Villa und auch Tuk Table macht sporadische Events (Journal B berichtete). Für einen längerfristigen Gastro-Betrieb ist der Standort der Villa Stucki herausfordernd. Es gibt kaum Laufkundschaft und der naheliegende Eigerplatz bietet schon genug Auswahl – auch deswegen gingen in der Villa schon mehrere Betriebe Konkurs. Jetzt wird auf Pop-Ups gesetzt.

So können die Gastronom*innen wirtschaften, übertun sich aber nicht mit hohen Mieten und langen Präsenzzeiten.

Karin Wüthrich ist im 10-köpfigen Vorstand des Vereins Quartiertreff, dem eigentlichen Strippenzieher hinter den stets wechselnden Gastro-Initiativen in der Villa Stucki. Sie erzählt mir, dass diese Strategie bewusst gewählt ist und sich in den letzten Monaten bewährt habe. Zentral dafür sei eine optimale Koexistenz zwischen dem Verein Quartiertreff und Gastronomie. Die aktuelle Zwischennutzung der Räume und deren Betrieb durch Pop-Up-Gastronom*innen funktioniere sehr gut: «So können die Gastronom*innen wirtschaften, übertun sich aber nicht mit hohen Mieten und langen Präsenzzeiten.»

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Das Modell bringt auch praktische Vorteile mit sich: In den Räumen des Restaurant 01 findet montags das Café für Menschen in Not statt, während sich die 01-Belegschaft zuhause vom Wochenende erholt. Zeitfenster, die der Quartiertreff zur Verfügung stellt, ohne damit Einnahmen generieren zu müssen.

Die Villa Stucki bei Nacht: hier soll wieder ein belebter Begegnungsort entstehen. (Foto: Sarah Farrell)

140 Jahre alt wird die Villa Stucki dieses Jahr. Der Verein Quartiertreff hat eine Vision: die Villa bis zu ihrem hundertfünzigsten Geburtstag wieder zu einem belebten Begegnungsort zu machen. «Alleine schaffst du es nicht, weil es ein riesiges und ein altes Haus ist. Die Nebenkosten sind horrend», erklärt Karin. Da brauche es viel Überzeugungsarbeit, damit Leute herkommen, um den Ort zu beleben. Aber: «Es ist der perfekte Ort, um etwas auszuprobieren». Mit den Pop-Ups haben sie eine Lösung gefunden, die für beide Parteien gewinnbringend ist.

Während mir Karin von dem grossen ehrenamtlichen Engagement des Vereins erzählt, macht das 01-Team eine letzte kurze Pause vor dem Abendservice. Kerzen brennen auf dem Cheminée und es spielt Copenhagen Dream Pop, als die ersten Gäste auftauchen. Schnell füllen sich die Tafeln. Was auffällt: Selina, Lorenz und Dennis bewegen sich mit einer Unaufgeregtheit durch die Räume, die sich auf die Stimmung überträgt. Das Trattoria-Feeling überzeugt – es ist einfach und gleichzeitig was Besonderes. Beim Panna Cotta angelangt, bin ich traurig, dass es schon vorbei ist. Und bestelle darum noch einen B52.

Panna Cotta mit Waldbeercoulis zum Dessert. (Foto: Fabian Brügger)

Xing Long: Ein Stück Zuhause in Köniz

von David Fürst & Lucy Schön 27. März 2025

Gschmack & Gschichte David und Lucy besuchen das Xing Long in Köniz. Wo sich Restaurant und Laden überschneiden – und eine Familie eine kleine kulinarische Welt geschaffen hat. Ein Beitrag mit Video.

Das Xing Long in Köniz ist einer dieser Orte, die sich leise ins Herz schleichen. An der Schwarzenburgstrasse wird von Donnerstag bis Samstag eine Handvoll Gerichte aus Vietnam, Thailand und China gekocht. Frisch und hausgemacht. Besonders beliebt ist die Phở, eine vietnamesische Nudelsuppe, die mich und meine Freundinnen wöchentlich hierherzieht.

Das Restaurant gehört zum asiatischen Lebensmittelladen und Vertrieb «A-Chau», der hier bereits seit 1993 besteht. Seit 2020 ergänzt das kleine Lokal den Familienbetrieb, geführt von Lin Lien-Wan – eine Gastgeberin mit einem klaren Anspruch: gutes, authentisches Essen und eine Atmosphäre, in der sich Menschen willkommen fühlen.

Die 33-jährige Lin Lien-Wan ist die Leiterin des Xing Long in Köniz. (Foto: David Fürst)
Für die Phở kommt unsere Redakteurin Lucy fast wöchentlich ins Restaurant. (Foto: David Fürst)

«Wir möchten, dass unsere Gäste sich bei uns wie zuhause fühlen», sagt die 33-jährige Lin. Ihre Wurzeln sind so vielfältig wie das Menü selbst: Die Mutter – Vietnamesin, in Laos geboren – kocht seit jeher thailändisch. Der Vater stammt aus Shanghai. Aufgewachsen ist Lin in Luzern, wo ihre Eltern ebenfalls einen asiatischen Lebensmittelladen mit Restaurant betreiben.

