Alltag in Bern: Ein Tagebuch

Es hat die Schweiz bisher sicher durch die Zeitläufte geführt, das Kollegium, dem eine Pianistin und Konsumentenschützerin, ein Winzer, der ehemalige Geschäftsführer einer Landi, die juristisch gebildete alt Stadtpräsidentin, ein Kantonsarzt, eine Dolmetscherin, ein Ökonom angehören, drei Frauen, vier Männer, eine Stimme mehr für die sogenannt bürgerliche Seite. Sie waren in der Politik zuvor GemeinderätInnen, Parteipräsidenten, Fraktionschef, standen Wahlen durch und vertraten Abstimmungsvorlagen vor der Bevölkerung. Sie kommen aus dem Kanton Bern, der Waadt, dem Tessin, der Zürcher Landschaft, dem ländlichen Freiburg, dem Oberwallis und St. Gallen. Bei Medienauftritten spürt man ihnen die Last der Verantwortung nicht an, wohl aber das Bedürfnis und die Bereitschaft, sich zu erklären – gerade auch dann, wenn das zu Erklärende zuvor nicht der eigenen Auffassung entsprach. Ich glaube ihnen, dass sie auch «kollegial mittragen», was ihnen gegen die politische Überzeugung geht. Mich überzeugt, aus wie entfernten Positionen sie eine Mitte gefunden haben, für deren stets vorläufige Richtigkeit sie das Parlament und auch uns Leute zu überzeugen versuchen.

Kein Verständnis habe ich für die seit Wochen andauernden Versuche der Medien, jedes Anzeichen von Differenzen innerhalb des Bundesrats gegen diesen als Kollegium und dessen Glaubwürdigkeit auszuschlachten. Welches Menschen- und Politikbild steckt hinter einer solchen Sicht? Sicher kein demokratisches, das von Pluralität ausgeht und dennoch auf Konsens ausgerichtet sein muss. Eher ein autoritatives, in dem nur richtig sein darf, was die eigene These stützt, der Skandalisierung und damit der Verkäuflichkeit dient. Mir scheint es normal, dass jede Bundesrätin und jeder Bundesrat mit einer eigenen Meinung in die Sitzung kommt, um dort in offener Diskussion eine gemeinsame Meinung zu erstreiten. Wofür bräuchten wir sieben, wenn alles immer schon klar wäre? Im Streben nach dem Gemeinsamen, in der Anstrengung dafür liegt die Kraft des Kollegiums. Es scheint mir nicht nur natürlich, sondern wohltuend, dass man sicher sein kann: Das kostet Kraft und diese Kraft schafft die bestmögliche Entscheidung, den bestmöglichen Lösungsansatz.

Als Betrachter mehrerer Medienkonferenzen am Fernsehen hatte ich noch nie den Eindruck, die Mitglieder des Bundesrats zelebrierten ihre vorübergehend gesteigerte Macht, sie seien arrogant und trügen den Kopf höher als in normalen Zeiten. Dass das Parlament erst jetzt wieder tagt, liegt in dessen Verantwortung. Die korrumpierende Wirkung der Macht, verbunden mit dem Wunsch, sie möglichst lange exklusiv ausüben zu können, merke ich nicht. Ich beobachte eher das Gegenteil: Die Last der Verantwortung; die Verletzung durch die oft ungerechten Angriffe; die Kränkung durch Unterstellungen aufgrund historischer Vergleiche (mit dem Bundesrat unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg), die nicht zutreffen.

Ein Bonmot sagt, wer die Macht habe, brauche nicht zu lernen. Der Bundesrat widerlegt dies gerade vor den Augen von uns allen. Er tastet sich vor in einer Unübersichtlichkeit, die der preussische Stratege Clausewitz den «Nebel des Krieges» genannt hat. Er entscheidet, ohne alles zu wissen, was nötig wäre. Er lernt von Sitzung zu Sitzung hinzu, passt Beschlüsse an – und erklärt uns, warum. Wenn die Lage nicht so ernst wäre, könnte man sagen, wir alle erlebten gerade ein fortlaufendes Weiterbildungsseminar. Ich hoffe, dass die Art des Bundesrates zu regieren, fortbesteht.

So fühle ich mich ernst genommen. «Wir sind viele Ratlose», schrieb Sibylle Berg vor kurzem im «Bund». Das trifft es. Die vielen Besserwisser lassen mich kalt, denn sie interessieren sich nicht für mich, sondern behaupten und fordern bloss. Der Bundesrat dagegen erklärt, wägt öffentlich ab und wagt auch zu sagen, er wisse Vieles noch nicht. Damit ist er seinen Kritikern weit voraus.

Seit Anfang November sitze ich hinter dem Briefwechsel des Bümplizer Schriftstellers C. A. Loosli mit seinem Freund Jonas Fränkel, dem ausserordentlichsten Professor der Universität Bern. Es geht um knapp 3150 Dokumente – Briefe, Postkarten und einige Telegramme. Ziel ist ein Auswahlband, der Einblick geben soll in das Leben und das Wirken dieser beiden Berner Intellektuellen. So sitze ich zumeist hundert Jahre weit weg von den aktuellen Schlagzeilen um Homeoffice, Risikogruppen-Isolation und Versammlungsverbot im Zusammenhang mit dem Corona-Virus.

Aber manchmal kommt es vor, dass mich Loosli und Fränkel in die Gegenwart zurückholen:

Am 2. Dezember 1918 schreibt Loosli an seinen kurz zuvor aus Bümpliz weggezogenen Freund Jonas Fränkel: «Ich hätte Dir eher gedankt und geschrieben, aber die verdammte Grippe hat mich so her genommen, dass ich, obwohl seit annähernd vierzehn Tagen wieder aus dem Bett, einfach unfähig, auch zur geringsten Anstrengung war. Ich war nicht nur körperlich, sondern auch geistig auf dem Hund, in einer Weise, dass wenn mir jemand vorgeschlagen hätte, mich totzuschlagen, ich es angenommen hätte, nur um meiner selbst los zu werden. […] Du hast übrigens sehr wohl getan, Bümpliz diesen Winter zu meiden. Das Militär, das uns der Landesstreik eintrug, hat die fast erloschene Grippe wieder neu und heftig entfacht, so dass fast in allen Häusern Kranke und in vielen Tote lagen.»

Fränkel antwortet tags darauf aus Merligen, wo er ein Zimmer gemietet hat: «Die Grippe herrscht auch hier gerade so wie in Bümpliz. In dem Chalet, in dem ich wohne, bin ich der einzige, der noch nicht grippekrank ist; mein Bauer, seine Frau u. die Kinder liegen alle krank, d. h. letztere sind inzwischen schon auf, aber die Bauersleute sind krank u. haben sogar Lungenentzündung. Ich komme ja mit den Leuten nicht in Berührung – hoffentlich bleibe ich also verschont, denn den Luxus, krank zu werden, darf ich mir gegenwärtig nicht leisten.»

Das waren noch Zeiten, geht mir durch den Kopf: Da gab’s eine Pandemie und trotzdem nahmen die Leute in der Schweiz sich heraus, vom 12. bis 14. November 1918 einen landesweiten Generalstreik durchzuführen. Aus Solidarität versammelte man sich zum Protest, um für seine und die Rechte all jener zu kämpfen, die am Ende des Ersten Weltkriegs in grosser Not waren.

Ich stehe vom Schreibtisch auf und drehe eine Runde durch die Wohnung: Beim Giessen rede ich einige Takte mit meinen Pflanzen – immerhin sollen Risikogrüppeler, wie ich einer bin, sich bewegen und Kontakt haben beim Isoliertsein. Durch den Kopf, der immer noch bei Loosli und Fränkel ist, geht mir dabei, dass ich es heute bedeutend einfacher habe, als ich es damals gehabt hätte: Heute gelte ich schon als solidarisch, wenn ich mir das Recht auf Versammlungsfreiheit nehmen lasse, ohne gleich zu meinen, politisch werden zu müssen.

Und fünf Minuten später bin ich wieder hundert Jahre weit weg von Homeoffice, Risikogruppen-Isolation und Versammlungsverbot.

Der erste Regen seit Wochen. Welche Wohltat! Und gleichzeitig eine Erinnerung. An den April 1986. Als uns die radioaktive Wolke nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl auch in die Häuser zwang.

Die Magnolien blühten. Die Erdbeerstauden versprachen süsse Früchte. Der Wald lockte zartgrün. Und in diese Idylle drang dieses Wort, das für immer Sinnbild für hilflose Angst und zerstörte Umwelt werden sollte: Tschernobyl.

Ich erinnere mich an meinen ersten Gedanken, als ich hörte, das Unglück habe sich in der Ukraine ereignet. Ich hatte keine Ahnung, wo die Ukraine liegt (es war ja noch einfach ein Teil der riesigen Sowjetunion). Ich erinnere mich, dass mir als erstes das Chanson «Natalie» von Gilbert Bécaud in den Sinn kam. Dort werden die «plaines d Ukraine» besungen. Ein weites, ebenes Land, eine Kornkammer. Sie musste ziemlich weit im Osten liegen. Aber: weit genug, damit die radioaktive Wolke nicht bis zu uns drang?

