Emma-Graf-Preis für Sabine Schärrer

von Willi Egloff 15. September 2021

Die Quartierkommission des Stadtteils IV (Kirchenfeld-Schosshalde) hat einen Preis für besondere Verdienste in den Bereichen Partizipation und Mitwirkung geschaffen. Am vergangenen Dienstag wurde er erstmals vergeben.

Mit der Verleihung des Emma-Graf-Preises wurden nicht nur die drei Preisträgerinnen geehrt, sondern auch die Namensgeberin des Preises. Denn die 1865 geborene Emma Graf ist nicht etwa die Stifterin des Preises, sondern eine seiner Vorbildfiguren. Sie war zunächst Weissnäherin, bildete sich zur Lehrerin weiter und doktorierte schliesslich an der Universität Bern über ein literaturwissenschaftliches Thema. Jahrzehntelang setzte sie sich für die Gleichberechtigung von Lehrerinnen und Lehrern und für die Anerkennung des Frauenstimmrechts ein. Als erste Frau der Schweiz unterrichtete sie ab 1907 an einer höheren Mittelschule Naturwissenschaften. Gleichzeitig war sie Präsidentin des Schweizerischen Lehrerinnenvereins und massgeblich an der Gründung des damaligen Heims für pensionierte Lehrerinnen im Wildermettpark beteiligt, in welchem die Preisverleihung stattfand. Die Stiftung Schweizerisches Lehrerinnenheim, welche diese Institution heute verwaltet, trägt den Emma-Graf-Preis mit.

Als Vorkämpferin für die Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben steht Emma Graf sinnbildlich für das Ziel des neugeschaffenen Preises. Dieser will partizipatives Denken und Handeln auf Quartierebene fördern und zur Teilhabe aller in Politik und Gesellschaft ermuntern. Die Auszeichnung ist als Doppelpreis ausgestaltet: Er wird einer Person als Anerkennung für ihre besonderen Verdienste verliehen, und diese Person schlägt eine weitere Person vor, welche den zweiten Teil des Preises, einen Förderpreis, erhält.

Als erste Preisträgerin wählte die vom Initianten des Preises, Thomas Göttin, präsidierte Jury die frühere Präsidentin und Geschäftsführerin der Quartierkommission des Stadtteils IV, Sabine Schärrer. Diese hatte sich über Jahrzehnte hinweg für die Mitwirkung der Quartierbevölkerung in städtischen Angelegenheiten eingesetzt, niederschwellige soziale und kulturelle Projekte initiiert und verantwortet und dadurch die gesellschaftliche Mitwirkung auf Quartierebene massgeblich mitgeprägt. Auch nach ihrem Rücktritt als Geschäftsführerin der Quartierkommission des Stadtteils IV ist sie unermüdlich für partizipative und innovative kommunale Projekte unterwegs.

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Der Jurypräsident Thomas Göttin, die Quartierkommissionsmitglieder Karin Feuz-Ramseier und Rudolf Rast sowie der Dichter Francesco Miceli würdigten in kurzen Ansprachen unterschiedliche Facetten des Wirkens der Preisträgerin. In ihrer Dankesrede legte Sabine Schärrer Wert auf die Feststellung, dass sie diesen Preis nicht als Einzelperson entgegennehme, sondern sich als Vertreterin all ihrer vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter verstehe. Nur durch deren Mitarbeit sei es möglich gewesen, diese sozialen und kulturellen Projekte aufzubauen und zum Erfolg zu führen. Ausgezeichnet würden daher alle, die an diesen Arbeiten mitgewirkt hätten.

Für den Förderpreis schlug Sabine Schärrer die Initiantinnen des Vereins Träffer vor, Renate Müller und Karin Rüfenacht. Diese hatten im ehemaligen Kirchgemeindehaus Schosshalde dafür gesorgt, dass die soziokulturellen Aktivitäten auch nach dem Rückzug der Kirche weitergeführt werden konnten. Der Quartierbevölkerung ist dadurch ein lebendiger Treffpunkt und ein Ort gesellschaftlicher Mitwirkung erhalten geblieben.

 

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