Ein kleines Restaurant mit grosser Reichweite

«Wir haben bewusst nur wenige Menüs. Es soll frisch und authentisch bleiben – keep it simple», so Lin. Die wenigen, aber sorgfältig gewählten, Gerichte sind am Sortiment des Ladens ausgerichtet, der sich auf Produkte aus Vietnam, Thailand und China konzentriert.

Die beliebtesten Gerichte und was David und Lucy probiert haben – siehst du im Video:

Das Xing Long ist mehr als nur ein Ort fürs Mittagessen. Es ist ein Treffpunkt. Viele Gäste kommen regelmässig, manche wöchentlich. Werbung macht das Xing Long keine. Das braucht es auch nicht – alles läuft über Mund-zu-Mund-Weiterempfehlung. Was mit Skepsis begann – «Kommen da nur Menschen mit asiatischen Wurzeln?» – wurde schnell zur Überraschung: Heute kommen Gäste aus Bern, Solothurn, Neuchâtel oder Fribourg, viele ohne asiatischen Hintergrund. «Das finde ich richtig schön», sagt Lin. «Sie probieren, sie fragen, sie kommen wieder. Es entstehen Gespräche, manchmal sogar Freundschaften.»

Macht süchtig: Die Ente mit hausgemachter Sauce gehört zu den meist bestellten Gerichten. (Foto: David Fürst)

Restaurant Xing Long, Schwarzenburgstrasse 320, 3098 Köniz. Donnerstag und Freitag 11:30-17:30 Uhr, Samstag 11:30-15:30 Uhr. Hier weitere Infos

Tipp: Wer vegan, vegetarisch oder auf bestimmte Zutaten allergisch ist – oder einfach etwas ohne (ein bestimmtes) Fleisch oder ohne Ei wünscht –, kann sich ganz unkompliziert melden. Ob ein Fried Rice mit Gemüse und Tofu oder eine andere Variation: «Das ist für uns kein Problem – einfach sagen!»

Text + Videoschnitt: Lucy Schön
Fotos + Videoaufnahmen: David Fürst

Momo Corner: Die Ecke, die süchtig macht

von David Fürst & Lucy Schön 8. November 2024

Gschmack & Gschichte Lucy und David besuchen den «Momo Corner» im Quartier Breitenrain-Lorraine. Ein Ort, der für seine köstlichen tibetischen Teigtaschen bekannt ist.

Einmal pro Woche pilgere ich während meiner Mittagspause von meinem Büro an der Optingenstrasse zum «Momo Corner» an der Viktoriastrasse. Schaffe ich es nicht, vor der langen Mittagsschlange anzukommen, stelle ich mich brav dazu und warte mit – egal, wie lange es dauert. Denn für diese Momos stehe ich bei Wind, Regen oder im Schnee an.

Momos sind gedämpfte tibetische Teigtaschen. Im «Momo Corner» sind sie gefüllt mit Rindfleisch oder Spinat und Käse. Beisse ich in die Taschen, rinnt ein köstlicher Saft heraus, in den ich mich am liebsten hineinlegen würde. Verantwortlich für den Genuss sind Monlam und seine Frau Chonzom Khangsar. Vor fünf Jahren haben sie «Momo Corner» gegründet. Er führt das Bistro im Breitenrainquartier, sie das zweite Lokal im Stadtzentrum an der Aarbergergasse 35.

Unscheinbar aber sehr fein: Der Momo Corner an der Viktoriastrasse (Foto: David Fürst).
Monlam Khangsar verkauft seine handgemachten Momos (Foto: David Fürst).

Rezeptur für den Schweizer Gaumen

Monlam und Chonzom stellen jeden Tag mehrere hundert Momos von Hand für ihre beiden Take-Aways her. «Momos brauchen viel Arbeit und Zeit. In unserem Land essen wir sie nicht jeden Tag – nur bei Festen, etwa mit der Familie. Dann machen wir sie auch alle zusammen», so der 48-Jährige. Ihr Betrieb ist ein Familienunternehmen. Die beiden Söhne, Anfang 20, helfen mit, wann immer sie Zeit haben. Monlam erzählt, dass er und seine Frau 2006 von Tibet in die Schweiz gekommen sind. Lange Zeit arbeitete er beim Tibits beim Bahnhof als Koch. Doch er wollte immer etwas Eigenes aufbauen

Monlam Khangsar ist der Besitzer vom «Momo Corner» im Breitsch (Foto: David Fürst).