Dann kam der Regen und mit ihm der Fallout und die Empfehlung, Kinder nicht mehr draussen spielen zu lassen, keinen Salat mehr zu essen, frische Milch zu meiden, Erdbeeren ebenfalls… Der Spielplatz, der Sandkasten, der Wald … sie wurden Tabubereiche für die Kinder. Niemand konnte genau sagen, wie gefährlich Draussensein war. Aber die Hilflosigkeit war gross: Wie sollte Eltern ihren Kindern erklären, dass der blaue Himmel, die Wolken und die Regentropfen krank machen können. Wie sollte man ihnen sagen, warum wir bei schönem Wetter drinnen spielen sollten?

Niemand hat diese paradoxen Frühlingsgefühle so greifbar beschrieben wie Kurt Marti in seinem Vierzeiler «früelig» 1986:

hahnefuess und ankeballe
früehlig trybt scho schtyf
liechti rägetröpfli falle
radioaktiv.

Ja, die Folgen von Corona sind schlimm. Menschen sterben, die Wirtschaft krankt, unser Umgang mit Mitmenschen wird gerade nachhaltig verändert. Ein Trost aber bleibt uns: Kinder werden vom Virus offenbar verschont. Wenigstens das!

«Der Stadtrat wählt, setzt Recht, entscheidet über bedeutende Ausgaben und beaufsichtigt den Gemeinderat und die Verwaltung», heisst es in der Gemeindeordnung der Stadt Bern. Zurzeit tut er gerade gar nichts von alledem. Er macht Corona-bedingt Pause. Seine letzte Sitzung fand am 12. März 2020 statt.

Klar: Es gilt ein bundesrätlich verordnetes Versammlungsverbot, es gibt im Stadtrat zahlreiche Personen, die zu einer Risikogruppe gehören, es gibt eine verbreitete Angst vor Ansteckungen. Aber ist das für ein zentrales politisches Organ Grund genug, einfach den Betrieb einzustellen? Ist der Stadtrat ein Schönwetterparlament, dessen Tätigkeit man bei Regen einfach mal aussetzen kann wie den allwöchentlichen Sonntagsspaziergang?

Ich bin wirklich froh, dass unser Gesundheitswesen nicht nach diesem Muster funktioniert. Man stelle sich vor: Alle Spitäler, Pflegeheime, Arztpraxen, Geburtskliniken usw. geschlossen und vor der Tür ein Schild: «Wegen Versammlungsverbot und Ansteckungsgefahr nicht in Betrieb». Ein Aufschrei würde durch das Land gehen. Warum passiert das nicht auch, wenn die zentralen Einrichtungen der Demokratie, nämlich die Parlamente auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene einfach mal ihren Betrieb einstellen? Ist denn das Funktionieren der Demokratie weniger wichtig als die körperliche Gesundheit?

Natürlich steht die Stadtpolitik im Moment nicht im Brennpunkt der Ereignisse. Die wichtigsten Massnahmen wurden auf Bundes- und Kantonsebene beschlossen und müssen daher von den dortigen Parlamenten beaufsichtigt werden. Aber es ist ja nicht so, dass auf städtischer Ebene politisch nichts passiert. So hat der Gemeinderat ein Sparpaket mit Massnahmen beschlossen, die vor allem für Personen in prekären Lebensumständen sehr einschneidend sein werden. Warum äussert sich der Stadtrat als Aufsichtsbehörde zu diesen wichtigen Themen nicht? Oder findet er die Stossrichtung dieser Massnahmen einfach nur toll? Das ist angesichts der rot-grünen Mehrheit im Stadtrat eigentlich nicht anzunehmen.

Immerhin zeichnet sich ein Lichtblick ab: Am 14. Mai soll in der Wankdorf-Turnhalle wieder eine Sitzung des Stadtrats stattfinden. Dabei hat die Verwaltung vorgegeben, dass die Mitglieder bis zu diesem Termin nur Anfragen einbringen dürfen, welche sich auf die Corona-Pandemie beziehen. Die Kontrollierten bestimmen also, womit sich die Kontrolleurinnen und Kontrolleure befassen dürfen und womit nicht. Ich habe das in der Gemeindeordnung anders gelesen.

Das Gejammer um die geschlossenen Coiffeursalons ist berechtigt, denn wie sollen wir nach der Lockerung des Lockdowns wieder unter die Leute gehen? FreundInnen und Mitarbeitende werden den Eindruck kriegen, dass wir aufgrund des Covid-19 ergraut und um Jahre gealtert seien. Dabei ist dies nur auf die fehlende Anwendung von Haarfärbemitteln zurückzuführen. Auch der ungewohnt unperfekte Haarschnitt könnte auffallen und als Zeichen der persönlichen Vernachlässigung interpretiert werden. Ich sehe schon die negativen individuellen Konsequenzen: Mitleid, Vertrauensverlust, ja, die ungepflegte Erscheinung könnte gar zum Beförderungshindernis werden.

Um solche Probleme müssen sich die kahlköpfigen Entscheidungsträger Berset, Koch, Maurer und wie sie alle heissen, nicht kümmern. Also können sie die strikten Massnahmen ruhig noch verlängern. Unser Vertrauen haben sie. Auch mir fehlt der «Coiffeur»! Neulich habe ich einem Freund die Jassregeln des Coiffeurs erklärt – dessen Bezeichnung eigentlich von «Quoi faire?» stammt – und bin dabei so ins Schwärmen geraten, dass ich wieder gemerkt habe, wie sehr mir der gemeinsame Jass während dieser Selbst-Quarantäne fehlt. Nebst wandern und joggen ist jassen einer meiner Lieblingssportarten. Ich mag es, mit ganz unterschiedlichen Leuten einen Jassabend zu verbringen, denn da geht es um viel mehr als um blosse Spiellust. Ernsthafte SpielerInnen fordern andere mental, strategisch, taktisch und psychisch heraus. Das Spiel lebt vom Können, aber auch von der Dynamik, der Taktik wie auch vom partnerschaftlichen Vertrauen und dem Mut, Risiken einzugehen. Beim Verteilen der Karten werden Gläser nachgefüllt, kurz nach dem Befinden der Familie und des Berufs gefragt und schon steht wieder die Entscheidung der nächsten Spielvariante (Trumpf, oder doch Schieben?) an. Ein Match löst einen Freudenschrei bzw. ein ärgerliches Händeverwerfen aus. Die Punkte werden notiert und man kalkuliert den nächsten Spielgang. Oft ist ein Jass so spannend wie ein toller Film! Ein interessanter, gewagter Anfang, dann der misslungene Part mit dem «Obenabe», neue Erwartungen beim «Slalom» oder schliesslich der Versuch, schadlos der «Misere» zu entkommen. Ein Sieg kommt dem Happy End gleich, wäre da nicht schon die Revanche angesagt! Nun ist uns ja offiziell das gemeinsame Jassen am Tisch durch das vom Bundesrat angeordnete Notrecht untersagt. Der Entscheid trifft uns hart und zwingt uns, neue Wege zu finden. Unsere Tochter hat uns angeboten, gemeinsam einen virtuellen Jass am Computer zu machen. Wir haben eingewilligt und haben einen «Kaltstart» auf www.jassfederal.ch gemacht. Obwohl ich mich nicht als unaffine Userin bezeichnen würde, kann ich dem virtuellen Jass nicht so viel abgewinnen. Da werden nämlich in Nullkommaplötzlich die Karten verteilt. Die SpielerInnen haben 10 Sekunden Zeit zum Ausspielen, sonst sind sie disqualifiziert. Der «Wys» wird automatisch eingeblendet, ebenso das Zwischen- und Endresultat. Kein Mucks ist zu hören, weder ein Raunen, noch ein freudiges Lachen, noch irgendwelche Zwischentöne. Und das Kopfrechnen, mit welchem ich jeweils noch brillieren kann, übernimmt auch noch der Computer. Vor allem aber kann der Computer den «Coiffeur», meinen Lieblingsjass, nicht!

Fazit: der Jassabend vor dem Computer ist keine Alternative! Lieber Bundesrat, bitte lockere möglichst bald die Massnahmen, lass uns arbeiten gehen, schicke die Kinder in die Schule und gönne den JasserInnen wieder ihre Spielabende! Das wäre eine sinnvolle Antwort auf die Frage «Quoi faire?».

In einem vielbeachteten Text hat Zukunftsforscher Matthias Horx vor zwei Wochen auf Journal B eine Welt nach Corona gezeichnet. Zum Zeitpunkt, zu dem ich diesen Text schreibe, wurde der Artikel auf einschlägigen Social Media-Plattformen bereits satte 233-mal geteilt.

Auch wenn mir der Begriff «Re-Gnose» bisher nicht bekannt war – ich liebe Blicke von der Zukunft zurück ins Heute. Denn solche Gedankenspiele sind nicht nur spassig und inspirierend, sondern auch relevant für unser Handeln. «Mit der Zukunft ist es wie mit der Fantasie. Sie ist vorgestellt, erfunden, (noch) nicht real. Sie lässt sich nicht fassen, aber formen. Und zwar jetzt. Wie wir jetzt leben, prägt das Morgen», um ein heiter zukunftsorientiertes Berner Kulturhaus zu zitieren.  

Dass Zukunftsgedanken oder Re-Gnosen, um den Begriff hier aufzunehmen, gerade für das Handeln im hier und jetzt von Bedeutung sind, geht bei Horx aber gleich mal kräftig verloren. Die Zukunft scheint einfach zu passieren, und wenn sie dann da ist, sind wir alle überrascht und wundern uns, wie toll wir aus der Krise rausgeglitten sind. Dabei gilt es, die Zukunft zu gestalten und grad jetzt müssen und dürfen wir an der Zukunft nach der kollektiven Isolierung arbeiten.

