Erst wenige Tage dauerte das neue Jahr, schon rüttelten die USA an internationalem Recht und überraschten mit einer Militäroffensive gegen Venezuela. In der Nacht auf Samstag beschossen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten Boote und Gebäude in Venezuela. Mit Hubschraubern entführten sie den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seine Frau. Die Aktion verstösst sowohl gegen US-Gesetze als auch gegen Völkerrecht.
Das Vorgehen brachte in zahlreichen Ländern die Leute auf dieStrasse. So auch in Bern. Es waren vor allem linke Gruppierungen, die am frühen Sonntagnachmittag auf dem Berner Bahnhofplatz gegen den US-Angriff auf Venezuela protestierten: Kommunistische und sozialistische Parteien, anti-imperialistische Gruppen und Anarchist*innen – insgesamt hatten sich rund 100 Menschen zur Spontankundgebung versammelt – prangerten den Bombardierung auf venezolanischem Boden und die Entführung von Präsident Nicolas Maduro an. Die USA hätten Ihre Absicht, in Venezuela einen Regimewechsel herbeizuführen, bereits seit langem offen kundgetan, sagte etwa die Rednerin der Partei der Arbeit Schweiz.
Diese Eskalation bedroht den Weltfrieden insgesamt!
Die Anwesenden begleiteten die Reden jeweils mit Sprechchören wir «Hoch die internationale Solidarität!» oder «El pueblo unido jamás será vencido!» – eine Parole, die nach dem Putsch des chilenischen Präsidenten Salvador Allende erst in Chile und dann in ganz Lateinamerika zum Symbol des Widerstands wurde. Einige der Redebeiträge warnten, das Gebaren der Vereinigten Staaten könne über Venezuela und Lateinamerika hinaus Folgen haben. So sagte die Vertreterin der Partei der sozialistischen Wiedergründung: «Diese Eskalation bedroht den Weltfrieden insgesamt!» Diplomatie Menschenrechte würden fallengelassen, so die Rednerin.
Zur selben Zeit keine 300 Meter weiter auf dem Bundesplatz: Rund ein Dutzend Menschen haben sich mit Venezuela-Flaggen versammelt. Sie kandieren «libertad!» – Freiheit. Die hier versammelten freuen sich darüber, ist Maduro gestürzt.
Bei den Demonstrierenden am Bahnhof kommt derweil vor allem die Kritik an den USA zum Ausdruck und nicht die Unterstützung für Maduro. Die Entwicklungen in Venezuela seien unabhängig von der Kritik an Maduro zu betrachten, heisst es da.


Die Kritik an den USA ist für die Demonstrierenden auch eine Kritik an der hiesigen Politik: «Die Verbündeten der USA – so auch die Schweiz – machen sich jedes Mal zu Komplizen der USA.» Tatsächlich haben europäische Regierungen bisher zögerlich reagiert und mehr die Freude am Sturz Maduros ins Zentrum gerückt als die Kritik an den USA. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ruft in einem Social-Media-Post zur Deeskalation und Zurückhaltung sowie zur Einhaltung des Völkerrechts auf. Die US-Regierung nennt das EDA dabei nicht direkt.
Dass die USA unter Trump eine jahrzehntealte imperialistische Tradition fortführt, verdeutlicht ein Transparent an der Kundgebung besonders: «Stop US-Aggressions Against Venezuela» steht darauf. Das Wort Venezuela steht auf einer Stoffbahn, die mit Sicherheitsnadeln am Banner festgemacht wurde. Darunter steht wohl eines der früheren Opfer von US-Angriffen.
Die Reportage von RaBe-Info zum Nachhören:

In der eisigen Kälte protestierten rund 100 Menschen gegen den Angriff auf Venezuela. (Foto: David Fürst)
