Es war seit längerem absehbar: In Bundesrat Röstis Konzept «Verkehr ’45» für die Schweizer Verkehrspolitik ist kein Platz für den Bypass Bern-Ost. Dieses Projekt einer Verlegung der Autobahn A6 im Osten Berns in einen Tunnel interessiert den Bund nicht, weil es nur «städtebaulich motiviert» sei, wie es in einem Gutachten von ETH-Professor Ulrich Weidmann heisst. Oder im Umkehrschluss: Prioritär sind für den Bund und seinen Gutachter nur Autobahnprojekte, welche Kapazitäten erweitern.
Die Regierungen von Stadt und Kanton Bern sind mit diesem Entscheid nicht einverstanden. «Der Gemeinderat wird für den Bypass Bern-Ost kämpfen», wird Gemeinderat Matthias Aebischer (SP) im «Bund» zitiert. Das ist zwar verdienstvoll, erscheint aber angesichts der aktuellen politischen Randbedingungen in der nationalen Verkehrspolitik als aussichtslos. Die für den Bau des Tunnels erforderlichen Milliarden kann nur die Eidgenossenschaft aufbringen, und dazu ist Bundesrat Rösti offensichtlich nicht bereit.
Vorrang für Einhausung und Dosierung
Die Stadt Bern muss daher davon ausgehen, dass sie noch Jahrzehnte mit der Autobahn durch die Wohnquartiere im Osten Berns leben muss. Der ganze Strassenverkehr, der ins Aaretal und das Oberland geht oder von dort kommt, wird auch weiterhin über den Freudenbergerplatz donnern. Und die Autos, die im Ostring auf die Autobahn wollen oder sie dort verlassen, werden weiterhin die angrenzenden Quartiere verstopfen und sie mit Lärm und Abgasen belästigen.

Um diesen im Grunde unhaltbaren Zustand wenigstens etwas erträglicher zu machen, sind tatsächlich Alternativen erforderlich. Sie müssen aber nicht aufwändig analysiert und evaluiert werden, sondern sie liegen auf der Hand: Es sind dies einerseits die Einhausung der Autobahn zwischen Freudenbergerplatz und Zentrum Paul Klee und andererseits die Reduktion des Verkehrs auf den beiden Ausfahrten Bern-Ostring mit Hilfe von Dosierungsanlagen. Und beide Massnahmen kosten nur einen Bruchteil des bisher geplanten Bypasses.
Bestehende Einhausung erweitern
Ein Teil der Autobahn am Freudenbergerplatz ist schon heute überdacht. Die Lärmbelästigung für die Personen, die in den angrenzenden Strassen wohnen, konnte dadurch massiv reduziert werden. Die Quartiervertretung 4, das für den östlichen Teil der Stadt zuständige Partizipationsorgan, hatte bereits im August 2025 in einem Brief an das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung die sofortige Erweiterung der Einhausung auf das Autobahnstück zwischen Freudenbergerplatz und Galgenfeld verlangt (Journal B berichtete). Als Vorbild hatte ihr dabei die kürzlich erfolgte Einhausung der Autobahn in Zürich-Schwamendingen gedient. Mit der Absage des Bundes an das Projekt Bypass Bern-Ost erhält diese Forderung neue Dringlichkeit.
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Allerdings kann es bei der blossen Einhausung nicht bleiben. Vielmehr muss gleichzeitig erreicht werden, dass die Überflutung der angrenzenden Quartiere mit dem von der Autobahn kommenden Pendlerverkehr ein Ende hat. Als vorläufiger erster Schritt dazu bietet sich an, die Autobahnausfahrt Bern-Ostring mit Hilfe einer Dosierungsanlage vom quartierfremden Durchgangsverkehr zu entlasten. Da die Ausfahrten doppelspurig sind, könnte auch relativ leicht eine Spur für den Quartier- und den Wirtschaftsverkehr reserviert werden.
Zwei rasch umsetzbare Massnahmen
Zumindest die Einrichtung einer Dosierungsanlage könnte bei der Ausfahrt Bern-Ostring kurzfristig und ohne grosse Kosten umgesetzt werden. Durch die vor kurzem realisierte Umnutzung der Pannenstreifen sind die Ausfahrten dieses Anschlusses faktisch bis zu den jeweils früheren Anschlüssen verlängert worden. Mit einer zusätzlichen Signalisation am Beginn der umgenutzten Pannenstreifen kann schon im Vorfeld der Ausfahrten angezeigt werden, dass diese zur Zeit nicht oder nur für bestimmte zweckgebundene Fahrten benutzt werden können. Die neu ankommenden Fahrzeuge werden dadurch angewiesen, mindestens bis zur nächsten Ausfahrt weiterzufahren.
Die von der Quarterkommission verlangte Einhausung des Autobahnstücks zwischen Freudenbergerplatz und Galgenfeld wäre natürlich etwas aufwändiger. Allerdings würden auch diese Kosten nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was die Verlegung der Autobahn in einen Tunnel kosten würde. Wenn es Bundesrat Rösti mit seiner Forderung nach Alternativen ernst ist, müsste er zumindest zu dieser vorläufigen Lösung Hand bieten. Sie würde den Quartieren im Osten der Stadt relativ kurzfristig einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität einbringen.
Der Autobahnanschluss im Osten Berns bringt täglich grosse Verkehrsströme mitten durch Wohnquartiere (Foto: bypass-bern-ost.ch).