Denn diese Isolierung hats in sich – vielleicht nicht für privilegierte Menschen wie mich, dessen WG-Gspändli jeweils acht Brote vom Einkauf heimbringen, wohl auch nicht für privilegierte Menschen wie Matthias Horx, der sich erleichtert fühlt, dass das «viele Reden und Kommunizieren auf Multikanälen zu einem Halt» kommt – sondern für diejenigen, denen der Lockdown ein wohltuendes Umfeld nimmt, die hinten anstehen oder halt runterfallen.

Die Geschichten aus meinem Umfeld, die mich in dieser Zeit beschäftigen, drehen sich weder um Tele- und Videokonferenzen, noch um das Internet-Teaching der Zukunft («Kulturtechniken des Digitalen» am Arsch!). Sondern um «verblassende Lichter am Ende des Tunnels», Medikamentenpackungen, Angst vor einem Spitalbesuch ohne Ausweis und Sich-eingesperrt-Fühlen, weil man nicht wohnt, sondern untergebracht ist.

Bezeichnenderweise ist die SVP die erste laute politische Stimme, welche sich medienwirksam aus dem tröstenden Mantra der prognostizierten Infizierten-Raten, BAG-Weisungen und eines kaum hinterfragten Solidaritätsbegriffes löst. Schade wärs, wenn die Linke diesen historischen Moment des Stillstandes, des kollektiven Hinterfragens und Neubeginns verpassen würde. Zeichnet doch mal eure eigenen Re-Gnosen! Wie wollen wir gelebt haben? Träumen erlaubt. Und gemeinsam daran arbeiten auch. Vielleicht vermag dann eine solche Zukunft tatsächlich noch zu überraschen.

Den Zeitungen fehlen Inserate. Da die Geschäfte geschlossen, Reisen verboten und Veranstaltungen abgesagt sind, will auch niemand mehr dafür Inserate schalten. Jetzt fordern die Zeitungsverlage, dass der Bund ihnen finanziell unter die Arme greift. Einige Verlage haben auch bereits Kurzarbeit angeordnet.

Diese Forderungen müssen zu denken geben. Denn eigentlich ist die Arbeitssituation der Zeitungsredaktionen ja trotz Corona-Vorschriften gar nicht so schlecht: Journalistinnen und Journalisten können relativ einfach von zu Hause aus arbeiten, bei den Redaktionsarbeiten können Hygiene- und Abstandsregeln gut eingehalten werden, und die Druck- und Verpackungsprozesse sind ohnehin weitgehend automatisiert. Auch die Nachfrage ist vorhanden: In komplizierten Zeiten ist der Bedarf nach aktuellen Nachrichten und Hintergrundinformationen erfahrungsgemäss besonders hoch.

Wenn sich die Zeitungsverlage trotz dieser durchaus günstigen Ausgangslage in Schwierigkeiten befinden, so aus dem einfachen Grund, dass ihr Geschäft eben gar nicht der Vertrieb redaktioneller Inhalte ist, sondern die Verbreitung von Werbung. Nicht die Information der Öffentlichkeit und der Meinungsaustausch treiben die gedruckte Presse an, sondern der Verkauf von Werbeflächen. Das gilt natürlich ganz besonders für Gratiszeitungen wie «20 Minuten». Aber auch bei den bezahlten Zeitungen machen die Einnahmen aus Abonnements und Einzelverkauf nur einen relativ kleinen Teil des Gesamtertrages aus.

Das ist zwar alles andere als eine neue Erkenntnis, aber es zeigt, dass die aktuelle Krise der Zeitungen eigentlich nur wenig mit dem Coronavirus zu tun hat. Die Inserate sind nämlich schon vor Ausbruch der Krise in grossem Stil weggebrochen. Die Verbote von Reisen und Veranstaltungen haben nur einen ohnehin laufenden Prozess verstärkt.

Der Grund dafür ist einfach: Die Verbreitung von Werbung ist im Internet sehr viel rascher, sehr viel gezielter und sehr viel billiger möglich als über gedruckte Zeitungen. Dank hochdifferenzierten Personendaten kann die Werbung direkt, immer im besten Zeitpunkt und ohne Streuverlust an das anvisierte Publikum gebracht werden. Mit einer solchen Zielgenauigkeit mithalten können allenfalls noch Fachzeitschriften oder Special-interest-Magazine. Diese sind vom Inserateeinbruch denn auch sehr viel weniger betroffen. Demgegenüber stehen Tageszeitungen mit ihrem wenig homogenen Massenpublikum auf verlorenem Posten. Ihr Geschäftsmodell, die Verbreitung von Information über die Verbreitung von Werbung zu finanzieren, ist schlicht überholt.

Angesichts dieser Situation stellt sich die Frage, ob es irgendeinen Sinn macht, Bundesgelder in dieses überholte Geschäftsmodell zu investieren. Natürlich sind Medien wichtig für die Bildung einer öffentlichen Meinung. In dieser Aufgabe sollen sie auch unterstützt werden. Dabei darf aber die Form, in welcher diese Inhalte verbreitet werden, keine Rolle spielen. Informationen und Meinungen können sowohl über bedrucktes Papier, über Radio und Fernsehen als auch in Online-Medien verbreitet werden. Auch die Konsumentinnen und Konsumenten bewegen sich längst auf allen diesen Ebenen. Auf welchem Wege zur öffentlichen Meinung beigetragen wird, kann daher nicht mehr ausschlaggebend sein.

Wer den öffentlichen Austausch von Informationen und Meinungen fördern will, muss folglich nicht «die Presse» unterstützen, sondern dafür sorgen, dass Private entsprechende Inhalte bereitstellen. Ob sie das über Zeitungen, über Radio oder Fernsehen oder über Online-Medien tun, darf keine Rolle spielen.

Unterstützt werden muss nicht der Versand von Papier, sondern die Verbreitung von Inhalten. So geschieht dies heute schon bei der Finanzierung von privaten Radio- und Fernsehprogrammen. Das Modell kann problemlos auf alle übrigen Medien übertragen werden.

Zwei Bemerkungen zum Schluss:

1. Der «Tages-Anzeiger», «20 Minuten» und diverse andere Zeitungen, für die jetzt Kurzarbeit angeordnet wurde, gehören zur TX Group AG. Auch «Der Bund» und die «Berner Zeitung» gehören dazu. Die TX Group AG erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von knapp 100 Mio. Fr. Morgen führt sie in Zürich ihre Generalversammlung durch. Der Verwaltungsrat beantragt die Ausschüttung einer Dividende von 3.50 Fr. pro Aktie, das entspricht einer Gesamtausschüttung von rund 35 Mio. Fr. So schlecht laufen die Geschäfte offenbar doch nicht.

2. Die Beiträge von «Journal B» zur öffentlichen Meinungsbildung sind nicht hinter einer Paywall versteckt, sondern frei im Internet abrufbar. Finanziert werden sie ausschliesslich durch freiwillige Beiträge der Mitglieder des Trägervereins. Ein Anmeldeformular finden Sie oben rechts auf dieser Internetseite. Auch das ist ein Beitrag zur Medienförderung.

Zwischendurch hört man die Einschätzung: «Die Krise macht uns alle gleicher». Ich fürchte das Gegenteil ist der Fall. Sicher, die Krankheit ist für alle gleich. Zudem gibt es die gelebte, eindrückliche Erfahrung von Solidarität und das Gefühl, alle sitzen im gleichen Boot. Aber die Auswirkungen der ergriffenen und ausgebliebenen Massnahmen, die Folgen für Wirtschaft und Politik – alles deutet in die andere Richtung.

Es ist in Berns Gassen sichtbar, jede und jeder von uns ist entweder direkt betroffen oder weiss von Bekannten: Die Verunsicherung über die direkten und die indirekten Folgen der Ladenschliessungen und des Veranstaltungsverbots ist riesig und trifft viele Menschen mit bescheidenem Einkommen und mit oft unsicheren Arbeitsperspektiven. Was von den 42 Milliarden – die dringend und wichtig sind –  für Selbständige und kleine Unternehmen vorgesehen ist, wird für viele nicht reichen. Die Beiträge sind zu klein und als rückzahlbare Kredite ausgelegt: «Aufruf zur Massenverschuldung» nennt Nationalrätin Jacqueline Badran dies. Viele weitere werden von den Massnahmen gar nichts sehen, weil sie «nur» indirekt aber genauso stark vom Ausfall der Einnahmen betroffen sind. Zudem sind Mieten weiterhin geschuldet. Nicht zu reden von der Situation derjenigen, die jetzt schon in schwierigen Lebenssituationen stecken. Prekäre Familiensysteme geraten an ihre Belastungsgrenzen etwa bei der Unterstützung von Angehörigen mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen, oder durch die eingeschränkten Möglichkeiten, die Kinder bei geschlossenen Schulen zuhause zu unterstützen. Immerhin – wenn Lösungen kommen, entstehen sie wie meist von unten, aus gelebter Solidarität und auf der Ebene der Stadt oder Gemeinde.

