Mitten in der Budgetdebatte im Nationalrat sorgte ein Entscheid für Empörung: Während Millionen für den Schutz von Schafherden und die Weinwerbung bewilligt wurden, wurde eine zusätzliche Million für den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt abgelehnt. Nationalrätin Tamara Funiciello und weitere linke Politiker*innen kritisierten dies scharf: «In welcher Welt werden Schafe besser geschützt als Frauen?» Sie bezeichnete den Entscheid als unverständlich und als ein Zeichen falscher politischer Prioritäten.

Nach ihrer Rede im Bundeshaus und einem Aufruf auf Instagram, der sich rasch verbreitete, versammelten sich hunderte Menschen auf dem Bundesplatz – mehrheitlich Frauen, viele mit Kindern, aber auch solidarische Männer. Der Protest wurde von der SP, dem Feministischen Streikkollektiv Bern und Brava organisiert.
Journal B war gestern mit der Kamera vor Ort. Funiciello stand umringt von Demonstrierenden auf dem Bundesplatz mit einem Mikrofon, neben der Politikerin zwei Personen, die eine Lautsprecherbox in die Luft hielten, um die wütende Rede auch in die äusseren Ecken des Bundesplatzes zu tragen. Funiciello verglich die abgelehnte Million Franken mit den 10 Millionen, die für den Schutz der Schafe ausgegeben wurden.


Die Menschen buhten, pfiffen und skandierten «ni una menos» und «Shame on you!» in Richtung Bundeshaus. Eine Familie hatte ein Banner gebastelt, das mit Kerzen geschmückt war: «Stop – ab jetzt entscheiden wir», damit waren die Kinder gemeint, welche hinter dem Banner standen.

Die Kundgebung zeigte, wie viel Unmut der Entscheid des Nationalrates auslöste – und dass dieser Unmut durchaus auch politische Wirkung entfalten kann: Heute hat sich der Ständerat für eine zusätzliche Million für den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesprochen.

Die Empörung war gestern auf dem Bundesplatz zu spüren. Tamara Funiciello bei ihrer Rede. (Foto: David Fürst)