Das Rezept ihrer Momos sei ein wohlgehütetes Geheimnis. «Ich habe lange experimentiert und durch meine Erfahrungen in Restaurants gelernt, was die Kund*innen in der Schweiz mögen», sagt Monlam. Nicht nur die Füllung, sondern auch die scharfe Chili-Sauce ist einzigartig. «Eigentlich wäre die Sauce viel schärfer, aber ich musste sie für den Geschmack in der Schweiz anpassen.»

Viele Schweizer*innen essen die Momos falsch, erklärt uns Monlam Khangsar. Im folgenden Video zeigt er dir, wie man Momos richtig isst – inklusive einem Taste-Test:

Tipp: Für Veganer*innen gibt es beim Take Away im Breitsch in veganes Curry. Beim Stand an der Aarbergergasse 35 gibt es auch vegane Momos mit Kartoffeln.

Momo Corner, Viktoriastrasse 44, 3013 Bern. Montag bis Freitag 11:00 bis 19:00.

Text + Videoschnitt: Lucy Schön
Fotos + Videoaufnahmen: David Fürst

Floria: Ein verstecktes Juwel

von David Fürst & Lucy Schön 20. September 2024

Gschmack & Gschichte Im zweiten Teil der neuen Essens-Kolumne besuchen Lucy und David das «Floria» in der Länggasse, wo Spezialitäten und erschwinglicher Genuss im Mittelpunkt stehen.

Auf den ersten Blick kann das «Floria» leicht übersehen werden – aber wer es einmal entdeckt, wird schnell merken, dass es ein echter Geheimtipp ist. Das Lokal liegt versteckt zwischen der Migros in der Mittelstrasse und der Bibliothek Länggasse, nur ein paar Schritte vom Sattler entfernt. Der Bar um die Ecke sei mit ein Grund, warum das Floria unter der Woche bis um 23 Uhr geöffnet habe, sagt Orhan Celik, der das Floria zusammen mit seiner Frau Fatma führt. «Viele Menschen kommen nach ihrem Feierabendbier im Sattler mit Hunger vorbei.»

Fatma und Orhan erzählen uns nach dem Mittags-Ansturm von ihrem Leben mit ihren drei Kindern, wie sie vor vielen Jahren von der Türkei in die Schweiz kamen und wie das Floria entstanden ist. Orhan hat zuerst während fast zehn Jahren einen Kebab-Imbiss in Weissenbühl geführt. Das Floria eröffneten sie dann vor viereinhalb Jahren als Duo zusammen in der Länggasse. Ihnen sei von Beginn weg wichtig gewesen, nicht «nur» Kebab und Pizza zu verkaufen, sondern Spezialitäten aus ihrem Heimatland für alle Geschmäcker anzubieten. «Bei uns gibt es auch türkische und libanesische Sandwich-Spezialitäten», erklärt Fatma.

(Foto: David Fürst)
Makali mit frischer Minze, Aubergine, Kartoffeln und Sesamsauce (Foto: David Fürst).
Fatma bereitet das Essen für das Team von Journal B vor (Foto: David Fürst).

Leckeres Essen für jedes Budget

Die Sandwiches werden daher unter anderem mit frischer Minze und Petersilie, gekochtem Blumenkohl und Aubergine, scharfen Kartoffeln, eingelegtem Rettich und Sesam-Sauce zubereitet. Beim Fleisch sei Shish Taouk sehr beliebt, ein Sandwich mit Gemüse und mariniertem Poulet. «Shish» bedeutet Spiess, «Taouk» Hähnchen. Bei Nicht-Fleischesser*innen seien der Grillkäse Halloumi und der hausgemachte Falafel klare Hits. Die Falafels macht das Ehepaar von Grund auf selbst und zusammen – «wie so vieles», sagen sie mit einem Lächeln und nicken sich vertraut zu.

Und ready ist das Sandwich für den Taste-Test! (Foto: David Fürst)

Ihnen ist es auch ein Anliegen, dass die Preise ihres Angebots erschwinglich sind. Denn gute Qualität solle nicht teuer sein: «Unser Essen soll für alle Menschen zugänglich sein – etwa für Schüler*innen oder Familien, die so nach dem Einkauf in der Migros noch schnell etwas für zu Hause mitnehmen können», so Orhan.

Die unglaublich guten Sandwiches haben wir natürlich probiert. Im folgenden Video präsentieren wir euch den Taste-Test:

Fazit: Das Floria ist mehr als nur ein Ort zum Essen und Trinken. Es ist ein Stück Herzlichkeit, wo man sich willkommen fühlt, egal zu welcher Tageszeit.