Kredite und Kurzarbeitsentschädigung kommen hingegen grösseren Unternehmen zugute, selbst wenn sie weiter Milliarden an Dividenden auszahlen. Sie sollten lediglich etwas zurückhaltend sein, hat der Bund sie gebeten. Auch Bonusprogramme werden nicht angetastet. Bei den Banken ist offen, wie weit sie gleich ihre schlechten Risiken und damit sich selbst sanieren. Es kursieren Tipps in der Finanz- und Börsenwelt für die späteren Gewinner und es laufen Wetten darauf, welche Firmen schliessen werden. Letztes lässt sich mit geschickter Aktienpolitik sogar befördern, was eigentlich längst verboten sein sollte

Damit nicht genug: Der Bund wird kaum in der Lage sein, ein nachhaltiges Konjunkturprogramm aufzulegen, wenn die Nachfrage weiter ausbleibt. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, ebenso der Druck auf die 2. Säule mit weiteren Rentenkürzungen. Sind die Milliarden des Bundes erst ausgegeben, wird der Bund „dank“ der Schuldenbremse neue Sparprogramme durchführen, und diese betreffen wohl – genau – Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich.

Mehr vom Gleichen

Geraten Politik und Behörden unter Druck einer so dramatischen Wirtschaftskrise, dann reagieren sie wie die meisten Menschen und Institutionen: Mit dem Rückgriff auf die bekannten Rezepte. Und diese stammen in der Schweiz seit Jahrzehnten aus derselben neoliberalen Küche. Mehr vom Gleichen – das ist die Devise. Der Bund greift auf die Massnahmen der Finanzkrise 2008 zurück: Milliarden-Kredite, mit welchen er damals Grosskonzerne gerettet hat. Konjunkturprogramme sind nicht vorgesehen, das Bundesamt für Konjunkturfragen wurde vor zwanzig Jahren abgeschafft. Ein Verbot von Wetten auf Firmenschliessungen oder die Einschränkung oder zumindest Besteuerung von Kapitalbewegungen ist nicht vorgesehen – das stand auf der Agenda und wurde nie umgesetzt. Selbst das Verteilen von Geld – «Helikoptergeld» – das ultimative neoliberale Rezept aus den 30er Jahren und vom Hedgefonds Black Rock mit dem Schweizer Philipp Hildebrand schon vor Monaten gefordert, wird jetzt offenbar nicht nur in Singapur, sondern auch in den USA grossflächig angewandt.

Das gleiche Muster befürchtet der Klimaexperte Martin Grosjean bei der Klimapolitik, dass sich nämlich, je länger die Krise dauert, desto eher die alten Rezepte durchsetzen: Wenn Geld fehlt, Öl billig ist und schnelle Resultate nötig sind, dann wird die bisherige Wirtschaft wieder aufgebaut, statt den Weg zu einem nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft weiter zu gehen.  Die zeitweise ausgefallenen Flüge sind da nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Das Verhalten der Schweiz in der Wirtschaftskrise der 30er Jahren war übrigens nicht anders. Es brauchte schon den unvergleichlichen Kraftakt eines Roosevelts, um in den USA nach gewonnener Präsidentschaftswahl und vier Jahre nach dem Börsencrash von 1929 mit dem New Deal eine völlig andere Krisenbekämpfung auf die Reihe zu kriegen. Die Weltwirtschaftskrise ist denn auch die einzige, welche eine vorübergehende Abnahme der Ungleichheit zur Folge hatte. Neuere Untersuchungen zeigen, dass alle vorherigen und nachfolgenden Wirtschaftskrisen die Ungleichheit verstärkt hatten, eingeschlossen der Börsencrash 1987, die Dotcomblase 2000 oder die Finanzkrise 2008. Die Konzepte, das Wissen und die Menschen, die für einen anderen Weg einstehen, sind auch heute vorhanden. Aber es braucht viel Mut und Engagement, denn von allein wird nichts gehen, das ist eine der bitteren Lehren aus der Finanzkrise 2008.

Medienkonferenzen des Bundesrats, stets mit mehreren Mitgliedern der Regierung, finden jetzt zweimal wöchentlich statt. Ständiges Thema: Covid-19. Gängiges Ritual: Allgemeines zum Stand der Pandemie in der Schweiz, Orientierung über neue Beschlüsse, abschliessende Ermahnung zu Disziplin und Solidarität: «Es kommt auf alle an». Dann Eröffnung der Fragerunde durch den Vizekanzler. Journalistinnen und Journalisten stellen Fragen, bis das Bedürfnis versiegt.

Das Setting ist immer dasselbe: Die Mitglieder des Bundesrats sitzen auf der Empore mit Blick zu den Medienleuten. Chefbeamte der einschlägigen Departemente nehmen unten im Saal Platz, sie sehen zum Bundesrat auf, haben die Reihen der Journalistinnen und Journalisten im Rücken, können sie also nicht sehen. Die Ordnung ist klar: Bundesrat und Medienvertreter sitzen sich gegenüber, «auf Augenhöhe» zumindest räumlich. Der Platz der Verwaltungsleute ist unter und zwischen den beiden Gruppen, beengt, mit Blickkontakt nur zu einer Seite, zu ihren Vorgesetzten.

Fragt eine Journalistin, richtet sie sich an eine Bundesrätin oder einen Bundesrat, sieht sie oder ihn an – und der oder die Antwortende wendet der Fragenden das Gesicht zu. Was auffällt: Die Antworten nehmen in der Regel die Frage ernst, ergründen deren Gehalt, sind substantiell und nicht selten länglich, auf sachliche Information ebenso bedacht wie aufs Überzeugen wollen. Angesichts des Themas fallen die bundesrätlichen Ausführungen meist ernst aus, bedacht, meist empathisch; nur selten – etwa bei Alain Berset oder Ueli Maurer – ein ironischer Ton, ein Scherz, eine harmlose Grobheit. 

Es ist wie im Säli einer Wirtschaft auf dem Land bei einer wohltemperierten Abstimmungs- oder Wahlveranstaltung: Man nimmt sich ernst, man will überzeugen, beziehungsweise überzeugt werden. Noch die abwegigsten Fragen stossen auf fast unlimitierte Bereitschaft zu antworten. Hier die Gewählten, da die Wählenden hat man den Eindruck. Vor dem Gewicht der Stimme des demokratischen Fussvolks bzw. seiner Medienvertreter schrumpft der Rangunterschied. Wer zum Pathos neigt, könnte meinen, hier zeige sich direkte Demokratie in Reinkultur: «Was alle angeht, können nur alle lösen» (Dürrenmatt).

Anders die Antworten der Beamtenschaft, die selten direkt angesprochen wird, meistens von ihrer Chefin oder ihrem Chef, «zum Ergänzen» anhebt. Ihre Aussagen wirken – mit Ausnahme derer von Daniel Koch – weniger bezogen auf die Fragenden, hölzerner, blutleerer. Anstatt zu vertiefen, zu detaillieren, zu veranschaulichen bleiben die Ausführungen Statements, allgemeingültig, nicht auf die Adressaten bezogen, in jener scheinbar leidenschaftslosen Sachlichkeit, die man auch eunuchisch nennen könnte. Auf der Strecke bleibt der Bezug zum wirklichen Leben, zu den konkreten Umständen, zu den schwierigen Problemen, von denen dich die Beamtinnen und Beamten so viel mehr zu berichten hätten als ihre Chefinnen und Chefs. So entsteht zuweilen der Eindruck der Abstraktion, der Arroganz, ja der Gelangweiltheit.

Weshalb ist das so? Warum wirken die «Höheren» offen, lernfähig, selbstkritisch und authentisch – anders als die «Unteren»? Vielleicht sind sie vom Rede-und-Antwort-stehen in Kommissionen und im Parlament, von Auftritten in Abstimmungskämpfen oder an der «Arena» einfach geübter. Vielleicht sind sie, die im Leben einige Volkswahlen zu bestehen hatten, in gewisser Weise bescheidener geworden. Während die Beamtinnen und Beamten, durch den Bundesrat gewählt und ohne Bewährung in Versammlungen und Gremien ins Amt gekommen, derlei nicht kennen.

Und die Journalistinnen und Journalisten, die Dritten im Bunde dieses neuen Rituals? Sie sitzen den Bundesrätinnen und Bundesräten gegenüber wie Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung. Sie stellen Fragen, wichtige und entbehrliche, stellvertretend für uns alle, die selbst nicht zu Wort kommen, aber Medien lesen. Es entwickelt sich ein Dialog, nur im Ansatz zwar, aber immerhin. Der Anflug einer demokratischen Begleitung, einer kritischen Befragung der Landesregierung, die derzeit ungewöhnliche Macht ausüben soll und darf.

Am Anfang fühlte es sich so an, wie damals in der Schule, als der Lehrer nach dem zweiten Klingeln noch immer nicht im Klassenzimmer stand und die Schulleiterin ein paar Minuten später die stille Hoffnung, er habe sich vielleicht was eingefangen und Mathe falle deshalb aus, mit sanfter Hand in die Realität stiess. Plötzlich lösen sich Pflichten in Nichts auf, Sekunden, Minuten und Stunden fallen wie Münzen aus einem Spielautomaten in die hohle Hand. Corona ist doch kein Übel, dachte ich. Jedenfalls für mich nicht, dessen Privilegien derzeit ihre volle Schutzwirkung entfalten. Ich vertreibe mir die Zeit damit, im neu bezogenen Haus den Garten zu kehren und mich in die Sicherheit einer Home-Office-Stelle zu wiegen im Wissen, dass meine zweite Stelle trotz temporärer Schlissung des Betriebs weiterhin zahlt.

