«Gesetzlose» mit Idealen und Ideen

von Katharina Kilchenmann 27. Juli 2016

Seit Mitte Juni gibt es im Nordquartier einen Sprayerladen. Im «OUTLWAZ STORE» kann man neben Spraydosen, Graffitibildern und Büchern auch Kleider kaufen und ins Tattoo-Studio gehen. Als Kollektiv verwirklichen hier zwölf Freunde ihren Traum. Und die Ideen gehen ihnen so schnell nicht aus.

Ursprünglich wollten sie ein Veganes Kaffee eröffnen. Doch dafür gab es nicht genügend Startkapital, dafür umso mehr Auflagen. Als dann bekannt wurde, dass ein italienischer Lieferant einen Vertreiber in der Schweiz für seine Graffiti Farben suchte, haben sie nicht lange gezögert: Sie mieteten den Laden an der Standstrasse, gründeten eine Kollektivgesellschaft, gestalteten die Räume nach ihren Bedürfnissen um und feierten Mitte Juni die Eröffnung. Kevin, einer der vier Gesellschafter von «OUTLAWZ», ist sichtlich zufrieden. «Der Start war gut. Unser breites Angebot an Dosen interessiert viele, auch Leute von ausserhalb. Aber den Umsatz machen wir primär mit den Kleidern.»

Basisdemokratisch organisiert.

Die vier jungen Männer, die mit ihrem Namen im Handelsregister stehen, haben je etwas Geld investiert, acht weitere investieren ihre Freizeit, arbeiten im Verkauf und im Lager. «Alle arbeiten vorerst ohne Lohn und mit viel Engagement. Und wir kombinierten Arbeit und Freundschaft», meint Kevin. Die Entscheide werden basisdemokratisch gefällt in regelmässigen Sitzungen und langen Gesprächen. So hat jeder eine Verantwortung. «Das ist zwar anspruchsvoller als einfach tun, was ein Chef vorgibt. Aber auch viel interessanter. Wir alle wollen mehr als arbeiten und am Wochenende ein paar Biere kippen.»

Keine Anstiftung zu Sachbeschädigung.

Und was sagt die Gewerbepolizei dazu, wenn bei «OUTLAWZ» ein paar junge Typen Dosen, Sprayer-Masken und anderes Graffiti-Zubehör verkaufen? Immerhin kosten die Sachbeschädigungen durch Sprayereien die Stadt viel Geld. «Wir stiften nicht zu illegalem Verhalten an», erwidert Kevin. «Spraydosen kann man in jedem Baumarkt kaufen und sprayen ist nicht per se illegal. Dass wir unser Geschäft in der Nähe einer legalen Wandfläche eröffnet haben, ist kein Zufall. Wir arbeiten mit Jugendarbeitern zusammen und bieten Kurse für Kids an. Man mag das grenzwertig finden, aber illegal ist es nicht.»

They have a dream.

So oder so, dieser Laden scheint ohnehin nur der Start für mehr zu sein. Kevin träumt von einem Haus, in dem vieles zusammenkommt: ein Restaurant und eine Bar, ein Graffiti-Laden, der auch Kleider anbietet, die im eigenen Nähatelier hergestellt werden. Im Garten gibt es eine Feuerstelle und einen Sprayplatz. Und es gibt Lebensraum und Beschäftigungen für viele. Solche Träumer wie diese zwölf «Gesetzlosen» braucht es.