Floria Pizzeria & Burger, Zähringerstrasse 35, 3012 Bern. Montag bis Freitag 9:30 bis 14:30, 17:00 bis 23:00, Samstag 12:00 bis 22:00, Sonntag geschlossen. Hier weitere Infos
 
Text + Videoschnitt: Lucy Schön
Fotos + Videoaufnahmen: David Fürst

Sitara: Ein Ort für Herz und Gaumen

von David Fürst & Lucy Schön 3. April 2024

Gschmack & Gschichte Auf der Spur eines Geheimrezepts: Im ersten Teil der neuen Essens-Kolumne besuchen Lucy und David das Take-Away-Restaurant «Sitara» zwischen Lorraine und Breitenrain.

Ein Knoblauch-Naan, das auf der Zunge zergeht, und ein Auberginen-Curry, das mir wöchentlich den Kopf verdreht: Das Sitara ist klar eines meiner Lieblingsorte geworden. Im vergangenen Frühling zog ich neu in die Lorraine. Beim Erkunden des Quartiers kam ich am indischen Take-Away-Restaurant vorbei. Ein herrlicher Duft lag in der Luft, mein Magen knurrte und wie gebannt trat ich in das Bistro mit der grossen Glassscheibe ein.

Eines wurde mir sofort klar: In ganz Bern habe ich noch nie solch grosse Portionen Take-Away-Essen bekommen. Und: Der Koch hinter den Tresen ist enorm herzlich.

Das Sitara an der Breitenrainstrasse 49, gegenüber vom Breitenrainpark  (Foto: David Fürst).
Wer vor 12 Uhr kommt, kann sich noch ein Knoblauch-Naan ergattern. (Foto: David Fürst)

Eine Reise durch die Gastronomie

Mittlerweile weiss ich, dass der wunderbar freundliche Inhaber und Chef des Sitaras Thirukkumaran «Thiru» Kanapathipillai heisst. Er kam vor mehr als 35 Jahren aus Sri Lanka in die Schweiz. «Mit 19 Jahren verliess ich mein Heimatland und reiste alleine 15’000 Kilometer nach Europa.»

Seither hat er in der Gastronomie gearbeitet, etwa bei Macdonalds und Burger King. Während fünf Jahren führte er das Ristorante Ottimo an der Belpstrasse 34 – ein Mischkonzept aus indischer und italienischer Küche. Bis der Grundstückeigentümer das Gebäude sanieren und abändern wollte und der 58-Jährige so vor knapp vier Jahren während Corona das Sitara eröffnete.

«Verschiedene Menschen kennenzulernen ist so eine Freude, das liebe ich an meiner Arbeit und finde ich sehr interessant», erzählt mir Thiru. Das erlebe ich selbst auch, ist es doch zu einem Ritual geworden, dass wir uns jeden Tag zuwinken und lachen, wenn ich an seinem Restaurant vorbei in mein Büro laufe.

Das Menü ist ein Mix aus nord- und südindischen sowie sri-lankischen Spezialitäten. Thiru kocht die Gerichte jeweils morgens allein in Worblaufen in einer grossen Gastro-Küche vor. Dann bringt er die Curries – Gemüse, Linsen, Lamm, Poulet oder Lachs – zur Breitenrainstrasse, wo ihn seine Mitarbeiterin Sharmin beim Kundengeschäft unterstützt.

Dem Geheimrezept auf der Spur

Die Rezepte lernte Thiru von seiner Grossmutter und seinen Eltern. Während seiner Kindheit unterstützte er seine Familie jeweils nach der Schule beim Kochen: «Ich half etwa, Kartoffeln und Zwiebeln zu schneiden – es war immer ein Familienerlebnis.» Die Zutaten habe er aber für die Berner*innen anpassen und reduzieren müssen: «So wie ich zu Hause essen, das verträgt hier niemand – es wäre viel zu scharf.»

Thiru kocht das Mittagessen, Sharmin unterstützt ihn beim Service. (Foto: David Fürst)
Zurzeit ist das Sitara nur mittags geöffnet – doch das ändert sich bald. (Foto: David Fürst)

Thiru selbst ist übrigens Vegetarier und mag seine Gemüse-Currries am liebsten mit Linsen und Raita, ein Joghurt-Dip. Im Sitara sei das Auberginen-Curry klar der Star und der Favorit vieler Menschen. Das Geheimrezept dafür könne er aber nicht verraten, sagt er schmunzelnd, einfach dass es gesunde Gewürze enthalte.

Sitara, Breitenrainstrasse 49, 3013 Bern. Montag bis Freitag 11:00 bis 14:00 – in wenigen Wochen wird auch am Abend geöffnet sein. Hier weitere Infos.

Für Allergiker:innen: Alles Essen ist ohne Milch und Gluten. Nur das Papadam könnte Gluten beinhalten.
Tipp: Vor 12 Uhr kommen und eigenes Take-Away-Geschirr mitnehmen.

Text + Videoschnitt: Lucy Schön
Fotos + Videoaufnahmen: David Fürst