Aber dann habe ich gestern schlecht geschlafen. Erst war ich müden, dann dünnhäutig, dann wütend. Das Gute an der Wut ist, dass sie einen schützt, indem sie Ursachen externalisiert. Plötzlich konnte ich mich ohne Anstrengung ab sämtlicher Corona-Berichterstattung aufregen, ab den knallroten BAG-Plakaten, den Influencer*innen, die ihre Hände-wasch-Videos mit dem Hashtag «#stayhome» unterlegen, ab den gefühlt stündlich stattfindenden Pressekonferenzen, ab den Menschen, die mir sagen, die Massnahmen würden «sicher verlängert», ab den Abstandsstreifen vor dem Coop und selbst ab denen, die sich über all das lustig machen, weil: Rire c’est bon pour la santé, oder?

Mittlerweile sind sowohl Müdigkeit als auch Wut gewichen. Nicht zuletzt, weil mich mein Anstand eingeholt und dazu angehalten hat, etwas mehr Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. Immerhin ist Corona für einige Menschen eine echte Bedrohung. Nicht nur für die Risikogruppe, sondern auch für jene, die kein Corona haben, aber eines der wenigen Betten auf den Intensivstationen brauchen. Und wenn DJ Antoine das Leben in der Isolation mit einem Wohnzimmerkonzert auf Blick.ch für einige ein wenig erträglicher macht, muss ich das wohl aushalten.

Etwas ist mir aber geblieben von meinem Ausbruch: Ich habe Abstand von den harschen Massnahmen der Behörden und den Forderungen nach noch härterem Durchgreifen gewonnen. Ich schäme mich nicht mehr zu sagen, dass mir die ganze Sache mächtig auf den Zeiger geht – ohne sie aber falsch zu finden. Ich möchte diese Einstellung sogar weiterempfehlen, denn sie scheint mir die einzig richtige zu sein. Man muss die Massnahmen des Bundes nicht gut finden. Man sollte sie auch nicht gut finden, sondern allenfalls notwendig. Gerade in Anbetracht der massiven Grundrechtseinschränkungen und der extrem ausserordentlichen Situation, dass von jetzt auf gleich sieben indirekt gewählte Menschen die Geschicke eines ganzen Landes lenken, wäre kollektive Skepsis eine gute Reaktion. Selbst, wenn sich alle behördlichen Massnahmen als verhältnismässig herausstellen, muss unbedingt und wiederholt darauf hingewiesen werden, dass dieser Weg der Repression bei der allerersten Abzweigungsmöglichkeit wieder neu verhandelt werden muss.

Tag elf in der Quarantäne sei der schwierigste, hat mir kürzlich irgendwer zugeraunt und was von ominösen «Studien» dazu gebrummelt. So als sollte ich gewarnt werden, vor dem was heute auf mich wartet. Ich konsultiere den Kalender, zähle nach, ertappe mein Herz wie es einen kleinen verzögerten Hüpfer nach vorn macht, als ich bei elf angelangt bin. Heute. So schlecht fühlt sich dieser schwierigste Tag ehrlich gesagt nicht an, auch nach knapp einem Dutzend Tag-Nacht-Wenden ist die ganze Szenerie für mich noch kaum greifbar. Voraussichtlich wird sie diesen diffusen Charakter behalten.

Meine privilegierte Lage, die sich bei allem Schwermut über vermeintliche Eingeschränktheit nicht wegdiskutieren lässt, bringt das so mit sich. Sorgen machen mir höchstens die Blicke der umstehenden, schön distanzierten Migros-Besucher*innen, wenn ich alle zwei Tage einen Einkaufswagen mit Nahrungsmitteln überladen unter leisem Ächzen zur Self-Checkout-Kasse stosse. Acht hungrige Menschen zuhause, die sich 24 Stunden pro Tag aus dem Kühlschrank und den Küchenschränken ernähren, kommen mir mittlerweile vor wie eine Horde Wölfe in freier Wildbahn, die sich auf einen reservenzehrenden Winter vorbereiten müssen. Die acht Brote, die ich nach Hause bringe, haben also nichts mit Hamstereinkäufen zu tun, sondern sind eine Notwendigkeit um den sozialen Frieden in den eigenen vier Wänden zu wahren.

Die eigene seelische Unversehrtheit wurde dafür gestern jäh gestört, als ich blauäugig aus der naiven Lust an Unterhaltung heraus diesen unschuldig wirkenden Link öffnete: https://www.youtube.com/watch?v=UqTHybiuk9I An dieser Stelle sei gewarnt, dass sich hinter der kryptischen Buchstabenkombination eine Fussballmannschaft verbirgt, die mit dem Pathos der drohenden Apokalypse John Lennons «Imagine» durch den Dreck zieht. In mir sträubte es sich während der Darbietung, doch die Faszination für das Ungeheure liess mich die drei Minuten durchstehen. Ane Hebeisen hatte zwar kürzlich schon davor gewarnt, dabei aber vergessen, dass der Kreativstau auch vermeintlich einfach gestrickte Wesen wie Profifussballer dazu verleiten kann, sich ohne jedes Anzeichen von Selbsthintersinnung musikalisch zu betätigen.

Vielleicht steckt hinter dem unverhofften Lebenszeichen ja  nur der Drang, nicht in Vergessenheit zu geraten, wenn plötzlich alle von Solidarität faseln, der Selbstverwirklichung hinterherjagen und dabei die Abwesenheit des live übertragenen Rasenschachs kaum bemerken. Wer aktuell vergessen geht oder nicht gesehen wird, den oder die trifft es besonders hart. Wir richten den mentalen Scheinwerfer der Aufmerksamkeit auf gefährdete Altersgruppen, auf Menschen im Gesundheitsbereich, die SVP unterstreicht die Gefahren für Konzerne, die Kulturszene zeigt mit beiden Händen auf konkursgefährdete Konzertlokale und perspektivlose Künstler*innen.

Doch wer keine Lobbygruppe und Öffentlichkeitsarbeit hat, steht momentan mehr im Schatten als zuvor. Wo sind die Menschen hin, die mich täglich hier im Bahnhofperimeter nach Münz fragen, überlege ich mir, während ich das erste Mal seit vielen Tagen wieder an der Heiliggeistkirche vorbeispaziere. Wer sind die Menschen, die vergessen werden könnten und die jetzt dringender denn je drauf angewiesen sind, dass wir an sie denken? Sich physisch einzuschliessen heisst nicht, sich geistig einzuengen. Briefe schreiben gegen Einsamkeit wäre deshalb schon mal was. Schön, dass Menschen aus der Heitere Fahne dafür etwa das Büro der Brieffreundschaften eingerichtet haben. Oder auch mal Merci sagen ist angebracht, all den Menschen, die jetzt erst recht versuchen, für andere da zu sein, wie zum Beispiel die Gassenarbeit Bern. Ganz ohne milliardenschwere Hilfspakete.

 

Weiterlesen, jetzt:

https://daslamm.ch/corona-bundesbern-scheint-viele-lebenswelten-schlichtweg-nicht-auf-dem-schirm-zu-haben

https://www.megafon.ch/globale-monarchie/?artikel=Lass%20mal%20gemeinsam%20%C2%ABcurve-flattenen%C2%BB

 

Schätze

von Christoph Reichenau 26. März 2020

Jetzt haben wir Alten Zeit in Fülle, manchmal fast zu viel. Was im Haushalt zu tun ist, ist einmal getan. Auch der Spaziergang, der Ausflug mit dem Velo oder ein Joggingversuch dauern nicht ewig. Kontaktpflege per Mail, am Telefon, via Skype, alles hat seine Zeit.

Es bleiben Schätze. Ein Schatz ist die Erinnerung oder besser: Der Blick in die Schweizergeschichte. Er zeigt auch bei oberflächlicher Wahrnehmung wie viel besser wir es heute in der Corona-Krise haben als die Menschen in unserem Land damals 1918, als am Ende des Ersten Weltkriegs die Spanische Grippe grassierte mit tausenden von Toten, viele davon junge, kräftige Männer. Oder während des Zweiten Weltkriegs zur Zeit der Mobilmachung, als Lebensmittel rationiert, die «Anbauschlacht» geschlagen, Verdunkelung befohlen und in der Nacht eine Quasi-Ausgangssperre galt. Wie anders heute: Kein Mangel an Lebensmitteln und allem, was man täglich braucht, keine Angst vor einem Feind von aussen, vor Gewalt, Zerstörung, Kälte.

Im gegenwärtigen Aushaltenmüssen des Ausnahmezustands sind wir privilegiert, bestens informiert, unterstützt von zahlreichen Hilfsangeboten, können uns gefahrlos draussen bewegen mit Mass und Abstand. Auch wenn uns gelegentlich die Decke auf den Kopf zu fallen scheint: Bleiben wir realistisch – uns geht es gut. Wenn wir nicht für ein paar Wochen etwas vom vermeintlichen Recht auf das abgeben, was wir pathetisch Freiheit nennen (und was in vielen Fällen Egoismus und Selbstverwirklichung ist), dann haben wir nicht begriffen, wie es in der Welt zugeht.

Ein anderer Schatz ist der Zugang zu Kunst und Kultur. Musik hören am Radio, ab der CD, im Internet. Bücher lesen. Filme anschauen am Fernseher oder am Laptop. Auch wenn die Kinos, Theater, Tanzorte, Museen, Konzertlokale, Galerien und so weiter geschlossen sind, was ich für sie und das Publikum äusserst bedaure – wir sind nicht ohne Kunst. Ein Buch zu lesen, war schon immer eine intime Angelegenheit. Musik hören kann man bestens allein. Viele Bilder und andere Kunstwerke sind über die Websites von Museen zugänglich. Das Museum für Kommunikation ermöglicht jeweils von Dienstag bis Freitag um 13:30 Uhr virtuelle Einblicke. Nicht ausgehen zu können bedeutet nicht, von Kunst und Kultur abgeschnitten zu sein. Es erfordert und erlaubt vielmehr neue Konzentration darauf, virtuell in der Form, real im Erleben.

