Neben dem angefrorenen Becken, an einem leichten Abhang im hinteren Teil der Badi, präsentiert sie sich: Die kurze Skipiste, präpariert aus dem Abriebmaterial der Kunsteisbahn, inklusive automatischem Förderband alias «Zauberteppich». Ja, sogar ein Pistenfahrzeug gibt es in der Badi.
Noch bis am 8. Februar 2026 können Kinder dank der Mini-Skipiste, präpariert aus dem Abriebmaterial der Kunsteisbahn, im Freibad Weyermannshaus erste Erfahrungen auf Skis oder auf dem Snowboard sammeln. Seit der Wintersaison 2017/2018 wird das Angebot «Schneespass Weyerli» von der Stadt Bern in Kooperation mit der Ferienregion Gstaad angeboten.

Jeweils mittwoch-, samstag- und sonntagnachmittags kann im Weyerli die Kunst des Skifahrens erlernt werden. Skis, Skischuhe und Skihelme stehen kostenlos zur Verfügung.
Die Mini-Skipiste im Weyerli möchte Kindern «früh und niederschwellig den Zugang zum Schneesport ermöglichen und ihnen Freude an der Bewegung im Schnee vermitteln», erklärt Beat Burkhalter. Er ist Bereichsleiter Anlagen Eis & Wasser beim Sportamt der Stadt Bern.
«Das Angebot richtet sich insbesondere auch an Kinder, die sonst wenig Berührung mit Schneesport haben.» Denn: «Für viele Familien ist das Skifahrenlernen zu teuer, zu weit entfernt und – nicht zuletzt – mit erheblichem Aufwand bei der Materialbeschaffung verbunden», erklärt Burkhalter.
Gratis Skiunterricht von Skilehrpersonen
An ausgewählten Daten bieten zudem Skilehrpersonen aus der Ferienregion Gstaad gratis Skiunterricht im Weyerli an. Einer von ihnen ist der Berner Julian Saxer, der seit circa acht Jahren immer wieder als Skilehrer arbeitet und schon mehrere Male im Weyerli Skiunterricht gab. Er findet die Mini-Skipiste im Weyerli ein «mega schönes Projekt». «Es ist gratis für alle. Das gibt es sonst nicht: Unterricht bei einer Skilehrperson ist immer sehr teuer, vor allem so im Eins-zu-eins-Unterricht», erklärt der Skilehrer.

Saxer findet das Projekt auch deshalb gut, weil es im Westen von Bern stattfinde, wo es viele Familien gebe, die entweder nicht die Mittel oder keinen Zugang zum Wintersport hätten. «Es nimmt dem Wintersport ein wenig das Privilegierte.»
Hier im Weyerli habe er eine andere Klientel als in Gstaad, wo eher eine wohlhabendere Kundschaft hinkomme, erzählt er. «Hier ist es nah und niederschwellig.» Dies führe auch dazu, dass niemand wirklich Erwartungen habe. «Es sind alle sehr dankbar, dass wir hier sind», berichtet Saxer.
Es nimmt dem Wintersport ein wenig das Privilegierte.
Auch der Unterricht unterscheidet sich vom Unterricht in den Bergen. Mit dieser Altersgruppe sei es viel herausfordernder, «wenn man zwei Stunden am Stück mit einer Klasse unterwegs ist». Hier im Weyerli sei das aber ganz anders: «Da fahren die Kinder ein bis zwei Ründeli, haben noch die Eltern, Freunde oder Geschwister dabei. In den Bergen kommt es viel öfters vor, dass ein Kind mal weint oder gar nicht will. Hier ist alles sehr freiwillig.»

Die Skilehrpersonen führen im Weyerli die Kinder auch nicht durch ein «durchgetaktetes Programm», der Rahmen sei locker, erklärt er: Ein paar Runden fahren, dann kommt schon das nächste Kind dran. «Für die Kleinen, die heute zum ersten Mal auf den Skiern stehen, ist es perfekt,» sagt Saxer.
Für ihn als Berner hat der Skiunterricht im Weyerli noch einen ganz praktischen Nebeneffekt: ein kurzer Arbeitsweg. In einer halben Stunde sei er bereits hier, erzählt er.
Letzte Saison lockte Mini-Skipiste 4‘000 kleine Skifans an
Weshalb engagiert sich ein Skiort wie Gstaad im Berner Flachland? Das Ziel von Gstaad sei es den Schneesport «von den Bergen in die Stadt zu bringen», erklärt der ehemalige Skirennprofi Mike von Grünigen. Er ist Projektleiter «Gstaad on Tour» und auch er betont den sozialen Aspekt des Projekts: «Gstaad möchte damit zeigen, dass es nicht nur das ‹noble Gstaad› gibt, sondern wir uns auch dafür engagieren, dass Skifahren für jemanden möglich wird, der keinen Skihintergrund hat und das Budget damit nicht belastet wird».

Das Schneesport-Angebot im Weyerli stösst auf Interesse, die Mini-Skipiste wird rege genutzt: In der letzten Saison (24/25) gab es laut Burkhalter insgesamt knapp 4’000 Besucher*innen. «Zudem fanden letztes Jahr 33 Halbtage im Schnee mit Schulklassen statt, an denen insgesamt circa 650 Kinder teilnahmen.» Auch in der aktuellen Saison ist das Interesse gross: Es hätten sich aktuell bereits 30 Schulklassen mit etwa 530 Schüler*innen für einen Halbtag im Schnee angemeldet, erklärt Burkhalter.
Es gibt auch Wettkämpfe im Weyerli
Aber auch angehende Boarder*innen kommen nicht zu kurz: An zwei Nachmittagen fanden bereits Kinder-Snowboard-Workshops des Snowboard-Nachwuchskaders der Region Mittel-Nordwestschweiz BABE statt, das ebenfalls Partner des Projekts ist.
Auch für die Snowboard-Workshops gebe es eine grosse Nachfrage, erklärt Burkhalter: Jene der aktuellen Saison seien fast vollständig ausgebucht. Und: Es gab sogar auch schon Rennen im Weyerli. Burkhalter: «Im Dezember führte BABE den sogenannten ‹City Rail Jam› durch, der Teil der regionalen Wettkampftour BUZZ (Bern und Zentralschweiz Zürich) ist, wo angehende Athlet*innen erste Wettkampferfahrungen sammeln können».

Ob das «kleinste Skigebiet Berns» eine*n künftige Weltcupfahrer*in hervorbringen wird sei dahingestellt. Der zweimalige Riesenslalom-Weltmeister von Grünigen betont denn auch, dass nicht in erster Linie ein Spitzensport-Gedanke dahinter steht: «Es geht wirklich nur darum, Kindern den Zugang zum Schneesport zu ermöglichen und ihnen Freude an der Bewegung im Schnee zu vermitteln. Wenn wir aber dadurch jemanden aus dem Unterland in jungen Jahren motivieren können, vielleicht einmal den Schneesport auch als Spitzensport auszuüben, umso besser.»
Noch bis am 8. Februar geöffnet: Die Mini-Skipiste im Weyerli (Foto: David Fürst)