Natürlich ist dieser Zustand katastrophal für die Kunst- und Kulturorte jeder Art, deren Einnahmen wegbrechen, und noch viel mehr für die Kunst- und Kulturschaffenden, die nicht arbeiten und auftreten können und also nichts verdienen. Am schlimmsten trifft es die Selbständigerwerbenden in jeglicher Sparte. Hilfe ist beschlossen und demnächst real – das heisst in Franken und Rappen – verfügbar, doch gerade im Kulturbereich ist sie bürokratisch organisiert. Und auch die Unterstützung hier und heute befreit die Betroffenen nicht von der Sorge, wie es in Zukunft sein wird, wenn wir aus dem Tunnel wieder ins Freie gelangen: Wollen die Leute meine Darbietung noch erleben, meine Werke sehen, meine Überlegungen anhören?

Wer bin ich, wenn die Welt neu zu sich kommt? Oder kommt sie eben jetzt im Ausnahmezustand zu sich? Und ist am Ende des Tunnels nicht alles wie es vorher war, sondern neu wie es jetzt ist – und bleiben wird? Zumindest teilweise?

Noch keine zehn Tage Quarantäne und schon fühlt sich einiges an wie aus einer anderen Zeit. TV-Werbung mit sorglos plaudernden Menschen in sommerlichen Gärten, an Pools und Grills, die sich umarmen, tanzen, grillieren, Bier trinken. Ein Gesundheitsmagazin, das den «Generationenpakt» preist mit den Worten «Warum junge und alte Menschen gesünder und länger leben, wenn sie sich zusammentun».

Nix «zusammentun»: jeder für sich und möglichst in den eigenen vier Wänden. Bei mir sind langsam die hintersten Ecken staubfrei, die obersten Regale sauber und sogar mein Büro, das ich seit Monaten aufräumen wollte, ist endlich aufgeräumt. Ja, sogar die längst abgelaufenen Konserven sind verwertet.

Die Agenda ist leergefegt, mit einer Ausnahme. Ein Arzttermin. Welch ein Glück! Denn das heisst: Lizenz zum Ausbrechen. Und weil der ÖV tabu ist, komme ich sogar zu einem behördlich tolerierten Spaziergang durch die die Stadt. Es ist allerdings kein genussvolles Flanieren. Unter den Lauben keine Menschenseele, leere Restaurants, geschlossene Läden und Schaufenster, die nicht wirklich locken. Frühlingsmode, warum auch? Zum Hausputz tun es die ältesten Jeans, das verwaschene T-Shirt. Esswaren bestellt man unterdessen im Internet…

Es könnte ganz schön trist sein, wenn da nicht dieses eine Schaufenster in der Altstadt wäre. Ich muss zweimal hinsehen, aber da steht wirklich – in einer Zeitung aus dem Jahre 1923: «Warum wählen so viele Corona?». Und obwohl der Satz im Moment so unpassend scheint wie ein Prospekt mit Osterreisen in den Süden, muss ich schmunzeln. Corona ist kein königlicher Name mehr für eine Schreibmaschine, es ist ein Schreckgespengst. Ein Wort hat seine Unschuld verloren. Bittersüsse Ironie. Und doch ….

Dass es in Krisenzeiten Leute gibt, die dem Alltag augenzwinkernd die Schwere nehmen, fasziniert und beglückt mich. Danke, ihr Hofnarren und Witzbolde! Es braucht euch mehr denn je.

 

Ich sitze zuhause und versuche einzuordnen was gerade passiert. Dabei konzentriere ich mich auf die Wirtschaft, von Gesundheitsfragen verstehe ich noch viel weniger. Aber eigentlich sitze ich nur vor einer völlig chaotischen Ansammlung von Links, Notizen und Zeitungsauschnitten. Besonders in ausserordentlichen Situationen hilft mir allerdings schon das Sammeln, oder es beruhigt wenigstens. Ich könnte später all das in Ruhe nachlesen, was in der Realität viel zu schnell abläuft. Ich habe solche Sammlungen bis zurück in die 70er Jahre, darum weiss ich jedoch, dass ich nie alles lesen werde.

Für die aktuelle dramatische Wirtschaftskrise finde ich schwer Erfahrungswerte. Und doch kommt die Situation nicht unerwartet und nicht allein wegen dem Virus. Meine  Anknüpfungspunkte gehen zurück bis in die 1980er Jahre.

Ein Weltkongress in Bern

Der Weltkongress der Wirtschaftshistorikerinnen und – historiker tagte 1986 in Bern im Casino und kam zum Schluss: Die Laissez-faire Politik der 20er Jahre wurde beim grossen Crash von 1929 durch ein System ersetzt, in welchem der Staat eine wesentlich aktivere Rolle spielte. Doch in den 1980er Jahren begann eine neue Welle von  Deregulierung, Staatsabbau und Liberalisierung der Kapitalmärkte. Der Kongress warnte deshalb vor der Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise: „it can happen again“. Doch niemand wollte das hören, auch beim Crash 1987 nicht, im Gegenteil wurden seither fast alle Lehrstühle in Wirtschaftsgeschichte aufgehoben und das Bundesamt für Konjunkturfragen auch gleich aufgelöst. Die Zeit gehörte den neuen Finanzjongleuren, in der Schweiz den Werner K. Reys, Ebners, Blochers. Nach der Finanzkrise 2008 meinte ein gewisser Nationalrat Schneider-Amman: „Egoismus und Geldgier führen in die Katastrophe. Jetzt sind wir da“, und CVP-Nationalrat Edgar Oehler: „Die Realwirtschaft ist in Geiselhaft der Finanzwirtschaft und ihrer Habgier geraten“. Zwar hat der Bund damals 60 Milliarden zur Rettung der UBS aufgewendet, aber weiter nichts unternommen, um die Realwirtschaft aus der Geiselhaft zu befreien. Bei den Aktienkursen ging es weiter aufwärts, bei Steuern, sozialer Sicherheit und Gesundheitswesen sowie Staatsausgaben abwärts. Vor drei Jahren schrieben selbst Ökonomen des Internationalen Währungsfonds, die Kürzung von Sozialausgaben und die freien Kapitalmärkte seien nicht die Heilsbringer für Wachstum. Anfang 2020 hat dann auch Kristalina Georgieva, die neue Chefin des IWF, eindringlich für ein Umdenken plädiert.

Sorglosigkeit

Am 15. Januar 2020 führten wir im Polit-Forum Bern eine Veranstaltung mit der Nationalbank zu den Negativzinsen durch, den „fünfjährigen Ausnahmezustand“, wie die NZZ das nannte. Doch niemand interessierte sich für diese Zusammenhänge. Auch zwei der übrig gebliebenen Konjunkturbeobachter des Bundes gaben sich beim Apero unbesorgt. Als ich daraufhin beschloss eine Veranstaltung zu Börsensturz und Wirtschaftskrise zu planen, scheiterte ich schon mit der ersten Anfrage bei einem Moderator: Ob ich nicht etwas übertreibe?

Die Geldpolitik hatte in den letzten Jahrzehnten vieles ausgebügelt – zuletzt die Probleme aber auch verschärft. Die ungebremst steigenden Aktienkurse hatten den Blick auf die vielen prekären Arbeitsverhältnisse, die schwindenden Möglichkeiten öffentlicher Einrichtungen und die Verletzlichkeit des Wirtschaftssystems vernebelt. Schliesslich wurde das sogar der NZZ nicht mehr geheuer und sie beschrieb am 17. Februar 2020 eine noch nie gesehene, völlig verrückte Marktsituation. Aber noch am 10. März führten die meisten Wirtschaftsbeobachter den Absturz der Börsen auf den Preiskrieg ums Erdöl zurück.

Weichen werden gestellt

Nun, wo die Geldpolitik kaum mehr helfen kann, sind die 42 Milliarden Franken, welche der Bund bereitstellen will, absolut zentral zur Sicherung der Löhne und der Unternehmen in der nächsten Zeit. Doch was kommt danach? Jetzt werden die Weichen gestellt, und die Gefahr besteht, dass Bund und Politik einfach mehr von den  Rezepten der letzten Jahre anwenden. Die Schuldenbremse wird nicht aufgehoben: Der Bund wird seine Milliarden wieder einsparen wollen, womit ein weiterer Sozialabbau droht. Die Banken vergeben rückzahlungspflichtige Kredite mit Zinsen. Die Kapitalmärkte sind frei, während die Grenzen für Menschen zu sind, welche Rolle werden sie spielen? Und weil die Krise sowohl auf der Angebots- wie der Nachfrageseite stattfindet, wird mit der Sicherung der Löhne und Unternehmen allein die Nachfrage nicht zurückkommen. Was es mittelfristig braucht und eigentlich in der Schublade sein sollte, ist ein Programm zum Umbau der Wirtschaft. Was es vorher schon gebraucht hätte: Die Reform des Wirtschafts- und Finanzsystems. Solche Ansätze müssen nun dringender und umfassender als bei der Finanzkrise von der Gesellschaft in die Politik getragen und eingefordert werden.

Was mir in diesen Tagen zuhause neben dem Sammeln von Notizen auch hilft, ist Blumen giessen. Mein Nachbar ennet dem Gartenhag, der aus der Finanzbranche kommt, kennt meine Sorgen nicht. Er geht davon aus, dass Bund und Nationalbank die Sache schon richten werden und Anfang Juni alles überstanden ist. Ich weiss nicht, ob mich das wirklich beruhigt,

Liebe u65-Generationen
Liebe Kinder, Jugendliche, Auszubildende, Arbeitende und unverschuldet Arbeitslose,
Behördenmitglieder und Verantwortliche

 

wenn ich bereits in der Anrede und auch im folgenden Brief auf die gewohnte und angebrachte Höflichkeitsform verzichte und mich statt dessen in «vertraulichem» Ton an Euch wende, nehmt es nicht als mangelnden Anstand, sondern als Zeichen des aufrichtigen Beeindruckt- und Berührt-Seins und einer zutiefst verspürten Verbundenheit.

Es geht um das, was in öffentlichen Verlautbarungen dieser Tage, in Communiqués und Kommentaren, soweit ich sie hörend oder lesend vernehme, schlicht fehlt, vergessen oder zumindest verschwiegen wird und dabei dringend auszusprechen wäre – dies wenigstens geböte auch nur bescheidenster Anstand.

Was Ihr als Pflegende, Dienst Leistende, Lernende und Lehrende, Ordnende, Beschützende, Verwaltende und Gestaltende zur Zeit in Kauf nehmt, aus eigener Einsicht oder infolge behördlicher Anordnung, was Ihr leistet über das übliche, vielleicht auch das zumutbare Mass hinaus,  worauf Ihr verzichtet, schweren Herzens zumindest und vielleicht trotz existentieller Sorgen und Ungewissheit, doch jedenfalls ohne Murren, ist beispielhaft und wenigstens so weit unsere Erinnerung reicht ohne Beispiel, erheischt den tiefsten Respekt und den unermesslichen Dank von uns, den Grosseltern, Rentnerinnen, AHV-Bezügern – den zur aktiven Hilflosigkeit Angehaltenen, den Verletzlichen und Schutzbedürftigen einer jetzt unerbittlich auf die Probe gestellten Gesellschaft. 

Selbstverständlich ist dies alles in keiner Weise, denn Ihr könntet der heimtückischen Pandemie ja auch wesentlich gelassener begegnen – die vom neuen Virus hervorgerufenen Beschwerden scheinen für Euch, die jüngeren Generationen, wenigstens für die Gesunden unter Euch, kaum bedenklicher zu sein als die altbekannte und fast vertraute saisonale Grippe. Ihr tut es also für uns, die unterdessen «nutzlos» Gewordenen, die fast schon notorisch angemahnten Überzähligen, die mittlerweile auch «auf Eure Kosten» den Ruhestand geniessen und dazu noch eine ziemlich beschädigte (Um-)Welt hinterlassen – für uns, die jetzt höchstens noch durch Stillehalten helfen können, die Krise zu bestehen.

Wer oder was gäbe uns das Recht, so viel Anteilnahme von Euch zu erwarten, Euch in diesem Ausmass zu beanspruchen? Wie können wir es Euch danken? Was geben wir Euch zurück?

Ich verneige mich in grösstem Respekt vor Euch, vor Euren immensen Anstrengungen, diese Herausforderung zum Wohl aller lebenden – und gerne noch etwas weiter lebenden – Generationen zu meistern. Ich will versuchen, später daran zu denken, mich noch mehr als bisher für Eure Anliegen und Bedürfnisse einzusetzen, sei es im Alltag, in besonderen Situationen, Diskussionen … oder auch politischen Abstimmungen. Ich hoffe und gehe davon aus, nicht nur in meinem eigenen Namen, sondern im Sinne Vieler, der meisten von uns älteren Menschen, so zu denken, zu schreiben, zu sprechen – und dann, wenn es einmal ausgestanden sein wird, auch zu handeln. 

 

Ihr seid wunderbar, grossartig – schaut gut zu Euch und tragt Euch Sorge!
Ich wünsche Euch und Euren Anstrengungen Kraft, Energie und Kreativität!
Wir – die meisten von uns – werden es überstehen durch Eure Solidarität: Ich danke Euch!

 

Christoph Marti
(pensionierter Musiklehrer)


Bitte verteilt diesen Text nach Belieben an alle, die er betrifft: an Jüngere, die direkt angesprochen sind, als bescheidene und vielleicht unbeholfene Unterstützung … und an Ältere mit der Einladung, ihn ohne Einschränkung weiter zu geben, auch ergänzt mit eigenen Worten und Gedanken.

Die Stadt Shenzhen schenkt der Schweiz 70’000 Schutzmasken, davon explizit 15’000 dem Kanton Bern. Shenzhen zeigt sich solidarisch mit seiner Partnerregion.

Atemschutzmasken sind in der Schweiz ausgesprochen Mangelware. Am Dienstag berichtete der «Tages-Anzeiger», dass der Bund «nur noch gerade 300’000 qualitativ höherwertige Schutzmasken» zur Verfügung habe. Das reicht nirgendwo hin, nicht mal für die Spitäler und die Spitex.

Der akute Mangel erweist sich auch für viele Angestellten im Dienstleistungs- und Produktionssektor als grosses Problem. Zudem haben Zivilpersonen Angst davor, keine Atemschutzmasken erwerben zu können, oder sie kaufen sie zu Wucherpreisen ein. Einerseits ist die Einfuhr von Schutzmaterial aus den EU-Ländern bis anhin immer wieder blockiert gewesen und wird möglicherweise trotz neuer Bestimmungen weiterhin nicht unproblematisch bleiben. Anderseits besteht offenbar derzeit keine Möglichkeit, in der Schweiz entsprechende Atemschutzmasken zu produzieren.

Die geschenkten Masken werden den Bedarf nicht decken können. Aber es zeichnet sich eine Lösung ab: Die Firma Autefa Solutions in Frauenfeld hat angeboten, innerhalb von drei Wochen eine vollautomatische Maschine zu liefern, die täglich 40’000 Schutzmasken produzieren kann. Diese Maschine würde von ihrem Mutterhaus, der China Hi-Tech Group Corporation Sinomach, hergestellt und geliefert. Dies würde wohl den schweizerischen Bedarf vollständig abdecken.

Vor 4 Monaten reiste ich mit einer Delegation der Standortförderung des Kantons Bern nach Shenzhen. Zwischen Shenzhen und dem Kanton Bern besteht seit 5 Jahren eine Partnerschaft. Chinesen sind in ihrer Geschäftspraxis extrem beziehungsorientiert. Vertrauen und Loyalität sind wichtiger als kurzfristiger Profit. Wir realisierten während dieses Besuchs einen kurzen Film über mögliche Konkretisierungen von wirtschaftlichen Kooperationen im Bereich der Digitalisierung. Heute stellt sich heraus, dass diese Partnerschaft auch in ganz unerwarteten Bereichen hilfreich ist.

Solidarität ist das Wort der Stunde: Solidarität mit den Alten, den Gefährdeten, den Kranken. Und ich bin einverstanden. Solidarität ist das, was es jetzt braucht, damit diese Krise nicht im GAU endet, aber auch das, was es schon immer gebaucht hat, zu jeder Zeit, überall. Es ist eine Binsenweisheit, dass wir etwas immer erst dann lernen, wenn wir es am eigenen Leib erfahren. Nur zur Erinnerung: Seit 2011 tobt in Syrien ein unerbittlicher Krieg, der bereits über eine halbe Million Menschenleben gefordert hat. Im Jemen dauert der Krieg seit über 5 Jahren an. Im Mittelmeer ertrinken seit Jahren Menschen zu tausenden, weil wir sie nicht nach Europa lassen. Nicht erst seit Corona gibt es humanitäre Katastrophen, denen die starken Bande der Solidarität entgegengehalten werden müssten.

Es ist nicht die Zeit, jemandem Heuchelei vorzuwerfen, aber es geht mir nicht in den Kopf, dass immer noch Kriegsmaterial exportiert wird – die Werke der RUAG zum Beispiel spucken auch während der Corona-Krise noch Tötungsmaschinen wie den Cobra Mörser aus – Menschen aber gleichzeitig zornfaltig die Aare entlangspazieren und die Faust ballen, wenn sie eine Gruppe Jugendlicher beim Bräteln überraschen. Solche Dissonanzen sind schizophren.

Aber was bringt schon dieser Whataboutism? Was bringt es schon, von Kriegsgerät zu reden, wenn die Bedrohung für einmal nur unter dem Elektronenmikroskop sein Gesicht zeigt? Ausserdem mag niemand die Sorte Mensch, die dann auftaucht, wenn – entschuldigen sie die Sprache – die Kacke am Dampfen ist und mit gehobenem Zeigefinge auf vergangene, vergessene oder zumindest verdrängte Verfehlungen hinweist. Was interessiert mich das Gestern, wenn schweizweit keine 200 Betten mehr auf den Intensivstationen frei sind?

Jetzt Solidarität zu fordern ist das einzig Richtige. Es ginge nicht an, die Last einzig auf wenigen Schultern zu verteilen, indem zum Beispiel, wie im Kanton Uri geschehen, eine Ausgangssperre nur für Menschen über 65 verhängt wird. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteiltes Leid ist doppelte Effizienz. Bleibt nur zu hoffen, dass dieselben Menschen, die heute für sich und ihre Landsleute die Solidarität der ganzen Welt einfordern morgen bereit sein werden, diese Solidarität wieder zurückzugeben. Auch nach Corona wird es genug Menschen geben, die sie bitter nötig haben.

Friedlich fühlt er sich an, Tag drei des stillstehenden Alltags. Verpflichtungen lösen sich in nichts auf, Zuhause zu sein ist der neue Standard geworden. Ist es erlaubt, sich in einer solchen Situation zu freuen? Bei der ganzen Ernsthaftigkeit und hochstilisierten Krisenmiene scheint es fast unangebracht, diese Freiheit zu geniessen. Selbstverurteilung überkommt mich, wenn der Liegestuhl im Garten zu gemütlich wird. Ganz ehrlich: Der lockdown mag viele Leute hart treffen, ebenso das abstrakte Konstrukt Gesellschaft und die Wirtschaft, sosehr personifiziert letztere ist, so entfremdet sie sich in diesen Tagen anfühlt. Bei uns im Garten tanzen Kinder, symptomfrei versteht sich, und fallen nach ein, zwei unrhythmischen Schritten rückwärts in den moosüberwachsenen Rasen. Stahlberger ist der Soundtrack des Surrealen.

Im Wahn des beginnenden Jahres habe ich vor einigen Wochen verkündet, der Begriff «Dystopie» dürfe 2020 nicht mehr verwendet werden, er sei durch die inflationäre und unpräzise Verwendung überflüssig geworden. Heute Morgen erhalte ich eine Nachricht eines Freundes, der mich darauf anspricht: «Was kann noch dystopisch sein, wenn schon die Realität so ist?» Es brauche den Begriff nun definitiv nicht mehr, meint er. Einverstanden damit bin ich nicht. Nur die Absurdität der Existenz wurde soeben auf eine neue Ebene gehievt, der von Camus beschriebene Alltag, die absurden Momente in der Strassenbahn, sind jäh unterbrochen. Das allgegenwärtige «Es», der Virus, dessen Name nicht genannt werden soll, bringt uns zum Glauben, die Welt stehe auf der Kippe. Dabei werden nur Selbstverständlichkeiten hinterfragt, die schon lange ausdiskutiert werden sollten.

Wie ist das aktuelle Dilemma der Linken zu lösen: Der Staat der seine Bürger*innen schützen soll, auch auf Kosten des BIP gegen die damit einhergehende Autoritarisierung und Bevormundung mittels Notrecht?
Gibt es zwischen obrigkeitsgläubigem Gehorsam und blinder Ignoranz ein Niemandsland der gemeinsamen Solidarität? Wer erforscht es und welche Wesen mögen darin hausen?
Welche Werte schützen wir und welche werfen wir beim ersten Anzeichen von Widerstand über Bord?
Das BAG empfiehlt, unnötige Kontakte zu vermeiden: Wo ziehe ich im sozialen Umfeld die Grenze? Wo hätte ich sie schon lange ziehen sollen?

Bei all den Fragen hilft tief Durchatmen, Kopf in den Nacken legen und die Sonne anblinzeln, dem Gefühl standhalten, dass der lauernde Mahnfinger des kollektiven Mitleidens einen jederzeit unter das schläfrig geschlossene Lid ins Auge stechen kann.

Unglaublich: vor nicht einmal 100 Tagen umarmten wir wildfremde Menschen, stiessen an auf «Glück und ein gesundes 2020», und die einzige Sorge schien, ob anderntags Sonne, Regen oder Schnee angesagt sein würde.

Und jetzt? Ein Leben mit Nah-Kontakt-Verbot, mit genau definiertem «Freigang» und dem Stempel «vulnerabel» für Leute ab 65. Und plötzlich wird mir (69) klar, was «Glück» eigentlich ist bzw. war.

 

Zum Beispiel:

– mein vierjähriges Nachbarskind, das jederzeit bei uns reinschneit, uns zum Lachen bringt, mit mir Kuchen backen, Legotürme bauen, Büechli anschauen, verkäuferlen, ysebähnlen, verstecklen… will. Fällt aus, wegen Corona gestrichen!

– meine Freundinnen mit denen ich mich zum Pilates oder zum Walken treffe, die mit mir schwitzen, mir auf die Finger klopfen, mich umarmen … Körpernahe Tätigkeiten – also auch gestrichen!

– Diskussionen, Theater-, Kino und Ausstellungsbesuche – fällt alles aus.

– Besuche, Teilhabe am Alltag der anderen. Untersagt.

 

Und Glück war auch:

– Nachrichten und Zeitungen ohne «Corona»-Schlagzeilen

– TV-Sendungen ohne Kinder, die über Fallzahlen dozieren

– Werbebotschaften wie «happy spring», «ab in den Süden», «da möchte man nur noch Kofferpacken» usw, die man höchstens verlockend (und nicht zynisch) fand

– Begegnungen im Freien, ohne den Gedanken «was tut denn der/die noch hier?»

– Weiss- und Grauhaarige zu sehen, ohne das schreckliche Wort «vulnerabel» zu denken

 

Und nicht zuletzt war Glück:

– Die etwas langweilige, aber weitgehend sorglose Normalität

– Die simple Freude am Frühling, an spriessenden Tulpen, blühenden Forsythien, grünenden Bäume, und die Lust sich mit Setzlingen einzudecken …

– Das Spielen, Kreischen, Tollen, Rumtoben, Brüllen, Jubeln, Streiten der Kinder draussen….

 

Die Liste liesse sich endlos fortsetzen. Klagen mag man nicht (solange man kein Fieber hat; oder müsste man wohl mal messen…?), aber vielleicht darf man ja ein bisschen ins Philosophieren geraten. Zum Beispiel über die Frage: warum fühlt sich Glück in der Gegenwart so selten an wie Glück?

Die Website der Volkshochschule Bern beginnt mit «Weiterbildung. Aus Überzeugung.» Unmittelbar darunter die Anzeige «Coronavirus, Stand 13.03.2020: Gemäss heutigem bundesrätlichem Beschluss bleibt die Volkshochschule Bern bis am 4. April 2020 geschlossen.» Dazu Mailadresse und Telefonnummer.

Das ist jetzt mein Brot. Als Präsident des Verbands der 70 Volkshochschulen (VHS) in der Schweiz geht es mich an, wie es den VHS geht. Seit zehn Tagen tröpfeln die Anmeldungen für Kurse, Vorträge, Exkursionen nur noch. Für Angebote häufen sich Abmeldungen, manche Angemeldete bleiben ohne Mitteilung fern. Nun ist die Lage klar, ein Vorteil. Die Nachteile: Eine VHS ohne Bildungsaktivität ist eine hyperaktive Unternehmung. Die Telefonleitungen laufen heiss: Wie geht es weiter? Gibt es Alternativen? Erhalte ich die Kursgebühr zurück – unbürokratisch oder auf Antrag? Bezahlt man Referentinnen und Referenten ein Honorar für Auftritte, die nicht stattfinden? Bekommen Kursleitende die vereinbarte Entschädigung, auch wenn sie weniger leisten dürfen? Für welche Angestellten hat die VHS unter welchen Voraussetzungen Anrecht auf Entschädigung für Kurzarbeit? Wer weiss es? An wen ist das Gesuch zu stellen? Wie steht es in ein paar Wochen mit der Liquidität: Können wir Löhne, Mieten, Honorare bezahlen, wenn Einnahmen wegbrechen? Woher kommt das Geld für Überbrückungsdarlehen? Für welche Kosten braucht es Deckung, wie lange dauert die Situation an, wie gross muss ein Darlehen sein? Zinsfrei, rückzahlbar ab wann? Und was ist mit den Schulden, wenn dereinst der Betrieb wieder läuft?

Unterricht mit Fantasie und neuen Formen

Soweit betriebliche Sorgen der KMU namens VHS. Sie decken sich weitgehend mit denen von Kulturveranstalterinnen und -veranstaltern, die in aller Munde sind. Die Sorgen gehen weiter bei den VHS als Bildungsinstitutionen, die sich fragen, wie sie ihre Kundinnen und Kunden unterstützen können in einer Zeit, da Präsenzunterricht verboten ist, die Leute aber weiter lernen, sich unterhalten oder sich auf Prüfungen vorbereiten wollen. Ein Beispiel: Einzelne VHS produzieren jetzt Lernvideos, die über eine Online-Plattform für Lernende zugänglich sind – und für weitere VHS sowie deren «Kunden». Gefragt sind Initiative, Fantasie, Wissen und Können.

Gefragt sind heute und in den kommenden Wochen Informationen, Austausch, Hinweise auf gute Beispiele, Rechtsbeistand, die Vertretung der VHS bei den Bundesämtern, den kantonalen Behörden, vielen Gemeinden. Dies sind Aufgaben des schweizerischen Verbands. Wir arbeiten daran, nicht gerade Tag und Nacht wie viele der direkt betroffenen VHS, dennoch intensiv und ehrgeizig. In dieser Stunde zeigt es sich, ob der Verband mehr sein kann als die Summe der Mitglieder und deren Beiträge verdient. Ob er den Zusammenhalt stärken, die grossen und kleinen VHS verbinden, die «Familie» der VHS – wie wir gern sagen – festigen kann.

Chancen nach Ende der aktuellen Situation?

Eine kleine Chance kann der Ausnahmezustand öffnen. Da Reisen ins Ausland für einige Zeit unmöglich oder erschwert sind, die Menschen sich aber weiterhin bilden wollen, kann in der Zeit nach der Kontaktsperre das Programm der VHS der Lage angepasst und erweitert werden. Das ist, hoffentlich, keine reine Illusion.